Regensburgs Läuferinnen rocken derzeit Deutschland und ein bisschen mehr

Harrer-Kock-Aehling_DM-Halle13_kiefnerfotoRegensburg, 19. März 2013 (orv) –  Die Farbe Blau hatte bei den unlängst in Dornstetten stattfindenden Deutschen Meisterschaften im Crosslauf Vorfahrt und das nicht, weil sie bei den Trikots einen Verkaufsschlager darstellen. Die Farbe Blau ist jene der LG Telis Finanz Regensburg und die schickt sich nicht erst seit gestern an, mit seinen Läuferinnen Lauf-Deutschland aufzumischen. Nicht immer ganz vorne dabei, aber stets mittendrin und das rudelweise. Jüngster Beweis waren die am letzten Samstag im heimischen Uni-Stadion stattfindenden Landesmeisterschaften über 10.000m. Eine einzige Bronzemedaille in den beiden Entscheidungen der Frauen und U23-Juniorinnen überließ man der Konkurrenz und das nur, weil Gallionsfigur Corinna Harrer, eigentlich noch U23-Juniorin, bei den Frauen gemeldet hatte, obwohl die auf zwei, drei und vier einkommenden Carolin Aehling, Chrissy Danner und Steffi Volke auch für’s volle Podium gereicht hätten.

Heim-Perfler-Danner_BLV-10000m_Volkefoto„Das ist eine fast schon never ending Story“, mein dazu der verantwortliche Teamchef Kurt Ring, der die meisten seiner schnellen Athletinnen auch als Coach betreut, „die Anzahl der nationalen Titel seit der Jahrtausendwende wissen wir nicht mehr, allein Corinna Harrer ist inzwischen bei Gold Nummer 25 und das Frauenteam sollte auch schon jenseits der 30 sein.“ Jedes Jahr scheint dabei das vorhergehende noch zu übertrumpfen, ganz egal, ob die Voraussetzungen gut oder auch einmal suboptimal waren. So im Herbst 2012, als die Cross-EM anstand. Hier die fast sensationelle Qualifikation von Chrissy Danner als einzige deutsche Vertreterin bei den Frauen, dort das durch einen dummen Zehenbruch verlorene Einzelmetall bei den Juniorinnen durch Coco Harrer. Am Ende wurde sie Sechste und legte damit den Grundstock für deutsche U23-Bronze. Der fast sichere weitere Startplatz in der U23 für Maren Kock wurde durch eine Verletzung verhindert und Jana Soethout und Carolin Aehling versenkten ihre Hoffnungen auf einen Frauenstart äußerst knapp weniger durch Können als noch fehlende internationale Erfahrung beim Qualifikationsrennen in Tilburg.

AehlingCarolin1_BLVHalle13_kiefnerfotoInzwischen sind die Regensburger Damen gewohnt, auch zwischendrin böse Leistungspfeile auf die Konkurrenz abzuschießen. Mal schlägt Corinna Harrer beim Silvesterlauf in Trier erstmals Sabrina Mockenhaupt, mal haut Caro Aehling bei einem 15er mitten im Winter eine phänomenale 51er-Zeit raus und mal steigert sich Halbmarathon-Debütantin Jana Soethout gleich auf 1:13:49. Coco Harrer fährt beim Länderkampf in Glasgow im Januar einen überzeugenden Länderkampfsieg über 1500m ein, um acht Tage später in Karlsruhe mit 8:51,04 einen echten 3000m-Kracher folgen zu lassen. Die Hallen-DM wird über 3000m zur Vereinssache umfunktioniert: Coco Harrer, Maren Kock und Caro Aehling machen den Sweep perfekt und Reihe zwei mit Chrissy Danner, Thea Heim und Anna Plinke halten sich über 1500m mit Platz fünf, sechs und zehn schadlos, was für die beiden Letzteren mehr als nur eine kleine Überraschung war.

Vierzehn Tage später überrollt eine Telis-Lawine in den Teamwertungen bei der Cross-DM Rest-Deutschland. Platz eins, zwei und fünf bei den Frauen, Gold auch in der U23, dazu neun Frauen im ersten Drittel des Feldes, vier Juniorinnen unter den Top-ten und drei bei den Frauen, Einzel-Juniorengold durch Coco Harrer, die auch noch Frauen-Bronze mitnimmt. Da passt ins Bild, dass Steffi Volke sich die W35-Krone aufsetzt und das Seniorinnen-Team punktgleich mit den Ersten aus München nur deshalb verliert, weil die Hauptstädter die bessere Dritte ins Ziel bringen. In einem Rennen vier Mal Gold und weitere drei Medaillen schafft man auch nicht alle Tage.

Harrer_Fahne-Goeteborg_HEM13_dpa-mzAch ja, da war noch etwas dazwischen. Am Wochenende zwischen Hallen-DM und Cross-DM fanden in Göteborg die Hallen-Europameisterschaften statt. Mit dabei natürlich Corinna Harrer. Das Ergebnis ist weitgehend bekannt. Die freche Regensburgerin schnappte sich einfach mal so über 3000m die Silbermedaille, was schon lange keiner deutschen Läuferin mehr gelang. Mit dieser Medaille hatte wohl keiner gerechnet. Wo andere sagen, das sei nun doch mal genug, stellte sich die Wenzenbacherin nach ihrer „Mannschaftsverpflichtung“ im Cross und einem für sie unangenehmen Rennen acht Tage später wieder auf die Bahn.

„Ein Rennen mit Handbremse ist allemal besser als eine einsame Trainingseinheit im Wald, das ist ja wie geschmiert gelaufen.“ Gemeint hat sie damit ihre 32:30,41 vom Uni-Stadion. Lediglich Sabrina Mockenhaupt und Irina Mikitenko waren da in den letzten zehn Jahren schneller. Das ist nicht schlecht für einen Trainingslauf. „Wir sind doch nicht verrückt und geben nach drei solchen Spitzenwochen noch dazu bei null Grad Vollgas. Die Mädels durften heute locker laufen, nur nicht an die Grenze gehen war die Devise“, meint Coach Kurt Ring zu seiner Frauenpower. So kann es denn gut sein, dass am Ende des Jahres zehn oder auch zwölf Mädels unter den besten dreißig Deutschlands platziert sind und das nicht nur auf dieser Strecke.

Die anstehende Leistungsdiagnostik nimmt der Trainer derzeit ernster. „Da geht nichts mit Tagesform oder taktischem Geplänkel, das ist ein ehrlicher, objektiver Wert, wo wir derzeit grundlagentechnisch stehen. Ich glaube aber, wir sind gut weitergekommen und können nun im italienischen Trainingslager wieder Gas geben. Irgendwann kommt er denn doch der Lauf-Sommer 2013 und dann soll die Post richtig abgehen“, gibt Kurt Ring die Marschroute für diese und die nächsten Wochen vor. Die Farbe Blau wird präsent sein in Deutschlands Stadion und nicht nur da.