Es muss nicht immer Landesmeisterschaften sein

Regensburg 17. Juli 2013 (orv) –  Es ist keine neue Diskussion, allenfalls eine auf einer anderen Ebene. Nicht selten werden deutsche Leichtathleten geschmäht, weil sie sich nicht der Weltelite stellen. Ein paar Klassen tiefer verläuft das Ganze umgekehrt. Dann werden Athleten, die den Vergleich im internationalen Meeting Landesmeisterschaften vorziehen, als abgehoben bezeichnet. Ist es Neid oder einfach die Tatsache, dass selbige in Plattling oder irgendwo auf weißblauen Gefilden als Werbeträger oder auch als Konkurrenz abgehen? Man weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass man Heusden, Oordegem, Cork oder auch Metz gesehen haben muss, um zu wissen, warum ambitionierte Athleten, bevorzugt aus dem Läuferbereich, geradezu euphorisch werden, wenn sie die Namen dieser Meetings hören. Jeder, der mal dort war, kommt immer wieder, wenn nicht gerade nationale oder internationale Meisterschaften dagegen stehen.

 


In diesem Falle haben Landesmeisterschaften in aller Regel verloren und seien wir uns mal ehrlich, auch bei der heimischen Sparkassen Gala ist es nichts anderes, nur dass es da halt keine bayerischen Meisterschaften betrifft. Diejenigen, die Heusden und co noch nicht gesehen haben, sollen sich ruhig mal dorthin begeben, um zu sehen, wie dort Leichtathletik zelebriert wird und jeder, aber auch jeder teilnehmen kann. Da entsteht eine Sogwirkung wie sie auch bei der heimischen Gala oder etwas früher im Terminkalender in Koblenz entsteht. Den Leistungen schadet dies am allerwenigsten. Einmal gegen zwölf oder fünfzehn gleich starke Gegner, von denen du keinen kennst, an der Startlinie zu stehen, macht ungeahnte Kräfte frei.

Es ist ein Unterschied, ob 15 Läufer auf der Mittelstrecke innerhalb von zwei Sekunden einlaufen oder ob sich das Teilnehmerfeld leistungstechnisch auf über 30 Sekunden streckt und dann meisterschaftstechnisch oft noch taktisch gelaufen wird. Glauben Sie denn im Ernst, ein Philipp Pflieger würde bei einer Endzeit von 13:34 hier in Bayern auf den letzten tausend Metern noch Konkurrenz im Nacken verspüren. Aber genau für diese 13:34 schindet er sich ein ganzes Jahr, Training für Training, zweihundert Kilometer die Woche auf bis zu 14 Einheiten verteilt.

Klar, dass auch Meisterschaften für Philipp Pflieger und co eine große Rolle spielen, aber doch bitteschön bei 13:34 nicht unbedingt die Landesmeisterschaften. Die „Bayerischen“ läuft er sicher einmal auch in der Unterdistanz, wenn der Terminkalender stimmt und die Landesmeisterschaften nicht unbedingt auf dem Heusden-Termin liegen. Natürlich wird man sie, alle diese Senkrechtstarter, bei Landesmeisterschaften im Regelfall schmerzlich vermissen, aber auch ein Elton John wird nicht unbedingt beim Betriebsfest einer hiesigen Baufirma auftreten. Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Auf der einen Seite wollen wir unsere „Stars“ bei jedem Popelereignis sehen, auf der anderen Seite natürlich auch mit Salzbrezel und Bier in der Hand auf der Mattscheibe bei Welt- und Europameisterschaften oder den Olympischen Spielen.

Wer dort aber hin will, muss nicht nur wegen der Normen den Umweg über Heusden gehen, so wie unlängst ein Arne Gabius. Eigentlich darf auf seiner Agenda eben nicht Plattling stehen. Es kann, aber es muss nicht, die Prioritäten sind hier andere. Viele hierzulande wollen die Gesetze des derzeitigen Hochleistungssports nicht wahrnehmen. Vielleicht ist das der Grund, warum Bayern sich mit WM-Einzelstartern schon seit Jahrzehnten schwer tut. Ich als Teamchef einer nicht gerade unerfolgreichen Mannschaft, habe hier vollstes Verständnis für Athleten, die sich jahrelang bei den Landesmeisterschaften gezeigt haben und auch immer wieder zeigen werden, aber halt auch mal nach Heusden wollen, wenn es mit den Landesmeisterschaften zusammenfällt. Es geht schließlich nicht immer ums Medaillenzählen, es geht um das „Erlebnis Leichtathletik“ und da haben wir in Deutschland bisweilen oft wenig zu bieten. Bezirksmeisterschaften mit einem Sprintendlauf bei zwei Senioren, einer Schülerin, zwei weiteren Jugendlichen und sonstigen freien Bahnen sind für Hoffnungsträger keine ernsthafte Alternative.

 

Kurt Ring