2014 gibt es erstmals Deutsche U16-Meisterschaften

Regensburg, 15. Januar 2014 –  Es war eine schwierige Geburt, nun sind sie endlich da. Mitte August wird es die ersten Deutschen Einzelmeisterschaften in der Altersklasse U16 geben. Seit Jahren sind sie schon im Gespräch, die Meisterschaften polarisieren wie keine andere. „Zu früh“ sagen die einen, „die U16-DM verhindern einen weiteren Dropout von jungen Talenten“ sagen die anderen. Über Sinn oder Unsinn jener Titelkämpfe wird man wohl erst in einigen Jahren Essentielles berichten können, wenn es dazu Erfahrungswerte gibt.
Wie zerrissen die Meinungen der Verantwortlichen sind, zeigt allein die Ausschreibung. Nach jahrzehntelangen Versuchen mit Blockmehrkampfmeisterschaften auf nationaler Ebene, kann man sich auch diesmal zu keinen echten Einzelmeisterschaften bei den ganz Jungen durchringen. „Neben der Mindestleistung in der gemeldeten Disziplin muss eine der nachfolgenden Zusatzleistungen … aus einem der anderen Disziplinblöcke (Sprint/Langsprint/Hürde – Mittel-,Langstrecke/Gehen – Sprung – Wurf – Mehrkampf/Blockmehrkampf) erbracht sein“, heißt es da, was nichts anderes bedeutet, dass sich der qualifizierende junge Athlet auch in einer ihm an sich fremden Disziplin bewähren muss.

„Es sei eine Kompromisslösung gewesen, weil die Nord- und Ostverbände des DLV von den Blockmeisterschaften nicht los lassen wollten, der Vielfalt an leichtathletischer Grundbeschäftigung in jungen Athletenjahren wegen“, sagt der Vizepräsident Sport des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes Gerd Neubauer dazu. „Nicht zielbringend“, findet auch der leitende Landestrainer Andreas Knauer, „was nützen solche Titelkämpfe, wenn vielfältige Konditionierung nur über abartige Doppelspezialisierung stattfinden soll.“ Jedenfalls übt Bayerns überragendes Wurf- und Stoßtalent Amelie Döbler inzwischen sportliches Gehen, „weil dort die Doppelqualifikation am einfachsten ist“, sagt Neubauer weiter.

Im Falle Döbler wird das also eine ganz schwere Geburt werden. Warum die Verantwortlichen für dieses Meisterschaftsprojekt, das vom Leistungssport grundsätzlich begrüßt wird, zur leichtathletischen Quadratur des Kreises machen, verstehe wer wolle. Es ist ja nicht das erste Mal, dass im Deutschen Leichtathletik Verband mit solchen „verkopften“ Lösungen, wie Telis Teamchef Kurt Ring sagt, letztendlich nur der kleinste gemeinsame Nenner für einen optimalen Ansatz gesucht wurde. Mehrere Jahre geisterte die A- und B-Norm für Meisterschaften durch die Ausschreibungen, um nicht das Geringste zu bewirken. Nun ist sie wieder verschwunden – einfach so!

Den Mädels und Jungs, die sich heuer Aussichten auf Medaillen ausrechnen, bleibt jedoch nichts anderes übrig, als sich disziplintechnisch zu verbiegen, ob sie nun wollen oder nicht. Betrachtet man die Vereinswertung des DLV bezüglich der Bestenlistenplätze, fällt auf, dass Teams durchaus im Höchstleistungsalter erfolgreich sein können, ohne explizit im jungen Nachwuchsbereich besonders die Leistung zu forcieren. Die LG Telis Finanz Regensburg hat’s im letzten Jahr allein in der Männer/Frauenklasse und der U23 auf 150 Platzierungen unter den Besten Deutschlands, davon zirka 70 unter den jeweilig besten Zehn gebracht. Ihr Nachwuchs schaffte gerademal 17 Stück. Und das war in all den erfolgreichen Jahren vorher auch so. „Wenn wir im Schülerbereich ein überragendes Talent hatten, durfte das eine Altersklasse höher in der U18 in seiner Spezialdisziplin bereits einmal den Ernstfall üben. Geschadet hat es keinem“, sagt Teamchef Kurt Ring dazu. Er wird jedenfalls keine/n seiner U16-Talente zusätzlich gehen oder stoßen lassen.

 

von Kurt Ring