Regensburg, 29. Juli 2007 (orv) – Süddeutschlands Leichtathletik-Nachwuchs war am letzten Juli-Wochenende zu Gast in Regensburg. Als „Sandwich“-Meisterschaften zwischen den „Deutschen“ in Erfurt und den deutschen Jugendtitelkämpfen in Ulm hatte die Meisterschaften keinen leichten Stand. Die „einen“ (Junioren) wollten wohl nicht mehr so recht ran, die „anderen“ (Jugendliche) hielten sich, zumal eine Klasse höher starten müssend, verständlicherweise merklich zurück. Trotzdem erlebten alle, die an diesen beiden Tagen im Regensburger Uni-Stadion dabei waren, in aller Regel eine freundliche Atmosphäre und flott dargebotene Wettkämpfe mit durchaus sehnswerten Leistungen. Hier unsere nicht ganz ernstgemeinte Schwarz-Weiß-Malerei:
Tops:
Von diesen Bedingungen konnten Deutschlands Top-Sprinter bei der Gala an gleicher Stätte nur träumen. Fast unentwegt blies ein gerade noch erlaubter Rückenwind die schnellen Mädels und Jungs zu ganzen Serien von Bestleistungen, an der Spitze natülich der 10,43 Lauf von Sven Mehlhorn.
11,31 und 10,43 werden auch nicht alle Tage auf den Kürzhürden der Schüler/Innen erzielt. Dafür verantwortlich zeichneten Antonia Kurz und Moritz Riekert. Dabei sei erwähnt, dass ein unglaublich schnell arbeitendes Hürdenkommando unter Regie von Stephan Schnabel eine flotte Durchführung der verschiedenen Hürdensprints erst möglich machte.
Ein absoluter Höhepunkt der Sololauf von Stephan Behr über die 400 m in 47,08. Jahrelang zwischen der Stadionrunde und den 800 m hin und her gerissen, will der Kaiserslautener jetzt die 46 vor dem Komma stehen sehen. Vielleicht ist das dann die richtige Grundlage für eine zukünftige Topzeit - in drei, vier Jahren - auf den zwei Runden.
Der dramatische Endkampf im Weitsprung der Juniorinnen. Im Minutentakt änderte sich gegen Ende des Wettbewerbs die Medaillenverteilung. Am Ende sprang Beatrice Marscheck mit 6,23 am weitesten. Besonders erfreulich für den Ausrichter: Domspitzmilch-Mädel Michelle Weitzel kratzte an der Sechs-Meter-Marke und lag damit für einen kurzen Zeitraum sogar auf dem Silberplatz. Leider blies der Wind bei 2,1 m/sec einen Hauch zu viel.
Als Langstreckler „in spe“ und Crossläufer aus Leidenschaft wollte sich der neue 1500 m Juniorenmeister Philipp Pflieger an seinem zukünftigen Studienort auch auf der Mittelstrecke nicht lumpen lassen. In einer sehr schnellen Schlussrunde behielt er bei bestleistungsnahen 3:52,17 gegenüber seinem derzeitigen Teamkollegen Bastian Franz die Oberhand. Bei größerem Grundtempo hätten die beiden flotten Jungs auch mehr abliefern können.
Die minutengenaue Umsetzung des Zeitplans durch ein souverän auftretendes Organisationteams um Jungmanager Jochen Schweitzer und der „Chefin“ im Wettkampfbüro Doris Scheck, die in langwieriger Arbeit alle Kampfrichter/Innen, Helfer/Innen, Mamis und Papis, sowie ihre gesamte durchaus starke Nachwuchstruppe wieder einmal überzeugen konnte, dass sie bei eben diesen Meisterschaften mit ihrer Arbeitsleistung unentbehrlich sind.
Das bestens aufgelegte Sprecherquartett mit Flo Weber, Peter Bristow, Norbert Lieske und Siegerehrungsboss Jochen Schweitzer, das selbst in den wenigen Wettkampfpausen durch fachkundige Erklärungen und interessante Interviews nie Langeweile aufkommen ließ und dennoch nicht alles „verquasselte“. „Das ist richtig geflutscht und hat Spaß gemacht“, der Schlusskommentar von Chefmoderator Flo Weber.
Der Mut zu vollen Mittelstreckenläufen. Jeweils 18 wuselnde Jungs in den 1000 m Zeitläufen und noch mehr im 3000 m Rennen sorgten auf der Bahn für die Duelle und Fights, die die Leichtathletik braucht, auch wenn der Zieleinlauf gerade bei den 1000 m einige Zeit zur Auswertung benötigte.
Die beiden Geher-Entscheidungen am frühen Sonntagmorgen. Wohltuend der Beifall der bereits im Stadion befindlichen Sprint-Klientel auf der Zielgeraden. Da habe ich bei richtigen deutschen Meisterschaften schon einsamere Wettbewerbe erlebt.
Flops:
Die sehr schwache Antrittsmoral: So traten denn von 32 gemeldeten 1500 m Läufern gerade mal noch 13 an. In vielen Wettbewerben der Junioren/Innen war es ähnlich. Irgendwie ist der Mut zur Leistung bei der Meldung noch vorhanden, drei Wochen später aber keine Umsetzung auf der Bahn mehr möglich.
Die fehlende Spitze in der Juniorenklasse: Schmerzlich wurden die regionalen Stars wie Verena Sailer und Christian Blum vermisst. Trotzdem ist ihr Fehlen verständlich. Solche Meisterschaften bringen sie in ihrer Leistungsentwicklung nicht weiter. Vielleicht sollte man ernsthaft mal über reine Süddeutsche Schülermeisterschaften, dann mit der MW15 und MW14 nachdenken und die Juniorenklasse ganz einfach weglassen.
Quantität und Qualität bei den Langstreckenentscheidungen der Juniorinnen: Der 3000 m Hindernislauf fiel gleich gänzlich aus, über 5000 m verirrten sich bei idealen äußeren Bedingungen gerade mal fünf junge Damen auf der Bahn. 17:47 die Zeit der Siegerin. Quo vadis deutsche Langstrecke? Weder in den Landesverbänden, noch bundesweit finden die Absprachen der Trainer/Läuferinnen mehr statt, um solche Traumbedingungen, wie sie in Regensburg vorzufinden waren, auch in Leistungen umzusetzen.
Die verstopften Clos: Dabei kennen die Regensburger diese Diskussion schon lange. Nach Rückfragen mit der Leitung des Uni-Sportzentrums war immer wieder zu erfahren, die Clos sind saniert. Irgendwie ist das wie mit der Henne und dem Ei. Angesichts der Tatsache, dass Zettel auf die drohende Gefahr hinweisen, negieren viele Sportler das Problem und „wüten“ mit dem immer reichlich vorhandenem, dazu verfügbaren Papier. Regensburg wird jedenfalls an seiner „Clofrage“ arbeiten.
Die Anfahrtsbeschreibung: Irgendwie hatten die Verantwortlichen übersehen, dass die entsprechende Autobahnausfahrt inzwischen nicht mehr „Klinikum“ sondern „Regensburg Universität“ heißt und jene explizit am „Regensburger Kreuz“ nicht als nächste genannt wird. Auch das sollte sich im nächsten Jahr zum Positiven ändern. Es soll ja wirklich noch Sportler/Innen geben,die zum ersten Mal Regensburgs Leichtathletik-Heimstätte anreisen.
Das Problem der Zeitläufe: Wo früher aus Vorläufen die Endlaufteilnehmer ermittelt wurden, machen sich nun immer mehr Entscheidungen über vier, fünf oder noch mehr Zeitläufe breit. Ich meine, selbst bei den Schüler/Innen kann man aud süddeutscher Ebene über die 800 m und 1000 m zwei Läufe an zwei Tagen abverlangen. Eine direkte Entscheidung auf der Bahn ist ganz etwas anderes als der Quervergleich über die Ergebnislisten
Das destruktive Verhalten vieler Betreuer/Inen an den Wettkampfstätten: Das Regensburger Uni-Stadion ist eine kommunikationsfreundliche Wettkampfstätte ohne Zäune und Barrieren. Das impliziert aber nicht, dass sich beim im Sektor stattfindenden Dreisprung oder auch beim Hochsprung ganze Heerscharen von Betreuer und Fans mit Stühlchen, Isomatten und Decken bewaffnet im Innenraum breit machen. Dies stört die übrigen Wettkämpfe auf der Rundbahn empfindlich und hilft den jungen Athleten/Innen in ihrem Prozess der Verselbständigung am Wettkampfort wenig.