Zur Setzarithmetik von Läufen bei Meetings

Pflieger1 Gala14-Hase VolkefotoRegensburg, 9. Juni 2014 (Kurt Ring) – Im alpinen Skisport spielt die Startnummer eine ganz gewichtige Rolle. Sie entscheidet, wann man dran kommt. Und das ist durchaus von Bedeutung, weil bei vielen Rennen die Piste von Läufer zu Läufer schlechter wird, die Athleten der ersten Startgruppe eben die besten Bedingungen vorfinden. Im Skisport muss man sich diese Startnummer über Erfolge verdienen. Bei Leichtathletikmeetings  ist das ein wenig anders. Man schreibt in vielen Fällen eine Wunschzeit in die Meldung und hofft so dem Wunsch entsprechend eingeteilt zu werden. Da Wunsch und Realität im gefühlsbetonten Trainer-Athleten-Gespann nicht immer dieselbe Leistung ergeben, führt das oft zu Fehleinschätzungen. Die Ehrlichen, die brav ihre persönliche Bestleistung dieses oder des letzten Jahres angeben, sind dann meist die Dummen.

 


Für  das zukünftige Laufnacht- und Galaprogramm des Regensburger Topevents werden sich nun die Veranstalter gerechtere Regularien einfallen lassen. Anerkannt als Qualifikationsleistung wird demnach nur noch die erreichte Leistung desselben Jahres oder der Saison vorher. Sie muss mit Ort und Datum nachgewiesen werden. Für die Galawettbewerbe (A- und B-Rennen) über 800m und 1500m wird man Normleistungen von 1:50,00/2:09,00 beziehungsweise 4:30,00/3:50,00 ansetzen. Alle anderen gehen in die Qualifikationsrennen am Tage vorher (Laufnacht). Dort können sie in von guten Pacemakern geführten Rennen (Zielzeiten für die C- und D-Rennen: 1:50,00/ 2:09,00 - 1:55,00/2:15,00 – 3:50,00/4:00,00 – 4:30,00) zeigen, oft sie am nächsten Tag Gala tauglich sind. Die jeweils 3 (800m) bzw. 4 (1500m) qualifizieren sich dann für die B-Läufe des Hauptprogramms und wenn eine/r A-Lauf-Qualität zeigen sollte, sogar für den A-Lauf.

 

Meeting-Direktor Kurt Ring sagt dazu: „Allein eine Kaderzugehörigkeit und Lobbyarbeit vom Bundestrainer garantieren noch nicht eine Leistung, die der Athlet vorher noch nie gelaufen ist. Bestzeiten läuft man sowieso eher an der Spitze eines weniger starken Laufes als am Ende des besseren Laufes. Die Ergebnisse der Sparkassen Galen der letzten Jahre bestätigen diese These in vielen Fällen. Nachdem ich selbst Läufer war, glaube ich durchaus behaupten zu können, dass zwei 800m bzw. 1500m-Läufe an zwei aufeinander folgenden Tagen niemanden schaden, im Gegenteil, den Athleten nur weiter bringen.“

 

Die „Hasenarbeit“, die er in diesem Jahr mit seinen eigenen Top-Athleten Philipp Pflieger, Felix Plinke und Valentin Unterholzner erfolgreich begonnen hat, will er im nächsten Jahr ausbauen. Gerade die männlichen 1500m Rennen haben diesen Weg bestätigt: 3:38,63min im A-Lauf, 3:46,99min im B-Lauf, 3:48,55min im C-Lauf und 4:00,07min im D-Lauf können sich sehen lassen. Alle vier Läufe wurden mit den Zielzeiten 3:38/3:46/3:50/4:00 perfekt angezogen. Bei den Frauen scheiterte dies bisher noch am verfügbaren Athletinnenpotential. Gute Tempomacherinnen sind nicht leicht zu bekommen.

 

Telis-Athletin Anna Plinke brachte es in einem Gespräch im Vorfeld der Gala und nach den Komplikationen von Koblenz auf den Punkt. „Eigentlich haben wir Telis Läuferinnen gar nicht das große „Hasenproblem“. Wer sonst als wir ist in der Lage die 5000m-EM-Norm als auch die 1500m-EM-Norm mit eigenen Läuferinnen anzugehen. Die eine macht der anderen Tempo und beide sind dabei – eigentlich ganz einfach“. Ihr erfahrener Coach Kurt Ring sagt dazu: „Vor vielen, vielen Jahren ist das in den Bundeskadern sicher praktiziert worden und wären sich die Kader heute einig, wäre das auch im Jahr 2014 kein Problem.“ De facto ist es aber ein Problem, weil die zuständigen Bundestrainer nicht mehr die Autorität, sprich Überzeugungskraft haben, ihre Kader dazu zu überreden. Der Bundestrainer der männlichen Mittelstrecke, Jens Boyde, sagt dazu: „Die Athleten und ihre Manager tun, was sie wollen, ich habe da keinen Einfluss drauf.“ Das das nicht immer zum Erfolg führt, zeigt das zurückliegende Wochenende: Florian Orth lief in Regensburg 3:38,63min – alleine! Timo Benitz rannte in Montbéliard 3:39,04min und Carsten Schlangen in Marrakesch als Vorletzter eine 3:44,65min. Alle Drei sind deutsche EM-Kandidaten.