EM-Kandidaten der LG Telis Finanz üben sich derzeit noch in weiser Zurückhaltung

Orth Kock Harrer KiefnerRegensburg, 10. Mai 2014 (orv) –  „ Stellen Sie sich vor, es ist Winter, die Hallen-EM ist Anfang März und Athleten wollen sich bereits Ende November dafür qualifizieren. Absurd sagen Sie. Wenn man sich derzeit die Unruhe in der deutschen Leichtathletik mit sehr frühen Normerfüllungen anschaut, scheint das gar nicht absurd zu sein. Und dennoch, es sind noch dreizehneinhalb Wochen bis zum Beginn der Europameisterschaften in Zürich. Deshalb sehe ich bei meinen EM-Aspiranten überhaupt noch keinen Grund hektisch zu werden“, sagt Kurt Ring, Sportchef der LG Telis Finanz, zum Stand der Dinge in Sachen EM.

 

Die vorzeitige EM-Qualifikation von Coco Harrer über 10.000m sieht er dabei nicht als Widerspruch. „Für Corinna ist die längste Bahndistanz eine Zubringerstrecke in Sachen Grundlagenausdauer. Dass sie nun als Meisterin mit erfüllter A-Norm die EM-Teilnahme quasi schon in der Tasche hat, ist ein schöner Nebeneffekt, mehr nicht. Endgültig werden die Weichen erst Ende Mai, Anfang Juni gestellt, wo es letztendlich streckentechnisch hingehen soll“, sagt Coach Kurt Ring.
 
Philipp Pflieger EM KiefnerDass sein zweiter Aspirant eine vorzeitige Normerfüllung erzielen muss, passt ihm so recht gar nicht ins Konzept. Philipp Pflieger war lange verletzt und braucht einfach noch Trainingswochen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband ist ihm entgegen gekommen und hat den Qualifikationszeitraum um eine Woche bis 14. Juni verlängert. Jetzt kann der Regensburger die Wunschstrecke 10.000m im holländischen Leiden exakt an diesem Tag angehen und muss dann eine 28:34 abliefern. „Das wird verdammt eng, aber wir probieren es. Klappt es nicht, bleiben immer noch die 5000m. Da kann ich mir bis zu den Deutschen Meisterschaften (27./28. Juli) Zeit lassen und die Arbeit für die doppelt so lange Strecke war dann ein gutes Grundlagentraining“, dämpft Philipp Pflieger all zu hohe Erwartungen in seine Person.

Florian Orth, den EM-Elften von 2012 hat’s mitten im Aufbautraining exakt am 1. April erwischt. „Das ist kein Aprilscherz“, meldete er sich damals bei seinem Trainer Klaus Bornmann. Inzwischen trainiert der Regensburger wieder. All zu viel kann man von ihm bis Anfang Juni noch nicht erwarten. „Wenn’s bei der Sparkassen Gala schon unter 3:40 über 1500m ginge, wäre das ein guter Schritt nach vorne“, meint Florian Orth dazu. Die geforderten 3:37,70 sollte der Telis-Läufer sicher bis Anfang Juli abliefern können und dann werden wohl die Meisterschaften in Ulm entscheiden, wer fährt.

KockMaren-EM2012 henselfoto-1Maren Kock, die Telis-Langstrecklerin, hat auch keinen Grund, nervös zu werden. Alle Werte  und Ergebnisse sind bisher besser als 2012 und da hat sie sich schon Ende Mai qualifizieren müssen, weil die EM auf Grund der Olympischen Spiele eben schon Ende Juni war. Somit ist ihr erster 5000m Start in Koblenz (28. Mai) nicht die letzte ultimative Chance auf Zürich sondern nur ein kleiner Fingerzeig, wie weit die Regensburgerin in ihrer Saisonvorbereitung schon ist. Das Gerangel um die drei möglichen EM-Plätze wird überschaubar bleiben. Außer Sabrina Mockenhaupt und Kocks Teamkollegin Corinna Harrer sollten derzeit keine ernsthaften Aspirantinnen für die geforderten 15:28 in Frage kommen und zumindest „Mocki“ neigt sowieso zu einer anderen Streckenwahl für die EM. Oder sollte da die bis Ende Mai wegen EPO-Dopings gesperrte Simret Restle wieder wie Phönix aus der Asche aufsteigen?

Vielleicht hat auch noch Marathonläufer Julian Flügel eine winzige Chance. Sollte der DLV für die Team-EM im Marathonlauf doch noch ein Trio hinschicken, müsste er neben André Pollmächer und Falk Cierpinski dabei sein, auch wenn ihm zur deutschen B-Norm lumpige 9 Sekunden fehlen. Die internationale Norm ist nämlich langsamer und für den Telis-Neumarathoni wäre das die Erfüllung aller sportlichen Träume. Sein Trainer Jürgen Stephan schätzt aber die Chance, nominiert zu werden, „nur mit höchstens zwei Prozent ein“.

„Sicher hat die Team-EM am 22./23. Juni im eigenen Lande (Braunschweig) auch für unsere Athleten/Innen Anziehungskraft, letztendlich fallen aber nur Maren Kock und Coco Harrer in die engere Auswahl. Nach Homiyu Tesfayes Husarenstück in Doha (1500m in 3:33,33) ist der 1500m Platz für Braunschweig bereits vergeben, also Florian Orth nicht dabei und Philipp Pflieger läuft acht Tage vor der Team-EM sein Qualifikationsrennen über 10.000m. Doch auch für die Mädels gilt: Absolute Priorität haben die Europameisterschaften in Zürich, da lassen wir uns mit der Team-EM im eigenen Lande nicht verrückt machen. Braucht der DLV hier eine Regensburgerin, wird sie zur Verfügung stehen“, wirft Telis-Teamchef Kurt Ring einen kurzen Blick in die nahe Zukunft.