Eine echte Meetingstruktur fehlt europaweit

Fluegel2 Mini-Internationales13 SchaakefotoRegensburg, 18. Mai 2013 (orv) –  Wissen Sie, was Sandwichathleten sind? Der Bayer würde sagen „zum Werd’n z’weng, zum Sterb’n z’guat“, was man natürlich nun in die leichtathletische Hochsprache übersetzen muss. Gemeint ist jene Athletenschicht, die den Sprung zur internationalen Klasse nicht ganz oder noch nicht ganz schafft, in deutschen Landen aber keine vernünftigen oder viel zu wenige Wettkämpfe findet. Viele werden jetzt sagen, wen interessiert das, es sind sowieso nur wenige. Ganz so richtig ist das nicht. Dieses Klientel ist in aller Regel der Unterbau für zukünftige Asse und vieles spricht dafür, dass sie so wenig werden, weil man sie nicht pflegt, sprich durch das Abitur treibt und anschließend möglichst schnell durch ein Bachelor und Masterstudium. Lauftechnisch sprechen wir da zum Beispiel über 1500m bei den Mädchen von Bestleistungen zwischen 4:15 und 4:30 bei den Jungs im 5000m Bereich von 14:30 bis 15:30min. Ähnliches gilt für alle anderen Laufdisziplinen und wohl auch in den technischen Bereichen, wo es natürlich nicht so auffällt, weil sich der Kampf Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann nicht so direkt wie auf dem Kunststoffoval abspielt.

 

Im Konzert der Großen werden diese Athleten/Innen öffentlichkeitswirksam nur wenig beachtet. Wer für sie qualifizierte Wettkämpfe sucht, hat seine liebe Not. Bei den besseren Meetings kommen sie nicht unter, die Liga darunter muss nicht selten alle Altersklassen in einem Lauf sammeln, um überhaupt ein Rennen zusammen zu bekommen, meist auch noch geschlechtergemischt, was zwar die Zeiten fördert, aber eben den Wettkampf als solchen verfremdet. Es reicht in den meisten Fällen eben nicht für altersgerechte Qualität und wenn, dann treffen immer die Gleichen aufeinander.

Wir haben inzwischen ein gemeinsames Europa, eine gemeinsame Währung und in Brüssel sogar ein gemeinsames Parlament. An der Basis spricht man aber nur selten über die oft grenzüberschreitenden gleichen Probleme. Was wäre besser geeignet als der Sport, gemeinsam zu kommunizieren. Nur wer miteinander spricht, Gemeinsames macht, wird zusammenwachsen. Bei sportlichen Wettkämpfen ist da zumindest in unserer Gegend noch wenig zu spüren. Der von Regensburg ehedem unüberwindbare „Eiserne Vorhang“ war nur etwas mehr als hundert Kilometer weg, diese Grenze ist jetzt ohne Kontrolle frei passierbar, ein Sportaustausch findet trotzdem nicht statt.

Man kann glauben, das sei in den Köpfen der Bevölkerung noch drin, man mag auch glauben, sprachliche Probleme würden das verhindern. Das mag alles ein bisschen richtig sein, weil eine tschechische Ausschreibung natürlich für einen Deutschen nur schwer zu entziffern ist, es ist aber nicht die ganze Wahrheit. Die Verbände, die sich Ordnungen und Strukturen in ihrer Sache gerne auf ihr Schild setzen, sind hier seit Jahrzehnten geradezu untätig. Natürlich gibt es die Diamond league, die world series, die EAA Meetings und natürlich die „national permit“ Meetings. Darunter geht es aber wie Kraut und Rüben zu. An eine ligenartige Systematisierung mit deutlich erkennbaren Leistungsfaktoren, sowohl den Ausrichter betreffend als auch die Athleten, wurde im nahen Grenzverkehr nie in Angriff genommen, geschweige denn, dass es hier schon eine europaweite Vernetzung mit einer Veranstaltungsdatenbank gäbe.

Dies wäre aber dringend notwendig, um die immer mehr schrumpfende europäische Elite und die damit verbundenen nationalen Basen in Schwung zu bringen. Wettkämpfe, wo es auf Dauer nur um Bestleistungen geht, die ursprüngliche Ausrichtung „Mann gegen Mann um den Sieg“ immer problematischer wird, sind nicht tiefgründig interessant und stressen durch das ständige Rekordbegehren Ausrichter und Athleten. Viele Athleten verlernen dabei den eigentlichen Wettkampf, wollen nur noch optimale Zeiten erzielen und verlieren dabei im Zwiespalt der Ziele meist alles.

Das Gestrige funktioniert schon seit gut 15 Jahren nicht mehr, es immer wieder so zu probieren, ist vergebene Mühe. Wir brauchen Sport- und Wettkampfmanager, die wie oben schon angesprochen, das Ganze ordnen und in Systemen manifestieren. Das kann doch nicht so schwer sein im Zeitalter des Internets und des Computers. Eine leichtathletische Vernetzung muss her. Da wären wir dann wieder bei den Verbänden. Im Eigentlichen ist dies nämlich ihre Kernaufgabe. Das System Kreismeisterschaften hoch bis zu den oft viel zu vielen nationalen Titelkämpfen reicht dazu schon längst nicht mehr, um den leichtathletischen Kollateralschaden noch abzuwenden, weder für die nationalen Asse, noch für jene Sandwichathleten.