Philipp Pflieger will über die KBC Night of Athletics über Heusden nach Zürich

Pflieger p sueddeutsche14 foto kiefner cf0ee54643Regensburg, 16. Juli 2014 (orv) –  Heute hat Philipp Pflieger Geburtstag, seinen 27. Doch das interessiert den Telis-Schlacks derzeit nur am Rande. Eigentlich zählt er die Minuten und Stunden bis Samstagabend. Dann will der Regensburger im belgischen Heusden erst feiern. Nicht seinen Geburtstag nachträglich, sondern eine neue 5000m Bestzeit. Die steht bei 13:31,24 Minuten und hat zwei Jahre vorher zur Teilnahme bei den Europameisterschaften in Helsinki gereicht. Zwei Jahre später sind diese Europameisterschaften nun in Zürich und die 13:31 würden eigentlich wieder reichen. Würden – weil er sie eben in diesem Jahr noch nicht gelaufen ist – und eigentlich, weil er im Grunde in der Schweiz die doppelt so lange Distanz laufen will. Das ist aber komplizierter, wie man denkt, weil dem Telis-Schlacks bei seinem einzig möglichen Versuch Mitte Juni im holländischen Leiden für die A-Norm des DLV lausige fünf Sekunden fehlten, die internationale der EAA hat er locker. Nun muss er über 5000m nachlegen und bis dorthin zittern.

 


Kompliziert war im Leben des Läufers Pflieger in diesem Jahr wieder einiges. Zuerst hatte er mal seit langem einen gesunden Herbst und Mitte Dezember in der serbischen Metropole Belgrad als 14. Der Cross-Europameisterschaften einen rundum gelungenen Auftritt. Anstatt den Träumen ihren weiteren Lauf lassen zu können, zwickte es im seit Jahren anfälligen Körperbau des Regensburgers – wieder einmal und leider ein wenig zu spät erkannt. „Stressfraktur im Sakrum“ hieß Ende Januar die erneut erschütternde Diagnose. Acht Wochen Nichtstun, Krafttraining und am Ende dann wenigstens Aquajoggen waren angesagt, Zürich in weite Ferne gerückt.


Doch Philipp Pflieger wäre nicht Philipp Pflieger, das Stehaufmännchen mit permanentem Wiederholungsfaktor. Anfang April im italienischen Trainingslager dann die schon längst erwartete Frage: „Meinscht du (das „sch“ ist kein Schreibfehler, Philipp Pflieger ist eigentlich waschechter Schwabe) …“ Weiter brauchte er nicht zu fragen, sein alter Coach Kurt Ring wusste, was er wollte - und er nickte, obwohl auf Grund des bevorstehenden Himmelfahrtskommandos sich in seiner Magengrube eher ein flaues Gefühl breitmachte. In solchen Fällen legt der Junge dann beruhigend den Arm um des Trainers Schulter und setzt sein breitestes Grinsen auf.


Sein Coach kennt keinen, der ein solches Gottvertrauen ins eigentlich Unmögliche hat. Aber was blieb den beiden schon übrig. Der Beginn war dann alles andere als erheiternd. Er schob sich trainingstechnisch gesehen zäh fast durch die ganze blaue Läufermacht und am Ende der ersten vier Wochen konnte er schon wieder den Stärksten im Team einigermaßen Paroli bieten. Der Qualifikationszeitraum für die Erfüllung der Norm wurde vom Verband dankenswerterweise extra für ihn um eine Woche verlängert. Das Türchen für Zürich ist trotz der fehlenden fünf Sekunden noch nicht zu.


Ein Leistungsnachweis wurde von den Regensburgern angeboten, einer, der eigentlich gar keiner ist. Erfüllt er ihn, ist er wahrscheinlich sowieso dabei, weil der Leistungsnachweis eben die Erfüllung der A-Norm über 5000m verlangt. Jede Sprosse seiner Leiter wurde nun bis zur deadline 19. Juli minutiös geplant. Die obligatorischen 3000m vor ultimo hat er mit einer 7:52,85 bravourös bestanden. Und trotzdem, wenn Philipp Pflieger es jetzt noch nach Zürich schafft, quasi, wenn der Zug dorthin schon zum Rollen gekommen ist, kommt das einem läuferischen Wunder gleich, nicht mehr und nicht weniger. Daumenhalten darf in solchen Fällen allemal erlaubt sein.