Viele Nachwuchsathleten müssen bei der Hatz nach Noten den Leistungssport aufgeben

Regensburg, 12. März 2013 (orv) –  Schön langsam fällt es auf, dass bei vielen Nachwuchsmeisterschaften die Teilnehmerzahlen dramatisch sinken. Das hat weniger mit dem Trend zu einer „Fun-Gesellschaft“ zu tun, sondern vielmehr mit einer völlig verfehlten bundesdeutschen Bildungspolitik, die im Streit seiner 16 Bundesländer eine Fehlentscheidung nach der anderen produziert.

Das ganze Malheur beginnt bereits bei den Ganztagsschulen. Dem Druck der Gesellschaft nachgebend hat man sich entschlossen, die seit Jahrzehnten praktizierten Vormittagsschulen flugs in Kinderbewahrstätten bis sechzehn Uhr umzuformen, ohne dafür das nötige Geld für zusätzliches Personal oder nötigen baulicher Umgestaltung in die Hand zu nehmen. Ganztagsschulen sind deshalb nicht selten nur eine zeitliche Ausweitung jener traditionellen Form der Vormittagsunterrichtung plus der oft recht schlampigen Lösungen der Mittagsverpflegung. Von einer funktionierenden Form nach britischem, französischem oder amerikanischem Vorbild ist man noch meilenweit entfernt. Hauptsache, die Kinder sind „aufgehoben“.

Fortgesetzt wird jener Unsinn mit der Einführung der G8, wo man nun versucht, die Lerninhalte von ehedem neun gymnasialen Jahren in deren acht zu pressen. Auf die Idee, dass Bildung mehr sein könnte als das Eintrichtern von ins Kurzzeitgedächtnis gepressten Wissenskonglomeraten, ist man bei der Erstellung von neuen Lehrplänen noch nicht gekommen. Bei bis zu vierzig Wochenstunden für Sechzehn- oder Siebzehnjährigen neigen die Schüler zur primitivsten und ineffektivsten Form der Wissensermittlung, zum Auswendiglernen und die Bildungsanstalt verkommt blitzschnell zur Lernfabrik. Natürlich werden nun alle Kollegen – ich war selbst fast vierzig Jahre im Bildungssystem als Lehrer tätig – aufheulen ob ihrer immer noch reinen pädagogischen Absichten. Tatsache bleibt, dass ihnen letztendlich auf Grund der unsinnigen Druckwelle von politischen Vorgaben gar nichts anderes übrig bleibt, dem fatalen Trend zu folgen. Mit Hausaufgaben und An- und Abfahrten zur und von der Schule kommen viele der leidgeplagten Schüler/Innen gut und gerne auf 60-Stunden-Wochen. Zeit für Freizeitbeschäftigungen bleibt da nur noch wenig. Und schon gar keine für den Leistungssport.

Als Siebzehnjährige werden sie dann völlig unvorbereitet in ein universitäres System einer Bachelor-Ausbildung gepresst, das schon lange nichts mehr mit der ursprünglichen Form des Studierens zu tun hat. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“, gilt schon lange als Leitsatz für Studenten und Dozenten. Einer beschwert sich über den anderen und doch sind beide Seiten unschuldig, weil karrieregeile, aber eben oft ahnungslose Bildungspolitiker wieder einmal eine schnelle europäische Lösung gesucht haben, die es allein schon wegen des europäischen Sprachengewirrs gar nicht geben kann. Sie gebären nicht nur im Bildungssystem hohle Mammutgebilde, sie scheinen in Zeiten der Globalisierung einfach überfordert zu sein mit den für sie wohl zu großen Herausforderungen der Zeit. Der Flughafen Berlin und Stuttgart 21 lassen grüßen und wir Steuerzahler  müssen einen Blödsinn nach dem anderen bezahlen. Alles wird dann mit deutscher Betriebsamkeit zugedeckt. Viel muss aber nicht immer besser sein. Studium muss nichts mit der totalen Aufgabe anderer Aktivitäten zu tun haben. Das Abschieben jener jungen Menschen, die solche Freiräume noch wollen, in Nischenbereiche wie Bundeswehr, Polizeidienst etc. sind keine Lösungen. Studium braucht wieder jene Flexibilität früherer Jahre, wenn denn viele soziale Netzwerke nicht total auseinanderbrechen sollen.

Was kann man dagegen machen? Patentrezepte gibt es keine. Die Urform des demokratischen Verhaltens über öffentliche Protestwellen wäre zumindest ein probates Mittel. In Zeiten von Facebook und anderer sozialer Netzwerke war eine arabische Revolution möglich. In Zeiten der digitalen Vernetzung sollte doch zumindest auch ein Wachrütteln unserer Bildungspolitiker möglich sein. Jugendlicher aller (deutschen Bundes)-länder vereinigt euch! Lasst euch nicht zu Lernmaschinen funktionalisieren, fordert ein neues, modernes Bildungssystem, das euch auch noch Zeit lässt, die schönste Zeit im Leben eines Menschen, die Jugend, zu L E B E N. Zeit für Phantasien und Träume, die ihr braucht für die Gestaltung eurer Zukunft. Mit einem allumfassenden „Burnout“ ist niemanden gedient.