Deutschlands Marathonläufer scheuen die Herausforderung

Monika_Heiss_DM_MarathonRegensburg, 15. November 2012 (orv) – Eine kleine IAAF Notiz hat bei Deutschlands Marathon-Läufer/Innen anscheinend blankes Entsetzen ausgelöst. „Laufen.de“ tituliert zum Weltcup-Verzicht der IAAF mit der Schlagzeile „WM-Marathon 2013: Deutsche Läufer vor dem Aus.“ Nach aktuellem Stand fällt damit die Möglichkeit weg, dass sich die deutschen Marathonläufer über die Team-Norm der schnellsten drei Läufer (Zeiten-Addition: Männer: 6:45:00 h, Frauen: 7:32:00 h) für die WM in Moskau qualifizieren. Stattdessen müssen sie nach momentaner Regelung unter der Einzelnorm von 2:12:45 (Männer) bzw. 2:29:00 Stunden (Frauen) bleiben, um bei der WM zu starten. Dafür dürfen aber weiterhin fünf Läufer pro Nation antreten, was aufgrund ihrer Leistungsdichte natürlich ein erheblicher Vorteil für die starken Laufnationen wie Kenia und Äthiopien ist, berichtet Laufen.de weiter.

So recht mag man dieses Entsetzen vor allem bei den Frauen nicht verstehen. Wenn man mit 23 Jahren beim Debüt eine 2:30 bzw. 2:31 im Falle der Hahner-Twins hinlegt, kann doch eine 2:29 im Jahr darauf nicht das Ende aller zukünftigen WM-Träume sein. Warum also so zaghaft auf den Weltcup schielen und nicht die eigene Einzelqualifikation ins Auge fassen. Hält etwa der 4x400m-Virus nun auch bei den Straßenläufern Einzug. Dort steht die alleinige Staffelqualifikation schon seit Jahren im Fokus der Viertelmeiler und Viertelmeilerinnen. Gebracht hat es für eine vernünftige Weiterentwicklung der Disziplin 400m nichts. Man verwaltet sich seit Jahren mit der „Spatz in der Hand-Methode“. Hauptsache dabei sein, heißt hier die Devise, mit viel Glück springt vielleicht sogar der Endlauf heraus. Die Weltelite hat sich inzwischen aber meilenweit entfernt und gerade der olympische Auftritt unser 4x400m-Damen war fast peinlich. Wo also kein Anspruch, wohl auch keine positive Entwicklung. Man hat sich abgefunden mit der Nebenrolle des Finaleauffüllers.

Heinz Löser, ehemaliger Trainer der Rockmeier-Schwestern, hat es einmal treffend formuliert: „Meiner Meinung sollten Staffeln erst dann zu internationalen Meisterschaften fahren, wenn mindestens zwei Staffelmitglieder auch die Einzelnorm haben.“ Das wäre in der derzeitigen Situation des deutschen Marathons eine recht harte Forderung. Sie zu erfüllen, wäre aber dennoch nicht unmöglich. Wenn sich einige der älteren Hahner-Kolleginnen vielleicht doch noch zu einer vernünftigen, ihren wahren Talenten adäquaten Saisonvorbereitung 2013 überreden ließen, wären doch durchaus realistische Einzelqualifikationen möglich, auch für die Hahner-Twins, und keiner weiß das besser als deren Heim- und Bundestrainer Wolfgang Heinig.

Im Gegensatz zum schon wieder schwarz sehenden Laufen.de-Autor Martin Neumann, wird der, gerade mal 14 Tage im Amt befindliche, neue Bundestrainer Langstrecke wohl alle Hebel in Bewegung setzen und anstatt zu jammern, die Agenda 2:29:00/2:12:45 als Ziel ganz oben ansetzen. Wer sich keine Ziele setzt, wird auch keine erreichen, auch wenn ein wenig Mut dazu gehört. Keine Strecke kann man mehr erarbeiten als die olympischen 42,195km, man muss es nur tun. Nicht twittern, nicht chatten, nicht träumen oder sich performen, wie die in der Marathonszene derzeit grassierende Form der Selbstdarstellung  modern wohl heißt. Dazu brauchst keine öffentlichen Trainingspläne auf Facebook oder sonst wo – man muss es eigentlich nur WOLLEN, möglichst 200 Kilometer die Woche, möglichst 48 Wochen im Jahr und das nicht nur im Zotteltrab, mit nur einem großen Ziel vor Augen … 2:29:00 und 2:12:45. Ich glaube jedenfalls, dass es möglich ist. Lauf-Deutschland wäre wohl damit auch einen großen Schritt weiter gekommen.