Zu wenige zu langsame Kilometer verhinderten lange dass „trainiert“ wird

Hindernislauf VolkeFotoRegensburg, 25. September 2013 (von Lothar Pöhlitz) - Es ist schwer im Nachhinein alle Verursacher des Jahrzehnt - Irrtums zu identifizieren. Gerade 2 der DLV-Läufer haben es zu Finalplatzierungen (Platz 1 – 8)  bei der WM 2013 in Moskau geschafft, eine Medaillenchance hatte nur „der Neue – Homiyu Tesfaye über 1500 m“. Der derzeit internationale Ruf deutscher Mittel- und Langstreckler ist wohl auch darin begründet dass man nicht rechtzeitig die Pferde gewechselt hat und man mit „zu wenigen zu langsamen Kilometern“ weiterübte und die in den Jahren immer mehr zunehmende Komplexität in einem gemeinsamen Training der Besten, das harte Geschwindigkeitstraining, die andere Kraftarbeit und die immer kürzeren Pausen negierte und so nicht mehr mit der Internationalen Entwicklung Schritthalten konnte.

Nur reizwirksame Belastungen lösen Anpassungen aus, die Periodisierung müsste besser auf die Höhepunkte ausgerichtet sein und die systematische Entwicklung der sportlichen Form dorthin zulassen. Auch über die Wirksamkeit des wieder in Angriff genommenen  Höhentrainings muss man wohl noch einmal nachdenken. Nicht die Teilnahme dort zählt sondern die Wettkampfergebnisse im Sommer.

Inzwischen stehen die von der IAAF anerkannten Lauf - Weltrekorde bei Geschwindigkeiten denen sich zu nähern die Trainer und selbst die „Außerirdischen“ vor außergewöhnliche Probleme stellen. Trotzdem will Cheftrainer Wolfgang Heinig mit seiner Crew wieder in die Richtung weiter nach oben. Unsere deutschen Läufer demonstrierten das aktuelle Niveau bei der WM 2013 in Moskau, es reichte für die meisten nicht einmal mehr für die zweite Runde. Marathon - Spitzen – Geschwindigkeiten von 3:12 min/km für Frauen oder 2:56 min/km für die Männer machen deutlich dass sich auch in der Trainingsmethodik einiges verändert haben muss. Mit zu wenigen zu langsamen und zu kurzen Kilometern ist kein Blumentopf zu gewinnen. Da und bei der Talentpflege hat der „DLV – Aufsichtsrat“ wohl eine längere Zeit nicht aufmerksam genug hingeschaut. Der Druck hinter den Kulissen hat sich gegenüber früheren Jahren aber schon verstärkt, das Führungsteam Lauf inzwischen neue Konturen bekommen.

Weltrekorde2013

Obwohl sich das qualitative Niveau der Wettkampfanforderungen in den letzten 20 Jahren in allen Disziplinen verändert und gleichzeitig erhöht hat fehlt es vielerorts noch an entsprechenden Konsequenzen im Training, nicht nur im Spitzenbereich.

Geschwindigkeit im Trainingsumfang & mehr Kraft

Arthur Lydiard präsentierte der Welt 1960 – vor inzwischen 53 Jahren - bei den Olympischen Spielen in Rom nicht nur die Olympiasieger über 800 m Peter Snell und über 5000 m Murray Halberg, fügte dem noch die Bronzemedaille im Marathonlauf durch Barry Magee hinzu, sondern breitete im Anschluss daran sein Training den Trainern dieser Welt offen aus. Damals begann wohl eine neue Ära in der Trainingsmethodik des Mittel- und Langstreckenlaufs die auch längere Zeit von deutschen Läufern verfolgt wurde. Kein anderer als Lydiard hat das „Training der Neuzeit“ so beeinflusst wie er. Leider waren viele von seinem „Marathontraining“ mit durchschnittlich 160 km / Woche so beeindruckt dass solch wichtige Phasen wie das 6 wöchige Hügeltraining oder das 16 wöchige Bahn- und Wettkampftraining weitgehend unter den Tisch fielen. Man übersah sogar dass ein „Long Jog“ am Wochenende über etwa 35 km die verschiedenen Leistungsgruppen mit entsprechenden Geschwindigkeits-Abständen ins Ziel führte.

Bei einem seiner damaligen Vorträge in Deutschland hat er schon früh gewarnt: „Sicherlich ist es eine harte Arbeit, aber die Weiterführung des Marathontrainings würde eine allzu lange Zeit brauchen, um die Bahnform zu entwickeln. Die Belohnung erfährt der Läufer wenn er nach 6 Wochen Hügeltraining auf die Bahn kommt und feststellt, dass er ohne große Anstrengung recht schnelle Zeiten laufen kann. Die 6 Wochen Hügeltraining ist zwar die kürzeste Periode, aber auch der wichtigste Abschnitt. Er verbindet die 14 Wochen – Straßen – Umfangstraining mit der Bahnsaison“.

Leider fehlen vielen deutschen Läufern und ihrer Trainer noch heute mehr als 50 Jahre nach Lydiard seine damals publizierten durchschnittlichen 160 km pro Woche in Ausdauerentwicklungsphasen – von Mo Farah wurden bei der DLV-Laufkonferenz 180 – 200 km in solchen Jahresabschnitten übermittelt - der Qualitätsbegriff – „die Geschwindigkeit im Trainingsumfang“ (wie es Lothar Pöhlitz nennt) bleibt in der Regel immer noch außen vor. Es wird negiert dass vor allem „hartes Training“ im 10000 m - 5000 m - 3000 m – Tempo die aerobe Kapazität entwickelt. Auch über den Umgang mit dem für den Elitebereich unpassenden Begriff „Allgemeines Training“ sollte in diesem Zusammenhang noch einmal nachgedacht werden weil man mit den Inhalten der Vorbereitung auf die nachfolgenden Abschnitte, die der spezifischen Leistungsfähigkeiten in den verschiedenen Disziplinen – die auch über den Anforderungen der Wettkampfstrecke liegen müssten – nicht gerecht werden kann.

Modernes, gemeinsames Training der Besten erhöht das Entwicklungstempo

Man sollte vor allem die TE miteinander trainieren die für die jeweilige aktuelle trainingsmethodische  Aufgabe die größte Wirkung versprechen.

Dem Ausdauerqualitätsbegriff wird erst entsprochen wenn die Kombination von Training zur Entwicklung der aeroben Schwelle (vL2 + vL3 – Training), Trainingseinheiten zur Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme, Kraft und Schnelligkeit als Voraussetzungen für ökonomische „Leicht“ - Lauftechnik Trainingsinhalte sind. Und das wird bekanntlich mit Geschwindigkeiten im Bereich der individuell-aktuellen Schwelle, TE zur aeroben Stabilisierung und „hartem Teilstreckentraining mit 3 – 7 Minuten – Abschnitten“ erreicht. Die Praxis der Besten unterstreicht zusätzlich dass ein hoher Trainingsumfang eine weitere entscheidende Bedingung ist um Qualität umzusetzen. Der Umgang mit der Unter- bzw. Überdistanzleistungsfähigkeit muss der Wettkampfgeschwindigkeit angenähert werden und stärker auf die Bereiche plus 5 % und minus 5 % vom Renntempo zielen.

Nur sachliche, anspruchsvolle Berichte helfen der olympischen Leichtathletik
Faire Kritik ist keine Beleidigung - Was sind eigentlich „fehlende Körner“?

Wer sich fast zwei Wochen die Berichte der Medien von der WM  in Moskau interessiert antat musste am besten „vorgebildet aber auch leidensfähig“ sein. Der Anspruch an eine WM-Teilnahme ist hoch transportierte DLV-Cheftrainer Gonschinska, schließlich ist es ja das Treffen der Weltbesten. Immer wieder liest man dass das Finale 1 – 8 das Ziel sein muss. Weil es auch als mögliche Vorbildwirkung für unseren Nachwuchs dient, sollte man erwarten dürfen dass sachlich und fachlich anspruchsvoll und in den Disziplinen vergleichbar von allen Fach-Medien berichtet wird. Faire Kritik ist ja keine persönliche Beleidigung. Wer sich dem Hochleistungssport stellt sollte auch mit diesem Anspruch leben.

Ein Beispiel fand man bei leichtathletik.de: „Er wusste dass der Einzug ins Halbfinale ein hartes Stück Arbeit werden würde. Doch er hatte sich gut gefühlt, zuletzt gut trainiert (eingefügt: was das auch immer bedeuten mag?) und sich Chancen ausgemalt. Pech hatte er bei der Zulosung des Laufes. Denn während im ersten Rennen ein hohes gleichmäßiges Tempo angeschlagen wurde das gleich drei Athleten das Weiterkommen über die Zeitregel ermöglichte, ging es in seinem zweiten Vorlauf gemächlicher zu (eingefügt: welche Logik – eine WM ist doch kein Wunschkonzert). Er musste hart um seine Position kämpfen, fiel zwischenzeitlich zurück, arbeitete sich wieder nach vorne (wo ist eigentlich vorn?). Auf der letzten Runde fehlten dann die Körner, um mit der Spitze mitzugehen“. Noch Fragen ?

Weltbestenliste Hindernis 2013

Wenn es gegen die besten der Welt geht musst Du doch fit und bereit sein
Die Kunst des Hochleistungstrainings ist die TOP-Form beim Jahreshöhepunkt

Das Ergebnis von Moskau auf den Plätzen 1 – 8 beispielsweise im 3000 m Hindernislauf macht deutlich dass Läufer aus 4 Nationen – darunter zwei Franzosen – gegen die Kenianer konkurrenzfähig waren, im Finale 12 schneller gelaufen sind als die IAAF-Norm. Steffen Uliczka wurde eigentlich nicht unberechtigt vom DLV nominiert, er war nahe dran am 12.6. in Huelva, zwei Monate vor der WM. Allerdings wird an diesem Beispiel deutlich dass die erforderliche sportliche Form weit weg von den Besten – ohne wenn und aber - beim Jahres-Höhepunkt nicht abrufbar war und Vorläufe bei einer WM gegen die Besten nicht gerade mit einem Lauf vergleichbar sind, bei dem die Jahresbestleitung von 8:23,57 zwei Monate (!) vor der Bewährungssituation des Jahres erzielt wurde. Im Hochleistungssport ist die persönliche Bestleistung oder wenigstens eine hohe sportliche Form beim Jahreshöhepunkt die Kunst, die Meisterprüfung auch für die Trainer. Steffen Uliczka war schon 2012 bei den Olympischen Spielen in London „nicht in Form“ als es darauf ankam, war im 3.000 Meter Hindernisrennen nach 8:41,08 Minuten als 13. und damit Letzter in seinem Vorlauf ins Ziel gekommen (leichtathletik.de).