Dopingkontrollsystem der NADA
Regensburg, 24. November 2007 - Kommentar

Dra de net um, der NADA-Kommissar geht um
Unsinniger Aktionismus einer wirkungslosen Doping-Hetzjagd

Regensburg, 24. November 2007 (orv) – Wenn man derzeit leichtathletik.de studiert, kommt man sich bisweilen vor wie in einem klassischen Western. „Wanted“, steckbrieflich gesucht, der/die Leichtathlet/In, die angeblich vor einer Doping-Kontrolle davongelaufen ist. „Missed control“ nennt man das, und die ist seit Neuestem mit einer Verwarnung und der sehr plakativen Veröffentlichung auf dem Leichtathletik-Portal gekoppelt. Bei drei „missed-controls“ soll’s dann die rote Karte geben, natürlich erst nach eingehender Befragung der/des Athleten/In. Grund-sätzlich dem Athleten/In Schlampereien in seiner 24-stündigen (Topleute) oder 72-stündigen Abwesenheits-Meldepflicht vorzuwerfen oder ihm sogar die Absicht der Doping-Verschleierung nachzusagen, würde bei der derzeitigen Kontrollpraxis der NADA weit am Ziel vorbeigehen.

Wie schaut nun so eine unangemeldete Kontrolle aus? Der/die Kontrolleur/In der NADA steht ganzeinfach nach einem Losverfahren oder per Zielfahndung vor der Haustür des/der Athle-ten/In und klingelt. Ist der nicht da, wird mit dem handy nachgerufen und in der Regel eine Stunde gewartet. Ist der/die Athlet/In auch in dieser Zeit nicht erreichbar, wird eine „missed control“, zu Deutsch versäumte Dopingkontrolle beim zuständigen Fachverband gemeldet. Nun erfolgt die Anhörung, gegebenfalls die Verwarnung. Was da passiert, lässt sich in aller Regel nicht vollständig nachvollziehen, weil verständlicherweise über die laufenden Verfahren keine Auskunft zu erhalten ist.

Die Unsinnigkeit jenes NADA-Vorgehens dokumentiert sich schon in der Abwesenheits-Meldepflicht. Topathleten müssen schon eine Abwesenheit von ihrem vorher angegebenen Aufenthaltsort, respektive Training, Uni und häuslicher Bereich, wahrscheinlich auch das tete-à-tete mit der Freundin in deren Wohnung – wenn man bös sein will – über die 24 Stunden hinausgehend angeben. Die anderen brauchen das nur, wenn sie sich mehr als 72 Stunden außerhalb ihres vorher gemeldeten NADA-Stundenplans bewegen.

Wehe dem, der sich in seiner Freizeit einmal ein Fußballspiel ansieht und im Zuschauergebrüll sein handy nicht klingeln hört, oder als Langstreckler zwei Stunden ohne handy im Gelände trainiert, ein paar Stunden früher als gewohnt, weil das Wetter so eben passt, oder sich im Funkloch befindet, oder seine Batterie den Geist aufgibt, oder – oh Schreck – sein handy verliert. Keine Chance hat er an der missed control vorbeizukommen. Wie soll er denn solche Störfälle bei der nachfolgenden Befragung glaubhaft erklären? Den Unschuldsbeweis erbringen zu müssen ist doch – mit Verlaub gesagt – in all diesen Fällen ein ausgemachter Schmarren. In der Regel handelt es sich bei der überaus größten Anzahl der kontrollierten Athleten/innen um absolut integere junge Leute, die den Dopingkampf offensiv unterstützen wollen, bis hin zu einer möglichen handy-Ortung (siehe Spiegel-online Bericht vom 23.11.2007). Vielleicht sollte man sich wirklich Gedanken über einen vom Athleten mitgeführten GPS-Chip, der jederzeit Auskunft über dessen momentanen Aufenthaltsort gibt, Gedanken machen.

Die derzeitige Vorgehensweise, so beamtenmäßig bürokratisch wie sie durchgeführt wird, zudem absolut ineffizient, weil wohl kein Kontrolleur das tatsächliche Überschreiten der 72-Stunden-Frist per gleichlanger Belagerung der Athletenhaustür belegen wird und somit den Beweis der Schuld des Athleten schwerlich erbringen kann. Zudem gerät der so „gejagte“ Athlet immer mehr in eine Zwangslage, der er als Mensch in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung gar nicht mehr gerecht werden kann. Es gibt also was zu tun in Sachen eines fairen und trotzdem effektiven Kontrollsystems. Packt es also an, liebe NADA-Leute. Das,was jetzt abläuft, ist purer Aktionismus, der niemandem hilft und nur unsinnig Geld kostet.

von Kurt Ring