Zum 5000m Possenspiel von Koblenz

Kock-Harrer-Mockenhaupt4 koblenz14 Schaake-FotoRegensburg, 1. Juni 2014 (Kurt Ring) - „Leistungen, die in gemischten Teilnehmerfeldern erbracht wurden, gelten nicht als Norm für internationale Meisterschaften. Dies betonte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen am Donnerstag auf Nachfrage. Gemäß DLV-Nominierungsrichtlinien (Ziffer 2.1.(3)) können ausschließlich Ergebnisse zur Normanerkennung herangezogen werden, die in Übereinstimmung mit den Internationalen Wettkampfregeln stehen. Diese besagen seit einer Regeländerung des IAAF Council, die am 1. Mai 2014 in Kraft trat, dass Leistungen aus gemischten Wettbewerben nicht als Qualifikation anerkannt werden. Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) und die Regensburgerin Maren Kock, die am Mittwoch in einem gemischten 5.000-Meter-Rennen unter der DLV-EM-Norm geblieben waren, ist der Sachverhalt bekannt.“ Soweit die fast nicht wahrnehmbare Kurzmeldung bei den leichtathletik.de-Flash-news vom 29. Mai.

 

Dass dies die halbe Wahrheit ist, können Leser der Flash-News nicht erkennen. Den drei für die Erfüllung der EM-Norm in Frage kommenden Läuferinnen Sabrina Mockenhaupt und Maren Kock war weit vor dem Rennen klar, dass analog der letzten Jahre Normen für internationale Meisterschaften in reinen Frauen-Rennen erzielt werden können. Deshalb bemühte sich das Management Mockenhaupt Wochen vor dem Lauf um weibliche Tempomacherinnen und war darin auch erfolgreich. Gut eine Woche vor dem Rennen wurden die beteiligten Athletinnen dann aber von Bundestrainer Wolfgang Heinig verständigt, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband die Normerfüllung in gemischten Rennen offiziell anerkennen würde. Daraufhin wurden die Tempomacherinnen abbestellt.

 

Am Freitag den 23. Mai, also fünf Tage vor dem Lauf, erfolgte die Retourkutsche. Auf Grund der neu eingeführten Regel Nummer 147 vom 14./15. April mit Gültigkeit 1. Mai 2014 seien diese gemischten Rennen zur Normerfüllung für internationale Meisterschaften nicht erlaubt. Anscheinend hatten die zuständigen Leute des DLV diese Regeländerung völlig übersehen, was Telis-Teamchef Kurt Ring von DLV-Manager Siegfried Schonert auch so bestätigt wurde. Herr Schonert versicherte, bis zum Rennen in mehrmaligen Telefonaten eine Lösung zu finden.

 

In der Zwischenzeit blieb das nochmalige Verpflichten einer weiblichen Teilnehmerin seitens von Mockenhaupt-Manager Oliver Mintzlaff ergebnislos. Auch der DLV ließ keine Lösung erkennen. Am Wettkampftag selbst war lange nicht klar, ob gemischt oder nur mit Frauen gelaufen werden sollte. Diese Entscheidung wollte Bundestrainer Wolfgang Heinig zumindest nicht offensiv angehen. Seiner Meinung, „dass die 15:28 von den Dreien auch so leicht zu packen wäre“, konnten sich die anwesenden Heimtrainer nicht anschließen. Praktisch beim Startaufruf des Rennens entschloss sich Mockenhaupt’s Bruder Markus, das Rennen doch zu führen, da inzwischen eine der österreichischen Spitzenläuferinnen bereits zwei Jungs an ihrer Seite hatte. Der Rest ist bekannt.

 

Fazit des Ganzen: Ein eigentlich organisiertes Rennen wurde am Ende durch ein vorschnelles, schlecht rechertiertes Verhalten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes zur Farce. Hier dann auf die gültigen Nominierungsrichtlinien zu verweisen, die man selbst im Vorfeld mit den Telefonaten Heinigs an Mockenhaupt und Kock-Harrer-Berteuer Ring ausgehebelt hatte, ist dreist. Im eigentlichen Sinne haben die Athletinnen national die Anforderungen erfüllt, international wäre nur noch ein reines Frauenrennen schneller als 15:45min nötig. Die nächsten Tage werden zeigen, ob fehlerhaftes Verhalten seitens des Verbandes erneut nur auf den Rücken von Athletinnen, in diesem Fall von Sabrina Mockenhaupt und Maren Kock ausgetragen wird. Im Grunde sollten sich doch alle freuen, dass einschließlich Harrers 15:41 gleich drei deutsche Frauen unter der internationalen 5000m EM-Norm, die im Übrigen in vielen Staaten des Kontinents Gültigkeit hat, geblieben sind.