Regensburger Dreispringer studiert in Memphis

ZieglerManuel_DMJunioren12_kiefnerfotoMemphis/USA, 9. Oktober 2012 (ziegler) -  Für Manuel Ziegler (LG Telis Finanz Regensburg) startete vor kurzem sein Auslandsjahr in den USA. „Ich habe es mir hart vorgestellt, aber dass es so hart wird, damit habe ich nicht gerechnet“, verrät der Leichtathlet. Der Dreispringer ist zwar anstrengende Trainingseinheiten gewohnt, aber schon der erste Trainingstag an der Uni Memphis erinnerte ihn unweigerlich an den Drill in einem Bootcamp. Doch der 22-jährige wollte unbedingt zum Studium in die USA, um eine für ihn neue Welt zu entdecken. Nach ersten Bewerbungen an den US Colleges war schnell klar, dass das Interesse der Trainer an den LG Athleten mit einer Bestleistung von 16,26 Metern im Dreisprung riesig war. Nach unzähligen Telefonaten, Dutzenden Anträgen und Behördengängen fiel im Mai die Entscheidung. Mit dem Angebot eines Stipendiums, einer Trainerin, die unermüdlich um das Sprung-Ass warb und der Aussicht auf ein leistungsstarkes Team schloss er sich den Memphis Tigers in Tennessee an.

Der angehende Wirtschaftsingenieur, der normalerweise an der TU Dresden studiert, ist trotz der Strapazen auf dem Sportplatz von den ersten Wochen in seiner neuen Heimat begeistert. Mitstudenten, Trainer und Dozenten nahmen ihn sofort herzlich auf. „Wenn man irgendetwas braucht oder sich nicht zurecht findet, helfen die einem immer“, freut sich der Telis Athlet. „Mein erster Eindruck von Amerika war: typisch amerikanisch“, erzählt er. Zehn Monate will er bleiben. Während seines Aufenthaltes lebt er in einem Zweibettzimmer auf dem Campus. Das gefällt ihm, weil der Gast aus Germany mit seinem Zimmerkollegen und Hochspringer mit Bestleistung von 2,20 Metern gut auskommt. Das Unigelände ist wie eine kleine Stadt aufgebaut. Von Burger-Buden bis Coffee Shops ist alles vorhanden. „Wird sicher schwer, sich hier gesund zu ernähren“, gesteht der Sportler.

Doch zu viel Fast Food darf sich der Leichtathlet nicht erlauben, denn er wird nicht zuletzt an seinem Sport gemessen, der an den Universitäten in den Staaten sehr hohen Stellenwert genießt. Jährlich fließen Millionen in die Unterstützung der Athleten und die Ausstattung der Sportanlagen. „Das Trainingszentrum hier ist der absolute Wahnsinn, ich würde am liebsten den ganzen Tag nicht mehr rausgehen und nur noch Sport machen“, schwärmt Ziegler. Die Universität investiert in viele Spitzensportler aus dem Ausland. Einer davon ist der deutsche Juniorenmeister im Dreisprung, der auch bei den deutschen Hallen- und Freiluftmeisterschaften jeweils eine Medaille in der Männerklasse in diesem Jahr einsammeln konnte. Es ging gleich gut los: Die Begrüßungsfeier für die Sportler zum Semesterstart glich einer Lobeshymne. „Es wurde keine Chance ausgelassen, uns zu sagen, dass wir etwas Besonderes sind.  Die Wertschätzung an unseren sportlichen Leistungen ist eine ganz andere als zu Hause“, staunt Ziegler. Entsprechend hoch ist auch die Erwartungshaltung an Engagement und Einsatz.

Trainiert wird wortwörtlich bis zum Umfallen, bis zur völligen körperlichen Erschöpfung und das bei Temperaturen über 35 Grad. „Am Ende des Tages braucht man wirklich absolut nichts mehr“, erklärt der Springer. „Doch bis jetzt macht mir das Training richtig Spaß. Ich mag das, wenn ich gefordert werde. Nur die momentane Hitze ist unerträglich.“ Neben den vielen Stunden Training in der Woche darf auch das Studium nicht zu kurz kommen. Das Einbringen der akademischen Leistungen ist Pflicht, um für die Uni letztendlich an den Start gehen zu dürfen. Im Gegensatz zu Deutschland sei in den USA der Beginn eines Studiums am College vergleichbar mit der Oberstufe des Gymnasiums. Belegt hat er Fächer wie Mathematik, Wirtschaft, Kunst und Philosophie. In Memphis gehe es dabei viel entspannter als in Dresden zu. „Nur dass man jeden Tag Hausaufgaben zu erledigen hat und alles sehr verschult ist, gefällt mir nicht so gut,“ sagt der Stipendiat.

Im November steht für den „Wahl-Amerikaner“ der erste kleinere Aufbau-Wettkampf an, die eigentliche Saison startet dann ab Mitte Januar, wobei  nahezu jedes Wochenende die Gelegenheit für Wettkämpfe angeboten wird. Sein größter, sportlicher Wunsch wäre natürlich, sich für die nationalen US Meisterschaften, den NCAA, zu qualifizieren, aber auch persönlich, akademisch und sportlich neue Impulse zu erfahren.