Sport-Pädagogen sind nicht nur an Siegen sondern auch an Niederlagen beteiligt

PlinkeAnna Sparkassengala13-Poehlitzbericht Volkefoto14. Juni 2013 (Pöhlitz) - Es war nicht der erste Wettkampf, nach dem ich mir vorgenommen hatte, einmal diese Problematik zu thematisieren, die dem weiteren Leistungsfortschritt junger Athleten – dem erforderlichen Selbstvertrauen für demnächst  - nicht gerade dienlich ist. Nach der  Regensburger Sparkassen Gala 2013 gibt es erneut Redebedarf. Die guten Vorsätze, das Leistungs- oder Platzierungsziel für das Rennen konnte gerade von den/der 13–15–oder auch 17-jährigen Sportler oder Sportlerin nicht realisiert werden, er/sie ist natürlich von sich enttäuscht, weiß gerade nicht warum es schief gegangen ist und glaubt vielleicht sogar, seinen/ihren Trainer, Papa-Coach oder die Familie enttäuscht zu haben.

 


Da gingen sie, Athlet/in und Coach, die lange Gegengerade hinunter, nebeneinander, ohne ein Wort, die Tränen liefen und „sie“ erwartete den vielleicht gewohnten „Anschiss“ in solchen Situationen. Der Trainer beobachtete – die Enttäuschung war ihm anzusehen  - im respektablen Abstand neben ihr die Geschehnisse im Innenraum, kein Blick, kein Wort. Vielleicht ging ihm gerade durch den Kopf, was sein junger Schützlingalles falsch gemacht hat oder ob er besser erst eine Nacht vor der „Predigt“ überschlafen sollte.

Stress und Angst sind Gift für den Lernerfolg


Ist er vielleicht der Typ Schulterklopfer, der überschwänglich nach Siegen lobt, der selbstverständlich der Verursacher von Fortschritten ist, an Niederlagen aber nicht beteiligt ist. Sicher war er damals gerade beruflich unterwegs, als bei der Übungsleiterausbildung das Thema „Erziehung des jungen Leistungssportlers“ dran war. Der neuseeländische Bildungsexperte John Hattie* (John Hattie: „Lernen sichtbar machen“ – Schneider – Verlag) fand heraus dass nicht die Bedingungen oder das Umfeld für den Lernerfolg erstrangig sind, sondern die Persönlichkeit des Lehrers und seine Hinwendung zum Schüler.  Stress und Angst sind Gift für den Fortschritt. Diese Weisheit könnte doch vorzüglich auch für den Trainer, den „Pädagogen an der Laufbahn“ übertragen werden. Nicht das Stadion oder die Firma der Spikes sind entscheidend, sondern die Person, der es gelingt, den jungen Läufer zum täglichen Training zu „verführen“, den „Spaß am anstrengenden Programmen“ zu vermitteln, mit Lob oder dem „das war gut, aber du kannst noch besser wenn du...“ zeigt, dass im nächsten Versuch noch eine oder mehrere Sekunden mehr möglich wären. Natürlich muß er auch wissen, ob der Sportler zur angestrebten realistischen Leistung überhaupt fähig war und sie anschließend fachlich-sachlich bewerten können. Das gilt auch wenn eine Norm vielleicht nur knapp verfehlt wurde.

Reden, reden, reden und bald wieder ein Lob sind die Alternativen

Im Leistungsbereich gibt es natürlich immer auch einmal unbefriedigende Ergebnisse, die eine oder andere nicht eingeplante Niederlage. Sie sind auf dem Weg nach oben oft hilfreicher als leichte Siege. Sie sind für alle nicht leicht wegzustecken, schon gar nicht, wenn dem Coach bewusst sein könnte, dass auch er Fehler gemacht hat. Soll er sie zugeben? Da wäre eine tiefgreifende Analyse unmittelbar nach dem Wettkampf zumindest ungeschickt. Schlafen Sie besser erst eine Nacht darüber, bevor über alles mit Abstand in Ruhe gesprochen wird. Reden, reden, reden und baldmöglichst wieder ein Lob sind die Alternativen. Nicht selten brauchen Sportler auch vor ihrem „Umfeld“ oder vor der Presse Schutz. Gerade in der Niederlage ist er angebracht. Nichtsachgemäße, ungerechtfertigte Vorwürfe tun weh, auch weil es für den Sportler schwer ist, sich in der Niederlage zu wehren. Alle sollten deshalb wissen: Er/sie haben nicht mit Absicht „versagt“. Es führt in der Regel in solchen Situationen  bei psychisch erschöpften Athleten zur Abwehrhaltung, zur Unlust, zur Defensive. Sie dürfen aber nicht mit Angst zum nächsten Training kommen. Gerade nach Enttäuschungen wird ein Positivtrend, eine neue Motivation, ein optimistischer Blick nach vorn vom Trainer gebraucht. Im Auto bei der Rückfahrt könnte man den Hebel schon umlegen, damit die Nacht „danach“ nicht schlaflos wird. Nur wer zum nächsten Rennen in einem besseren psychophysischen Zustand kommt, wird den Erwartungen besser gerecht werden können. Und der nächste Wettkampf kommt bestimmt.

Es ist wichtiger den Sportler in den Arm zu nehmen, wenn die Tränen fließen als wenn er/sie mit der Sonne um die Wette strahlt.