Corinna Harrer und Manuel Ziegler im DLV-Aufgebot für die Team-EM

Harrer3 Renndress Olympia12 bruesselfotoRegensburg, 17. Juni 2013 (orv) –  Die eine inzwischen ein alter Hase im Nationaltrikot, der andere ein Frischling bei den Männern. Unterschiedlicher könnte der Ausgangspunkt für die beiden Telis-Asse Corinna Harrer und Manuel Ziegler bei den am Wochenende im britischen Gateshead stattfindenden Team-Europameisterschaften nicht sein. Corinna Harrer war für diese Meisterschaften für Bundestrainer Wolfgang Heinig schon seit der Sensationssilbermedaille über 3000m anlässlich der Hallen-EM in Göteborg im Fokus, Dreispringer Manuel Ziegler sprang erst bei seinem letzten amerikanischen Wettkampf, dem NCAA-Finals am 8. Juni in Eugene quasi im allerletzten Moment auf den EM-Zug auf. Philipp Pflieger und Maren Kock stehen als Ersatzleute über jeweils 3000m/5000m in der Warteschleife, sollte sich in dem letzten Tagen doch noch einer aus dem Team verletzen oder erkranken.


Eigentlich wollte Coco Harrer Gateshead entspannt und locker angehen. Dann ereilte sie Mitte Mai das Salmonellen-Unglück. Drei mühsame Wochen folgten, die momentane Form ganz unten. Wo die Regensburgerin dann Anfang Juni in Rom die Kraft und den Mut für eine 4:08,23 auf ihrer Spezialstrecke, den 1500m hernahm, wissen die Götter. „Ich habe mich, wenn ich ehrlich bin, im Olympiastadion drei Runden lang nach der besten Stelle umgesehen, wo ich mich möglichst unauffällig von der Bahn stehlen könnte. Am Ende bin ich irgendwie ins Ziel gekommen“, beschreibt sie selbst ihre römische Odyssée, die ihr aber zumindest die direkte Qualifikation für die U23-Europameisterschaften (Tampere, 13./14. Juli) einbrachte. Jetzt konnte sie vierzehn Tage trainieren, immer besser und immer schneller und das Selbstbewusstsein einer Olympia-Halbfinalistin kehrt wieder zurück. „Ein paar Prozent fehlen noch bis dorthin, wo sie vor ihrer Erkrankung schon war, aber Tag für Tag holt sie auf und in Gateshead wird sie auf den 3000m durchaus zu beachten sein", meint ihr Coach Kurt Ring zur kniffligen Situation.

ZieglerManuel BLVU23U16 KiefnerfotoKnifflig war die Situation für den amerikanischen Collegestudenten Manuel Ziegler auch, aber auf ganz andere Art. Der haute bei den NCAA-Finals eine 16,48 raus und war damit plötzlich Deutschlands bester Dreispringer. Sein bereits gebuchter Rückflug unmittelbar am Wochenende der Team-EM war nun sehr suboptimal. „Mit Jetlag nach Gateshead geht nicht, du musst eine Woche früher kommen“, sagte der Bundestrainer. Umbuchen ging nicht, der Ersatzflug war sehr teuer. Nach einigen Telefonaten erklärte sich der DLV dann doch bereit, den vorgezogenen Transfer zu zahlen. Für Manuel Ziegler war dies ein Moment des besonderen Glücksgefühls, schließlich stand er noch nie in der Männer-Nationalmannschaft.

Für zwei Telis-Langstreckler hat’s nicht ganz gereicht. Im Wirrwarr der verschiedenen Strecken fehlte für Philipp Pflieger (noch) der Ausrutscher nach ganz oben. Die 5000m wurden mit Altmeister Arne Gabius belegt und den 3000m Platz schnappte ihm der junge Friedrichshafener Richard Ringer weg. Kein Beinbruch für den Regensburger – jetzt kann er sich gezielt für die Deutschen Meisterschaften in Ulm vorbereiten. Teamkollegin Maren Kock hat ebenfalls das Pech, dass ihre Distanzen mit Sabrina Mockenhaupt und Coco Harrer derzeit zwei Große des deutschen Laufs belegen. Als Allzweckwaffe hatte sie ganz zum Schluss sogar noch die Möglichkeit, über die 1500m ins Team zu rutschen. Am Ende fehlten zwei Sekunden und wie bei Philipp Pflieger eben der Ausrutscher nach oben bei möglichst günstiger Gelegenheit. Meisterschaftsläufer Florian Orth musste seine Team-EM-Ambitionen auf den 1500m bereits nach einem etwas schwächeren Saisoneinstieg in Dessau begraben.