Eine Regensburgerin unter den besten zehn Leichtathletinnen Deutschlands

Harrer moreira Hallen-EM13 foto chaiRegensburg, 15. November 2013 (Ring) –  Zwei Silberne in Europa, neunmal Gold in Deutschland, dreizehn Mal auf den Treppchen und das alles in einem einzigen Jahr – das schaut nach viel aus, das ist auch viel. So viel, dass leichtathletik.de die Verursacherin solcher Erfolge und Meriten unter Deutschlands Top-ten Leichtathletinnen des Jahres 2013 sieht. Jedenfalls hat die Fach-Plattform Corinna Harrer von der LG Telis Finanz Regensburg neben neun anderen leichtathletischen Größen für die Wahl zur „Leichtathletin des Jahres“ des Jahres nominiert. Sensationell findet leichtathletik.de zumindest ihren Husarenritt bei den Hallen-Europameisterschaften in Göteborg.


Dabei war dieses Jahr ein absolutes Seuchenjahr für das Steh-auf-Weibchen aus Wenzenbach. Noch euphorisiert von ihrem ganz persönlichen olympischen Traum stieg sie sehr spät in die Weltmeisterschaftssaison ein. Eine kleine Ungeschicklichkeit am Ende des ersten Trainingslagers hatte große Auswirkungen. Sie brach sich den Zeh, mitnichten etwas, was sie aufhalten konnte. Zähne zusammenbeißen, den Zeh so gut schienen wie’s eben nach zwei bis drei Wochen Reha ging und rein in die speziell präparierten Laufschuhe, war ihre Antwort. Wo andere ihre Fernziele überdenken, stand sie kurze Zeit später schon wieder bei den Cross-Europameisterschaften in Budapest an der Startlinie. In wenig bis fast nicht trainiertem Zustand stellte sie sich, war sicher mit Platz sechs nicht zufrieden, führte aber als Beste ihres deutschen U23-Teams die Mädels erneut zu Bronze.

Ihr Trainer schüttelte nur den Kopf, sie aber meinte: „Du, jetzt bin ich wieder gut drauf!“ Sagte es, fuhr Silvester nach Trier, putzte dort „Mocki“ weg, ließ beim Indoor-Länderkampf in Glasgow keiner ihrer namhaften Gegnerinnen eine Chance und zauberte beim Internationalen in Karlsruhe über 3000m eine fabelhafte 8:51,04 auf’s Hallen-Oval. Sie hatte wieder „ihren Lauf“ gefunden. Der deutsche Hallentitel wurde zur Selbstverständlichkeit und in Göteborg strotzte sie gerade vor Selbstbewusstsein. Auf dem Weg zum Callroom platzte es aus ihr heraus: „Ich hol jetzt die erste deutsche Medaille!“

Kleinere Schrecksekunden im zeitigen Frühjahr wie ein verpatzter 3000er zum Saisonauftakt warfen sie nicht aus der Bahn, auch nicht das barbarische Frühjahr mit maximal sechs Grad an den meisten Trainingstagen bis Mitte Mai. Das, was dann kam, aber schon. Nach einem endlich mal unter Normalbedingungen stattfindenden „glänzenden Arbeitstag“ kam dann die nächste Hiobsbotschaft. Eine zunächst heftige, aber harmlos erscheinende Magen-Darmgeschichte war in Wirklichkeit eine Salmonellenvergiftung. Antibiotika und das nicht zu wenig, acht Tage völlige Bettruhe, der Verlust von fünf Kilo Lebensgewicht und ein Sack voll verlorener Substanz waren nicht gerade eine gute Ausgangsbasis für ein Diamond league Rennen. Warum überhaupt?

 


Irgendwo wollte keiner von offizieller Seite wahrnehmen, dass die kleine Regensburgerin die internationale Norm für die Junioren-Europameisterschaften in Tampere zwar hatte, aber den gestrengen nationalen Regelungen nicht gerecht wurde. Rom also der letzte Ausstieg Richtung Tampere? Woher sie dann die 4:08,23 in der ewigen Stadt herholte, wissen die Götter.

Die ersehnte WM-Norm fehlte logischerweise. Nach einem erfolgreichen Team-EM Einsatz in Gateshead wollte sie In Ostrawa nachsitzen und stellte nach ihren 4:06,61 fest: „Ich hätte nur durchziehen müssen.“ Rein in den Flieger und auf nach Birmingham hieß die Devise. Dort schlitzte sie zum Überfluss eine Konkurrentin an der Ferse. Weinend und humpelnd kam sie nach ihrem ersten „Rennausstieg“ überhaupt am Montagmorgen am Münchner Flughafen an. DM-Titelverteidigung fünf Tage später nur noch ein Traum? Mitnichten, Coco Harrer biss erneut auf die Zähne und triumphierte wieder bei den Deutschen Meisterschaften über 1500m in Ulm – zum dritten Mal in Folge. Die Silberne in Tampere folgte, Zweite mit der zweitschnellsten Zeit, die jemals bei U23-Europameisterschaften erzielt wurde.

Am Ende verlor sie die Hatz nach der WM-Norm. Malheur um Malheur, Rennen um Rennen, das alles war an der Regensburgerin nicht spurlos vorbei gegangen. Das Ende war deprimierend. Nur noch raus wollte sie aus dieser verflixten Saison, schwierig und mit vielen Fallstricken versehen. Übrig bleibt eine Erfolgsbilanz, die eigentlich gar nicht zum Begriff „Seuchenjahr“ passt. Und doch war es für Coco Harrer so eines. Wer solches schafft, kann auch eine Jahresleichtathletin „des Herzens“ sein. Für mich ist sie es und ich habe mein Kreuzchen wieder allem leichtathletischen Sachverstand bei ihrem Namen gesetzt. Zugegeben, ich als ihr Trainer bin alles andere als objektiv.