Der Weg war am Anfang ernüchternd – am Ende stand aber der Erfolg

Galuschka-1 DM-Marathon13 MayerfotoRegensburg, 18. Oktober 2013 (orv) –  Ziemlich genau vor einem Jahr piepste das Handy von Telis-Teamleiter Kurt Ring ziemlich häufig. Das war an diesem Tag nichts Ungewöhnliches, er hatte eben wieder mal Geburtstag. Ungewöhnlich war nur, dass ein SMS einer ihm noch völlig unbekannten „Julia“ dabei war. Genauer gesagt kannte er sie zwar überhaupt noch nicht, er wusste aber, dass eine solche SMS kommen könnte. Die Marathonmädels, die kurz zuvor wieder einmal deutscher Mannschaftsmeister geworden waren, hatten „sie“ bei den Titelkämpfen angesprochen, sie gefragt, ob sie denn keine Lust hätte, nächstes Jahr im blauen Team zu starten. Sie hatte und sie wusste, dass „der zentrale“ Andockpunkt eben einige Tage später Geburtstag hatte und die Regensburger Damen solch geheimnisvolle Geburtstagswünsche beim „Chef“ ankündigen würden. Der rief natürlich Julia Galuschka sofort am nächsten Tag zurück und eine Erfolgsstory begann.


Nach einem kurzen Beschnüffeln via Telefon, lernten sich die beiden beim Darmstadtcross kennen. Er, der Coach und Vielbeschäftigte, hätte sie im Frauenrennen beinahe übersehen. Sie merkte das während des Laufes, erkannte ihn am blauen Outfit und nahm noch während des Rennens so gut es eben ging Kontakt auf. Anschließend tauschte man bevorzugt Komplimente aus, aber was sind die schon wert, wenn ein langer Trainingswinter bevorsteht. Einmal die Woche telefonieren, dann wieder sieben Tage trainieren, Woche für Woche, Monat für Monat. Härtetest solcher Fernbeziehungen sind dann immer die Tage des Ostertrainingslagers. Da zeigt sich dann meistens, ob man wirklich zusammenpasst. Es passte jedenfalls zwischen Läuferin Julia Galuschka und Coach Kurt Ring, auch wenn der erste wichtige Start kurz nach den italienischen Tagen gleich mal heftig in die Hosen ging, weil die Hessin bei den nationalen Titelkämpfen über die Halbmarathon-Distanz aussteigen musste.

Galuschka1 Hannover-Marathon13 Galuschka-FotoDer Nachholtermin in Hannover klappte dann wenigstens mit der erhofften Steigerung auf unter eine Stunde und zwanzig Minuten. Mochte sie schon im Cross nicht gerne laufen, hielt sie das Rennen auf der Bahn wohl anfangs auch für reine Energieverschwendung. Er, der Coach, beharrte aber drauf und mit den Versuchen kam dann wohl auch die Lust. „Unterdistanz“ nennt es der Coach und Julia Galuschka war folgsam, auch wenn bei 17:35 über 5000m und 10:18 über 3000m das Laktat kräftig in Arme und Beine schoss. Mit dem Marathon vor Augen, freilich im Oktober erst terminiert und noch soooo weit weg, ließ sich das Ganze einigermaßen überstehen und ein zweiter Vorteil war, dass Julia die im Trainingslager liebgewonnenen Laufkollegen/Innen wenigstens öfter traf.

Dass man im blauen Trikot oft schneller deutsche Meisterin wird als man schaut, hatte sie durchaus mitbekommen. Aber ausgerechnet in ihrem ersten Jahr war das blaue Frauenteam so stark wie nie zuvor. Scheinbar blieb nur das Hintertürl auf der Marathonstrecke, im Team versteht sich natürlich! Die Ende Juli begonnene Marathonvorbereitung lief prächtig und der Start über 10 Kilometer bei den Straßenlaufmeisterschaften in Bobingen sollte nur ein Formtest sein. „Marathon ist viermal zehn Kilometer und wenn du über die Zehn nicht gut bist, kannst du auch keinen guten Marathon laufen“, beliebt der Trainer bei solchen Meisterschaften oft als weitere Motivation für die später folgenden 42 Kilometer zu sagen. Julia Galuschka war an diesem Tag jedenfalls gut drauf und als dritte Regensburgerin rutschte sie mit Hausrekord von 36:15 tatsächlich ins Meisterinnenteam.
 

Galuschka-Mayer-Tancic-Ferstl Fingernaegel DM-Marathon13 MayerfotoDM-Gold war also schon mal abgehakt und auch die Euphoriebremse ihres Coaches „Das muss sich im ersten Jahr noch nicht auf eine Marathonbestzeit auswirken“ konnte sie kaum mehr bremsen. Schon zwei Stunden vor dem Marathonstart kam von Udo, ihrem Mann, die optimistische Formprognose via SMS: „Julia ist gut drauf“. Und wie sie drauf war. Gleich fünf Minuten schneller als im Vorjahr an gleicher Stelle packte sie aus, phänomenale 2:44:43, Silber und Top-ten in der nationalen Bestenliste. Aus einem Mauerblümchen war ein Shootingstar geworden.

Als der Trainer von den Zuschauerrängen in den Zielbereich kam, traf er auf eine gar nicht mal so fertige Athletin. Sie drückten sich, ein Auftrag war erledigt, ihre Botschaft aber eindeutig: „Jetzt wirst Du mich nicht mehr los“. Der Endorphinspiegel muss bei ihr riesengroß gewesen sein, „runners high“ eben! Jedenfalls meldete sie sich nach einem fetten „DANKE“-Mail am nächsten Tag schon wieder mit der Frage: „Wann darf ich endlich wieder laufen, ich bin fit wie ein Turnschuh.“ Jetzt hat die immer fröhliche Hessin, im wirklichen Leben Schullehrerin, zunächst einmal Herbstferien. Der Trainer weiß, dass er sie zumindest vierzehn Tage aufhalten sollte, er weiß aber auch, dass sie so manchen Regenerationstag zu einem flotten Läufchen umwandeln wird. Ihr Körper schwingt eben derzeit und das ist ein schönes Gefühl.