Gute Ausgangssituation für die LG Telis Finanz im Europameisterschaftsjahr

Kock-Pflieger-Harrer9 gala12 kiefnerfotoRegensburg, 9. Januar 2014 –   Die Ausgangssituation für 2014 ist für das Läuferteam der LG Telis Finanz nicht unbedingt einfach. Einerseits scheint die Aufgabenstellung mit Zielsetzung Europameisterschaften für das Telis-Quartett Maren Kock, Corinna Harrer, Philipp Pflieger und Florian Orth eine machbare zu sein, andererseits kann in einer Saisonvorbereitung vieles passieren und zumindest für Kock und Pflieger wird’s auf Grund der mehr als raren Qualifikationsmöglichkeiten zur Punktlandung, obwohl der Qualifikationszeitraum ein ungewöhnlich langer ist. Für das 2013 erstaunlich erfolgreiche U23-Team gilt ähnliches. Nachdem die Mädels und Jungs in der letzten Saison teilweise große Leistungssprünge vollzogen, darf man in einem Jahr ohne internationalen U23-Höhepunkt nicht gleich wieder Ähnliches erwarten.


Orth Kock Harrer KiefnerTeilnahme-Träume haben sich die vier Besten schon beim ersten Anlauf in Helsinki erfüllt. Zwei Jahre später schaut die Leichtathletikwelt ein wenig anders aus. Zumindest für Orth, Pflieger und Harrer ist nationale Konkurrenz im Kampf um die drei möglichen deutschen EM-Plätze erwachsen. Eine erzielte Qualifikationsnorm heißt also noch lange nicht Teilnahme. 2014 muss ein Platz unter den ersten Drei bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm dazu kommen. So sagen es zumindest die Nominierungskriterien des DLV aus. Für Maren Kock ist die deutsche Konkurrenz überschaubar, die Hürde in die Schweiz aber mit einer 15:28 erheblich höher geworden. Ähnliches gilt auch für Philipp Pfliegers Wunschstrecke, den 10.000m. Die geforderten 28:35 ist der Regensburger sogar überhaupt noch nicht gelaufen. Ihm würde wohl ein einziger Treffer bei der DM Anfang Mai über die 25 Runden reichen, weil im Gegensatz zur halb so langen Strecke national wenig Gegnerschaft da ist, die auf der längsten Bahndistanz auch nach Zürich will. Insgeheim liebäugeln mit dem Dreispringer Manuel Ziegler – dazu mehr in einem gesonderten Bericht – und Langstreckler Julian Flügel auch mit der EM, sofern ersterem der goldene Sprung in Ulm gelingt und letzterem sein Marathon-Debüt im Frühjahr so gut gelingt, dass es für „unter 2:15:30“ reicht.

Harrer-Muir JEM23-2013 HenselfotoCorinna Harrer wird  von den Medien gerne als Multitalent der deutschen Laufszene bezeichnet. In der Tat scheint sie in der Lage zu sein, bei einer normal verlaufenden Saisonvorbereitung die deutschen EM-Normen von 800m bis 10.000m packen zu können. Bisher ist sie gut über den Winter gekommen und Karlsruhe, Anfang Februar, wird zeigen, ob sie auch Hallen-WM reif ist. Hallenziele in Regensburg anzugehen, ist noch immer schwierig, weil der Bau einer Leichtathletikhalle zwar vom Oberbürgermeister angekündigt wurde, aber die Halle natürlich noch nicht steht. Man wird sehen, was die beiden Klimatrainingslager in Spanien (Januar) und Portugal (Februar) in Richtung Indoor-Meisterschaften bringen. Als Titelverteidigerin wird sie bei der Hallen-DM jedenfalls erneut die 3000m angehen. Für den Sommer kann vieles möglich sein. Fest steht nur, dass diesmal neben den 800m, 1500m und 10.000m auch der erste 5000m Versuch stattfindet. Wo und wann, wird der internationale Kalender entscheiden, weil Läufe ihres Formats als reine Frauenrennen in Europa ganz schlecht zu finden sind.  Ausgemachtes Ziel sind natürlich die Europameisterschaften in Zürich. Nach der etwas missglückten EM-Premiere als Neunte von Helsinki hat die Regensburgerin noch eine Rechnung offen.

Kock12 DM13 KiefnerfotoMaren Kock wird aus ihrem ersten Traum von „großen“ Europameisterschaften auch ihre Lehren gezogen haben. Dabei sein ist das eine, erfolgreich sein etwas anderes. Das will sie im neuen Jahr ändern. Die Hürde nach Zürich wurde gegenüber 2012 vom DLV noch einmal höher gelegt. Anstatt 15:35 sind nun 15:28 nötig. Das ist die Emsländerin Telis-Trikot schon einmal gelaufen. Aber für sie gilt die Armut an probaten Startgelegenheiten über die zwölfeinhalb Runden in Europa noch viel mehr als für ihre Teamkollegin. Die könnte zur Not noch „gemischt“ debütieren, Maren Kock eben nicht, wenn sie nach Zürich will. Im Winter steht nur die Hallen-DM im Fokus. Auf die Strecke dort hat sie sich noch nicht festgelegt. Im Sommer liegt wohl der ganze Fokus auf den 5000m. Koblenz Ende Mai könnte ein guter Einstieg sein, Hengelo kurz darauf wäre vielleicht sogar die bessere Option. Am besten für einen Qualifikationsanlauf wäre jedoch ein später Abendtermin Ende Juni, wenn die Sonne weg ist und sich leistungsfördernde Abendkühle einstellt. Das größte Problem wird wohl sein, so ein Rennen in Europa zu finden.

OrthFlorian2 Glasgow13 KiefnerfotoWenn er in Form ist, sollten 3:37 für Florian Orth kein Thema sein. Auch die Rennsituation hellt sich ein wenig auf, weil Deutschland plötzlich gleich wieder mit einigen Läufern mit deutlichen Zeiten unter 3:40 „wuchert“. Florian Orth ist allerdings der einzige der vier Telis-Asse, der mit seinem Zahnmedizin-Studium sozusagen einen Fulltimejob mit dem Hochleistungstraining auf die Reihe bringen muss. So manches geplante Trainingslager ist deshalb Uni-Terminen zum Opfer gefallen und sein langjähriger Heimtrainer Klaus Bornmann hat jedes Jahr eine Herkulesarbeit in Sachen Organisation zu erledigen. In der Halle will sich Florian Orth trotz möglicher Weltmeisterschaften diesmal ein wenig zurückhalten, liebäugelt sogar mit den 3000m. Im Sommer gilt sein Hauptinteresse natürlich wieder den 1500m. Schafft er die Norm rechtzeitig, zählt der Hesse zusammen mit Coco Harrer zu den ganz heißen Telis-EM-Kandidaten. Bei Deutschen Meisterschaften war er jedenfalls immer im Medaillenbereich. Natürlich wurmt ihn Helsinki noch gewaltig. Er, der Taktikfuchs, hatte dort im Finale eine ganz große Medaillenchance, ehe ihn ein ganz blöder Sturz zweihundert Meter vor dem Ziel aus allen Träumen riss.

Pflieger1 Sueddeutsche2013 kiefnerfotoPhilipp Pflieger, der Langstreckler „verpuppt“ sich gerade. Die Umstellung auf Marathon ist beschlossene Sache, der olympische Traum soll weiterleben. Zürich ist dazu noch zu früh, da kommen die 10.000m wie gerufen, sozusagen als Zwischenschritt. Wer in Deutschland jedoch in den letzten Jahren die Qualifikationsquälerei miterlebt hat, weiß, dass allein eine gute Frühform zum Meisterschaftstermin Anfang Mai noch nicht reicht. Die klimatischen Verhältnisse müssen gut sein und die Tempomacher, ganz egal, wo sie herkommen, auch. In ganz Europa haben inzwischen 10.000m Läufe zwischen 28:00 und 28:30 Seltenheitswert, weil die meist zahlreich vertretenen Ostafrikaner viel, viel schneller laufen. Hier und nicht nur hier, sondern auf allen Bahnlangstrecken ist nun die weitsichtige Organisationsgabe des Verbandes gefragt. Schon längst müsste hier europaweit wesentlich besser koordiniert werden. Was spricht denn gegen Multimeisterschaften aus sechs oder sieben Nationen mit getrennten Wertungen? Athleten oder deren Vereine könnten dies nur begrüßen, aber eben nicht initiieren. Im Winter wird Philipp Pflieger erstmals in Kenia Höhentraining mit DLV-Trainer Wolfgang Heinig ausprobieren. Im Herbst soll für ihn das Abenteuer Marathon beginnen.

Fluegel1 kassel13 Bald-FotoJulian Flügel, Stehaufmännchen im Team, hat sich letzte Saison wieder in die deutsche Spitze zurückgekämpft und da auch gleich noch mit seinem ersten Lauf unter 14 Minuten einen ganz persönlichen Traum auf der 5000m Strecke wahrgemacht. Ebenso beeindruckend war seine bemerkenswerte Rückkehr ins Crossgeschehen: Zusammen mit Philipp Pflieger stand er im deutschen Team für die Cross-EM in Belgrad. Während sich sein Teamkollege als Vierzehnter toll verkaufte, war das Gelände für Julian Flügel nicht schwer genug und das Rennen einfach dadurch zu schnell. Jetzt will sich der Hesse im blauen Trikot ganz auf die Straße stürzen und ebenfalls wie Pflieger das Unternehmen Marathon angehen, nur eben sechs Monate früher. Über die Cross-DM im März und die Halbmarathon-DM im April geht’s dann zum Frühjahrsmarathon. 2:15:30 ist natürlich eine imaginäre Zeit, für einen Einsteiger wie Julian Flügel allemal. Julian ist aber „ein ganz harter Hund“ wie Läuferkollegen oft despektierlich aber dennoch mit einem gehörigen Schuss an Respekt über so einen wie den Regensburger reden. „Schau’n ma mal“ würde Franz Beckenbauer sagen und wer das Gespann Flügel mit Heimtrainer Jürgen „Steppke“ Stephan kennt, weiß, dass sich die beiden auch von einem misslungenem Erstversuch, nicht abhalten lassen, im Herbst dann den nächsten zu wagen. 5000m- und 10.000m-DM hat so einer wie Julian Flügel immer im Notizbuch.

unterholzner-alraun-steininger-dm10000 boehnke-fotoDie Jüngeren, bis auf Fabian Alraun, der 2014 der U23 entwächst, werden Zeit haben, ihren Träumen für die etwas nähere, aber ansonsten international gesehen doch noch entfernten Zukunft nachzuhängen. International gibt’s für sie bis Dezember, wenn wieder Cross-Europameisterschaften anstehen, nichts zu holen. Die Europameisterschaften in Zürich kommen jedenfalls noch zu früh. Das war auch 2010 für Orth, Harrer und co so. Zwei Jahre später war dann in Helsinki die Sachlage eine ganz andere. Vielleicht kommt für den einen oder anderen schon Amsterdam 2016 in Frage. Nachdem gerade die Jüngeren im letzten Jahr riesige Fortschritte gemacht haben, sollte vielleicht so manche mutige Prognose noch einmal überdacht werden. Wie weit sie von der nationalen Spitze noch weg sind, mussten im letzten Jahr trotz schon erklecklicher Bestzeiten einige Telis-Youngster im 5000m-Endlauf von Ulm erkennen. Wenn’s um die Meisterschaftskrone geht, sind die oft unter idealen Verhältnissen erzielten Hausrekorde plötzlich kaum noch etwas wert. „Immer schneller, immer schneller“ muss deshalb deren Devise sein, bis sie im Finale der „Großen“ zumindest national konkurrenzfähig werden. Medaillen bei den verschiedenen U23-DM sind dabei natürlich nicht verboten. Immerhin können Thea Heim (1500m) und Jonas Koller (Halbmarathon) eine Titelverteidigung angehen. Teamtechnisch das nationale Ergebnis von 11 Mannschaftsmeisterschaften in der Männer-Frauen bzw. U23-Klasse toppen zu wollen, wäre vermessen. Auch hier schlafen die anderen Vereine nicht. Wie wertvoll die inzwischen erarbeitete breite Spitze der LG Telis Finanz wirklich ist, wird sich 2014 zeigen.

Damit es mit der Saison 2014 auch wirklich klappt, setzt man im Regensburger Lager wieder auf drei Trainingslager im Süden. Bereits im Januar reisen die Bundeskader mit dem DLV für 14 Tage nach Chiclana an der Südspitze Spaniens. Unmittelbar vor den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig geht es nach Montegordo, direkt an der spanischen Grenze der portugiesischen Algarveküste gelegen.Im April (9.-23.) folgt dann das traditionelle Ostertrainingslager im italienischen Cervia. Zwei der starken Langstreckler begeben sich zusätzlich in die Höhe. Wie Philipp Pflieger reist Jonas Koller zusammen mit Bundestrainer Wolfgang Heinig und seiner Truppe vom 25. Februar bis 23. März nach Kenia.