Jana Soethout läuft für deutsche Verhältnisse eine tolle Zeit und wird dennoch kaum beachtet

SoethoutJana1_2_DM2012_kiefnerfotoRegensburg, 18. Januar 2013 (orv) –  1:13:49 – das ist zunächst nur eine nackte Zahl. Doch wenn man sie mit 21,097 Kilometer in Verbindung bringt, schaut das schon anders aus. Jedenfalls war es deutsche Jahresbestleistung über die Halbmarathon Distanz. Kein Wunder, werden die meisten sagen, man notiert gerade den 13. Januar. Bei genauerem Hinsehen sind diese 1:13:49 jener 23-jährigen Jana Soethout etwas mehr als nur ein Premierenstück einer jungen Läuferin auf dieser Distanz. Für die einschlägige Presse, die sich anscheinend ihre Stars nach ihrem Gusto zurecht schreibt, war es bei leichtathletik.de eine kurze Notiz in den Flash-News wert, im Leichtathletik Magazin, das sich selbst als Fachorgan wähnt, nicht einmal eine Zeile.

Forscht man ein bisschen in den Annalen, fällt auf, dass jene 1:13:49 im letzten Jahr nur von den drei Olympia-Teilnehmerinnen Sabrina Mockenhaupt, Irina Mikitenko und Susanne Hahn unterboten wurden. Nicht von vier, weil jene damals im Titelrennen von Griesheim erzielten 1:12:57 einer gewissen Simret Restle-Apel auf Grund der nur kurz darauffolgenden Dopingaffäre einen mehr als schalen Geschmack haben. Deren übrige Bahnleistungen, eindeutig nach der positiven Dopingprobe erzielt, zieren noch immer die deutsche Bestenliste. Im Rausschreiben tut man sich also auch recht schwer.

Wären diese 1:13:49 von einer der üblichen Protagonistinnen der leichtathletischen yellow press erzielt worden, würde ich wetten, es hätte einen großen Aufmacher gegeben. Doch Jana Soethout ist noch ein No-name und 1:13:49 nur eine Zahl. In Zeiten der oberflächlichen Recherche und der Sensatiönchen um jeden Preis ist das eben dann keine Meldung wert. Hätte man nur einmal in die ewige deutsche Bestenliste geschaut, wäre aufgefallen, dass Jana Soethout damit immerhin den Sprung unter die besten Dreißig geschafft hat und unter Umständen damit Hoffnungen auf eine eventuelle Marathonzukunft erweckt.

Was die junge Dame dazu selbst sagt, würde mich viel mehr interessieren als die inzwischen fast schon faden Disziplin-Saisonanalysen, die sich wie ein endloser Tatzelwurm durch die Wintermonate des Leichtathletik Magazins ziehen und doch nur fade Wiederholungen von leichtathletik.de sind.

von Kurt Ring