WADA-Papier wirft mehr Fragen auf als es beantwortet

Regensburg, 29. August 2013 (orv) –  Die WADA (Welt Anti Doping Agentur) hat eine Studie veröffentlicht. Die besagt, dass 29 Prozent der Starter bei den Weltmeisterschaften 2011 in Daegu zuvor schon einmal gedopt hatten. Was will uns die WADA damit sagen? Dass die Dunkelziffer noch weit höher liegen könnte? Dass nun alle geläutert sind – bis auf jene, die man dann tatsächlich nachher noch erwischt hat? Dass jene 29 Prozent inzwischen so dreist sind, um zu zeigen „seht her, ihr erwischt uns ja doch nicht?“ Oder dass sich die jungen Leute über die Studie allgemein lustig gemacht und ihr Kreuzchen einfach irgendwo hingesetzt haben? Auf die Wahrhaftigkeit jener, die sich per Studie als ehemalige Betrüger identifizieren, zu setzen, ist wahrhaftig kühn.


Was will uns denn die WADA überhaupt mit so einer Studie sagen? Will sie vielleicht ablenken von den brennenden Fragen, die sich weltweit in Sachen Doping immer noch stellen? Oder ablenken von der Peinlichkeit eines inakzeptablen nationalen Kontrollsystems in Jamaica. Was viel wichtiger wäre, ist, vergleichende Statistiken auf den Tisch zu legen, wie sich weltweit die nationalen Kontrollen qualitativ unterscheiden, wie oft Athleten/Innen mit Endkampfcharakter in den 12 Monaten vorher auf was auch immer kontrolliert wurden. Die internationalen Verbände sind mächtig stolz auf die hohe Nationenteilnehmerzahl bei den jeweiligen Welttitelkämpfen, welche Staaten davon überhaupt ein funktionierendes nationales Anti-Doping-Kontrollsystem haben erfährt man nicht.

Noch immer ist unklar, ob alle ostafrikanischen Länder ein solches besitzen, wie effektiv es dann ist und vor allem wie unabhängig. Ostafrikanische Läufer/Innen gewinnen indessen alles, was viel Geld einbringt. Die Wettbewerbe im Sprint und auf der Langstrecke sind in der Spitzenleistungsdichte so bizarr geworden, dass man sie mit den immer wieder angepriesenen „genetischen Vorteilen“ nicht mehr erklären kann. Viele „starke“ Männer und Frauen kommen nach der Doping-Zwangspause noch stärker zurück als sie vor der Dopingsperre waren.

Die Bauernopfer – sprich die Dummen, die sich beim Großevent erwischen lassen – nun anstatt zwei Jahre in Zukunft vier Jahre zu sperren, ist auch keine Lösung. Die Meldung dass eine türkische Olympiasiegerin beim Olympiasieg gedopt war und rückwirkend gesperrt wird, erregt nur kurzfristig öffentliches Interesse, von einer Meldung, dass sie die staatlich garantierte sechsstellige Olympiaprämie des eigenes Staates zurückgeben muss, bleibt in aller Regel aus. Medaillennachrücker warten oft monatelang auf das verdiente Edelmetall und bekommen es kommentarlos per Post zugesandt – ohne Siegerehrung, ohne Hymne und ohne nennenswerte Öffentlichkeit. Du bist halt dann plötzlich Europameisterin und keiner weiß es.

Den Hebel richtig ansetzen, hieße, sich selbst und seiner Organisation, weh zu tun. Es wäre unschicklich, Siegernationen wie Kenia, Weißrussland, Jamaica oder Äthiopien nicht mehr teilnehmen zu lassen, so lange sie kein funktionierendes nationales Anti-Doping-Kontrollsystem nachweisen können. So viel zum Thema Chancengleichheit, wobei mir dieses Wort nur äußerst schwer über die Lippen geht, weil eben die Möglichkeit auf Doping moralisch gesehen keine Chance auf den Sieg sein kann. Wer zum Beispiel die IAAF (Welt-Leichtathletik-Verband) mit seinen „friends und familys“ bei den Weltmeisterschaften residieren sieht, von einem feudalen Empfang zum anderen flanierend, repräsentativ im Stadion auf den Ehrenplätzen postiert, will nicht glauben, dass das Geld für eine WADA, die unabhängig und quantitativ sowohl als auch qualitativ mit den gleichen Standards alle nationalen Systeme organisiert, nicht da sein sollte. Wenn es den Staaten dieser Erde und ihren Sportvereinigungen wirklich mit dem Thema Doping ernst sein sollte, dann ist es Zeit von Lippenbekenntnissen auf Taten umzuschwenken. Doping ist keine Spielwiese zur Beförderung seiner eigenen Karriere, Doping war, ist und wird auch in Zukunft die Geisel des modernen Sports bleiben.