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können jetzt bleiben
In
der Leichathletik-Diaspora München schließen sich acht
Klubs zu einer neuen Macht zusammen
München,
01. Dezember 2006 (sz/warta) - Zuletzt konnte man das Raunen in der
Münchner Leichtathletik-Szene kaum mehr überhören.
Von der Gründung einer großen Leichtathletik-Gemeinschaft
war da zu hören, von einem potenten Sponsor, der das Projekt
gleich für mehrere Jahre finanzieren will, kurz: von einem neuen
Versuch, München auf die Leichtathletik-Landkarte zurückzubringen.
An diesem Freitag endet die Wechselfrist der Leichtathleten, die Heimlichtuerei
hat zwangsläufig ein Ende. Eine ganze Reihe Athleten wechselt
zum 1. Dezember zur neuen LG SWM München. Acht Münchner
Leichtathletik-Abteilungen mit weit über tausend Athleten schließen
sich darin zusammen, gesponsert werden sie von den Stadtwerken München.
Jahrzehntelang
gab es für talentierte Leichtathleten in der bayerischen Landeshauptstadt
nur eine Möglichkeit, voranzukommen: indem sie die Stadt verließen.
Die Sprinterinnen Gabi und Birgit Rockmeier etwa, Staffel-Weltmeisterinnen
2001, schlossen sich 1999 dem Leichtathletik-Großklub LG Olympia
Dortmund an, obwohl sie weiterhin in der Nähe Münchens trainierten.
Andere wie die Siebenkämpferin Karin Ertl gehörten jahrelang
dem TSV 1860 München an, der sich mit Leichtathleten aus Fürth
zum LAC Quelle Fürth/München zusammengetan hatte. Doch beim
einst vom Versandhaus-Mogul Schickedanz gegründete Leichtathletik-Zentrum
in Fürth sind die fetten Jahre längst vorbei. Zuletzt war
der LAC nur noch ein Schatten seiner selbst und allenfalls für
Nachwuchsathleten eine akzeptable Adresse.
Und auch der letzte
Versuch, in München einen Leichtathletikverein zu etablieren,
scheiterte so schnell wie grandios: 1986 wurden Prominente wie der
FC-Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Speerwurf-Olympiasieger
Klaus Wolfermann und Starkoch Eckart Witzigmann als Gründungsmitglieder
für den Leichtathletikclub (LC) Olympiapark München gewonnen.
Doch zwischen dem LC und der Kugelstoß-Olympiasiegerin Claudia
Losch, die man als Zugpferd geholt hatte, kam es schnell zum Streit
über Gagen. Losch wollte sich 40 000 Mark erstreiten, die Gründungsmitglieder
liefen Gefahr, persönlich zu haften - und der Klub löste
sich auf. Seitdem konnte die Spitzenleichtathletik in München
nicht mehr Fuß fassen.
Das
soll nun anders werden: "Der Vertrag mit dem Sponsor ist unter
Dach und Fach", sagt Norman Feiler, der zweite Vorsitzende des
Fördervereins LG SWM, der die Gelder für die LG verwalten
wird. "Die Prämissen sind die, den Leistungssport und den
Nachwuchs in München zu fördern." Die Betonung liegt
auf München. "Die einzelnen Vereine konnten die guten Athleten
bisher nicht hier halten", sagt Reinhard Maier vom TSV Forstenried,
einem der beteiligten Klubs. Die Szene war zersplittert, Eifersüchteleien
unter den einzelnen Klubs gehörten zur Tagesordnung, die Talente
wanderten trotzdem ab. Das soll der Vergangenheit angehören:
Die Athleten bleiben Mitglied in ihren Vereinen, starten aber unter
dem gemeinsamen Dach der LG.
Weil sie bei der
LG SWM München nicht die gleichen Fehler machen wollten wie ihre
Vorgänger beim LC Olympiapark, haben sie bewusst darauf verzichtet,
Topathleten anderer Vereine abzuwerben. Das wäre erstens zu teuer
gewesen und hätte zweitens nicht ins Konzept gepasst. "Wir
wollen das alles in Ruhe entwickeln", sagt Feiler. Zum Top-Kader
der LG gehören deshalb Leute aus der zweiten und dritten Reihe:
die Sprinterin Franziska Bertenbreiter zum Beispiel, Nummer sechs
der 100-m-Bestenliste 2006. Sie startete bisher für den LAC.
"Das Konzept hört sich sehr professionell an", sagt
Bertenbreiter, "man hat sich bisher rührend um mich gekümmert."
Zum LG-Team gehören außerdem Johannes Schuster, Zweiter
der bayerischen Meisterschaft über 800 m, Hindernisläufer
Michael Wilms, mehrmaliger bayerischer Jugendmeister und Zweiter bei
den deutschen Jugendmeisterschaften sowie der Hammerwerfer Jerrit
Lipske. Sie alle sind jung, sie alle leben in München. Nur einer
passt nicht in dieses Raster: der Langstreckenläufer André
Green, 33, der seit zwei Jahren in München lebt und 2007 um die
deutsche Marathonmeisterschaft mitlaufen will.
"Die Leichtathletik
soll hier endlich wieder einen größeren Stellenwert bekommen",
sagt Maier. Und Feiler hofft, dass die LG München nicht nur in
Bayern bald zum führenden Verein wird, sondern auch national
eine bedeutsame Rolle spielen kann. Ausgerechnet eine Gruppierung
aber wird sich der neuen Macht in München pikanterweise nicht
anschließen: die Leichtathletik-Abteilung des TSV 1860, die
angeführt wird von Karl Rauh, dem Präsidenten des Bayerischen
Leichtathletik-Verbandes. "Schade", findet Maier, "aber
das kann ja noch kommen."
von Christina
Warta, Süddeutsche Zeitung
Fotos: Franziska
Bertenbreiter und Johannes Schuster (beide ab 2007 im Trikot der LG
München)