In der eigentlichen Bahnsaison gibt es kaum noch 10.000m Läufe

Kock-Gebrehiwot-Harrer DM-10000m-2013 VolkefotoRegensburg, 3. Mai 2014 (orv) – Heute ist es in Aichach wieder soweit. Deutschland kürt seine Meister/Innen auf der längsten olympischen Bahndisziplin, den 10.000m. Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit bewirbt sich ein Häuflein mutiger Langstreckler/Innen um den Meisterkranz. Eben jene, wo es zwischen seriöser  Vorbereitungsperiode und Nichtteilnahme an einem vielleicht ursprünglich geplanten Frühlingsmarathon gerade so mal passt. Als Lückenbüßer oder auch Aufbauwettkampf, denn für alle, die ernsthaft zu den Europameisterschaften nach Zürich wollen, kommen diese Meisterschaften zur Unzeit.

 

Wer jenseits des frühen Mai-Termins in Deutschland noch qualitativ 25 Bahnrunden in einem Rennen zurücklegen will, steht vor einer unlösbaren Aufgabe. Es gibt nämlich keines mehr. Selbst international wird es einigermaßen problematisch. Anfang Juni gibt es noch den Europacup. In diesem Jahr findet er in der mazedonischen Stadt Skopje statt. Da könnte es erneut, wie schon 2013 im bulgarischen Pravets, sehr heiß und damit leistungsfeindlich werden. Das schert die Funktionäre wenig. Man verscherbelt den Wettbewerb einfach dorthin, wo das meiste Geld fließt. Sucht man auf der offiziellen Homepage nach dem Zeitplan, steht man gleich mal vor einer schwierigen Aufgabe. Wer kann schon Madezonisch in kyrillischer Schrift. Den Button für „Englisch“ gibt es nicht.

Bliebe noch die USA mit dem immerwährenden Zauberwort „Stanford“ oder eins der wenigen Rennen in den Beneluxstaaten, denen es immer wieder auf wundersame Weise gelingt, mit relativ einfachen Mitteln gute Rennen für die erweiterte europäische Elite zu entwickeln. Der Deutsche Leichtathletik Verband scheint mit dieser Strecke abgeschlossen zu haben. Wie sonst könnte er den Qualifikationszeitraum für die EM ohne eigentliche Not schon knappe 10 Wochen vor Zürich enden lassen. Es soll einmal Zeiten gegeben haben, wo die Asse bei Meisterschaften die 5000m und die doppelt so lange Strecke gemeinsam gelaufen sind.

Natürlich beinhaltet das Wort „fördern“ auch das Wort „fordern“. Im Klartext: Ansprechende Leistungen deutscher Athlet/Innen auf dieser vergessenen Strecke müssen her. Das hieße aber, einem Nackten in die Hosentaschen greifen zu wollen. Wirtschaftliches Denken war und ist den Verbänden immer noch fremd. Statt ständig nur Vorleistungen eines eh schon gepeinigten Langstreckenklientels zu verlangen, sollte endlich in einem sonst sterbenden Bereich investiert werden. Zu allerletzt sogar mit Geld, zu allererst mit kluger Planung Kreativität und einem radikalem Umdenken von erfolglosen Wegen des letzten Jahrzehnts.

Eine Herkulesaufgabe fürwahr. Das ist nicht zu packen mit der jetzigen Struktur. Anstatt jeden Verantwortlichen, der das faule Ei zum x-ten Mal umdreht, erneut zu verdammen, sollte man die Personaldiskussion der Sachdiskussion unterordnen. Wenn man die 10.000m weiter im Wettkampf- und damit Meisterschaftsprogramm haben will, muss man für diese Strecke und ihr Klientel etwas tun. Der billigste Weg, immer mehr Nord- oder Ostafrikaner/Innen in die europäischen Länder zu locken, ist nicht immer der beste. Drei, vier oder auch fünf subventionierte Veranstaltungen, national beziehungsweise international gelenkt und sinnvoll in den Saisonkalender integriert, wären schon ein Anfang.