Eine Systematisierung könnte diesem Bereich nicht schaden

pflieger_cross-em07Regensburg, 23. November 2012 (orv) –  Darmstadt läutet am Sonntag wieder einmal eine Crosssaison ein, die in Deutschland keine ist und auch jegliche Strukturierung, ausgehend von wem auch immer, vermissen lässt. Erschwert durch die klimatischen Verhältnisse hierzulande mit Eis und Schnee, vor allem im Januar und Februar, werden nationale Crossläufe kaum wahrgenommen. Darmstadt im November und Neukirchen im Februar sind die einzigen Hochburgen, die neben ihrer inzwischen großen Tradition auch bisweilen Klasse anbieten können. Pforzheim mit den rührigen Organisatoren Wolfgang und Stefan Hohl tut sich da schon auf Grund des frühen Zeitpunktes Anfang November schwer. Die beste Strecke kann wohl Ingolstadt anbieten, dessen „Bayerisches Cross Festival“ – meist zeitgleich mit Pforzheim – unter der etwas externen Lage tief im Süden der Republik, aber vor allem unter der Ungeordnetheit des deutschen Crosssystems leidet. Blieben da dann nur noch die Cross-Europameisterschaften Anfang Dezember, die nationalen Titelkämpfe als absolutes Highlight Anfang März und die Cross-Weltmeisterschaften, die von Deutschlands Läufern inzwischen wohl aus den verschiedensten Gründen leider aufgegeben wurden.

Die Jahre gehen ins Land, in Sachen Cross hat sich indessen wenig getan

Die letzte echt wahrnehmbare Veränderung im Bereich Crosslauf ist nun auch schon 12 Jahre her, als in Regensburg erstmals eine total einsehbarer und hundertprozentig abgesperrter Meisterschaftsparcours in ein Stadiongelände gepackt wurde, auf einer Fläche kaum größer als vier Fußballfelder. Den Weg der medialen Revolution über Livestream, Direktkommentierung und Videowall konnte man dann bei den alljährlich stattfindenden kontinentalen Meisterschaften im Gelände hautnah miterleben, national wollte oder konnte man dies nicht tun. Den Crosslauf auch methodisch-didaktisch über Kadermaßnahmen zu begleiten, betrachtete man bisher in Deutschland als überflüssig. Die Nominierungen für ein echtes Nationalteam basieren auf wenigen Qualifikationswettkämpfen, die Vorbereitung dazu liegt im Dunkel der Heimsysteme. In aller Regel werden bisher im zeitigen Vorfeld nicht einmal Absichtserklärungen eines möglichen Athletenpotentials eingeholt.
 
Crosslauf ist ein schwieriges Unterfangen

Beschränken wir uns bei der Betrachtung zunächst nur einmal auf die örtlichen Strukturen für eine Veranstaltung. Crosslauf ist kein Laufen im Stadion, wo die Kunststoffbahn in der Regel wettkampftauglich einfach da, Umkleidekabinen, Toiletten, Technikräume, Beschallungen etc. in günstigster Verwendbarkeit vorhanden sind. Crosslauf heißt zunächst enorm erhöhte Menpower im Vorfeld bei oft klimatisch ungünstigen Verhältnissen und unter enormen Kosten. Um hohe Qualität zu erreichen sind da gleich einmal 10.000€ bis 15.000€ fällig. Ein möglicher Livestream kostet mit der entsprechenden Moderation dasselbe dazu und will man international aufpolstern, wird wahrscheinlich über Hotelkosten, Preisgelder und Shuttleservice noch einmal so ein Sümmchen drauf kommen. Crosslauf im medialen Zuschnitt  ist also im finanziellen Raster eines gehobenen Stadionmeetings à la Dessau, Kassel, zumindest Regensburgs anzusiedeln.

Folglich sehe ich den Crosslauf in Deutschland eher in einem zu schaffenden „Europacup-Szenario“ mit etwa zehnköpfigen Nationalteams innerhalb der bereits europaweit hochklassig agierenden Crosssysteme plus der Zubringerveranstaltungen, die leicht aus dem Potential Pforzheim, Darmstadt, Neukirchen und eventuell Ingolstadt zu rekrutieren wären. Die ordnende Hand müsste hier aber genauso wie im Stadionbereich bei der Terminierung von Landes-, Regional- und Bundesmeisterschaften der Verband übernehmen und auch die europaweite Koordination anschieben, sofern er denn die Sache „Cross“ ernst nimmt und nicht, wie einzelnen Landesverbänden usus, als ungeliebtes Reststück dem Breitensport zuordnet.

Mit einer methodisch-didaktische Aufbereitung der Sache „Cross“ innerhalb eines kaderähnlichen Aufbaus ist wohl nach der Trainer-Umstrukturierung zu  rechnen. Nach einem Athleten-Screening im Anschluss der nationalen Titelkämpfen im Frühjahr könnte eine zielgerichtete Auswahl für die im Herbst stattfindenden Cross-Europameisterschaften mit den entsprechenden Vorbereitungsmaßnahmen und einem zentralen Qualifikationswettkampf 2-3 Wochen vor der EM entstehen. Nachdem nicht jeder Topläufer die Crosssaison im Fokus hat, ist gerade auf dem Gebiet frühzeitige Klarheit in der Planung angesagt, um am Ende schlagkräftige Mannschaften an den Start zu bringen.

Die mediale Präsenz läuft nur über internationale Systeme mit teilnehmenden Nationalteams

Wer an Winterwochenenden das Fernsehgerät anmacht, wird vom Wintersport geradezu „erschlagen“. Das Zauberwort „Weltcup“ hat die Bildschirme erobert und ist zur quotenträchtigen Ware geworden. Dabei ist die Formel ganz einfach: Der Name „Weltcup“ gaukelt in aller Regel Weltklasse vor, auch wenn das Ding in vielen Fällen nicht annähernd die Klasse von Leichtathletikveranstaltungen hat. Die einzelnen Veranstaltungen sind in einer Serie zusammengeschlossen. Deutsche Athleten/Innen mischen kräftig mit und am Start sind ausschließlich Nationalteams mit dem entsprechenden Outfit. Rekorde spielen nur in Ausnahmefällen (Eisschnelllauf) eine Rolle. Der Kampf „Mann gegen Mann“ oder „Frau gegen Frau“ steht im Vordergrund. Gerade der Crosslauf bietet diese Möglichkeit auch, wenn auch auf Grund der Sonderstellung Ostafrikas im Lauf, das Augenmerk nicht unbedingt auf einen Weltcup gelegt werden sollte. Ein Europacup mit ausschließlich europäischen Läufer/Innen innerhalb von Nationalteams würde zumindest das Siegen leichter machen. Der mediale Weg ist sicher hart, aber vielleicht springt ein Spartensender an. Das entsprechende Zuschauerpotential bei Zig-Millionen Hobbyläufern in Deutschland sollte vorhanden sein. Und spannender als so manche Marathonübertragung mit immer wieder nur afrikanischen Siegern sollte das Ganze allemal sein.


Nennen  Sie mich ruhig einen Spinner. Wenn nichts verändert wird, wird sich auch nichts ändern. Solange man das Ding nicht probiert hat, verlier ich auch nicht die Hoffnung. DLV- Generalsponsor Nike hatte da mal einen Spruch drauf: Just do it …