Regensburger Leichtathleten mit guten Aussichten bei den Titelkämpfen

Kock14 suedd14 kiefnerfotoRegensburg, 21. Juli 2014 (orv) –  Es war kein leichtes Jahr für die hiesige Leichtathletik. Trotz alledem wird bei den nationalen Titelkämpfen am kommenden Wochenende im Ulmer Donaustadion wieder eine erkleckliche Anzahl von Regensburger Athletinnen und Athleten mit ganz guten Aussichten in den Kampf um Gold, Silber und Bronze eingreifen. Mit Maren Kock und Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg) haben sogar zwei davon berechtige Aussichten, sich hier endgültig für die Europameisterschaften zu qualifizieren. Pechvogel Philipp Pflieger will trotz ganz schlechter Vorzeichen auch noch seine Minimalchance auf Zürich nutzen. Für Titelverteidigerin Corinna Harrer, bereits seit Anfang Mai fest für die EM qualifiziert, war die Saison bereits vor vier Wochen bedingt durch eine Stressfraktur im rechten Fuß abrupt beendet. Aus dem Springerlager reisen Dreispringer Manuel Ziegler (LG Telis Finanz) und Weitspringerin Michelle Weitzel (SWC) mit Medaillenträumen ins Schwäbische und Mittelstrecklerin Thea Heim (LG Telis Finanz) hat sich mit starken Vorleistungen ebenfalls ins Gespräch gebracht.

 

Harrer1 DM2013 Kiefnerfoto„Regensburg könnte nach vier sehr erfolgreichen Jahren mit einer wahren Titelflut von Harrer, Orth, Lutz und Weitzel in diesem Jahr durchaus wieder einmal titellos bleiben. Man sollte aber niemals nie sagen, wenn man mit Florian Orth und Maren Kock zwei veritable Joker in der Hinterhand hat, die nur drauf warten, dass sich der eine oder andere Favorit verzockt und sich plötzlich eine große Chance ergibt“, sagt Telis-Teamchef Kurt Ring zur allgemeinen diesjährigen Lage, „die Regensburger Leichtathletik braucht sich auch ohne Corinna Harrer nicht zu verstecken. Betrachtet man die Möglichkeiten ein bisschen genauer, ergeben sich neben Orth und Kock auch für Philipp Pflieger, Thea Heim, Manuel Ziegler, und Michelle Weitzel durchaus Möglichkeiten für Edelmetall, selbst Hindernisläufer Valentin Unterholzner, voriges Jahr Sechster, ist da noch nicht aus dem Rennen.

 

Orth1 DM2013 KiefnerfotoDie „blaue“ Stunde am späten Sonntagnachmittag, wenn die Entscheidungen über die 1500m Männer und Frauen und jene über 5000m der Männer anstehen, wird es auch in Ulm wieder geben. Die beiden Mittelstreckenrennen werden wohl taktisch gesehen mit einer ganz heißen Nadel gestrickt werden und sowohl Maren Kock, als auch Florian werden ihre Rolle spielen. Für ihn wird es darum gehen, dem diesjährigen „Überläufer“ Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) im Spurt ein Schnippchen zu schlagen und selbst in einer so günstigen Ausgangssituation zu sein, um den überfallartigen Spurt des Senkrechtstartes Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald) abwehren zu können. Das Altmeister Carsten Schlangen (LG Nord Berlin) nach einer eher durchwachsenen Saison hier noch zusätzlich mitmischen kann, wird allgemein nicht mehr erwartet.

 

Für sie ist der Ausflug auf die kürzere Mittelstrecke durchaus ein Abenteuer, das Maren Kock bestehen kann. Ohne Coco Harrer könnte die Meisterschaftsentscheidung wieder ein taktisches, also langsames Rennen werden. Die Titelträgerin der letzten drei Jahre sorgte für immer schnelle Rennen im 4:10er Bereich, ist aber heuer verletzungsbedingt nicht dabei. Die Sujew-Twins (LT Haspa Hamburg) sind nicht unbedingt die Spurtstärksten, Annette Horna (LC Rehlingen) wirkte in den letzten Rennen auf ihrer bisher erfolglosen Normenjagd auch nicht gerade frisch, doch Vorsicht vor Altmeisterin Denise Krebs (TV Wattenscheid), die eine Woche vor den Titelkämpfen in Heusden sich mit einer starken 4:08,14 zurückgemeldet hat und als äußerst kampfstark gilt.

 

Heim1 ellwangen13 volkefotoKann da Newcomerin Thea Heim (LG Telis Finanz), derzeit bereits bei einer 4:12,94 angelangt, überhaupt mitmischen oder zieht sie vielleicht sogar einen Start über die 800m vor? Ihre 2:03,12 sind nach Vorausfavoritin Christina Hering (LG SW München – 2:01,88) die zweitschnellste Meldezeit. Auch für die dritte DM qualifizierte Regensburgerin Anna Plinke gibt’s die Qual der Wahl. Erfüllt sie sich den Traum einer Zeit unter 4:30 (bisher 4:30,01) und sucht damit eine Endlaufchance oder will sie mit ihren bisherigen 16:51,51 im 5000m Feld unter den ersten Zehn mitmischen.

 

Pflieger-Fluegel-Reinwand1 DM2013 ReinwandfotoÜber 5000m der Männer steht Philipp Pflieger gegen Dauermeister Arne Gabius (LG SW Tübingen) und dem Newcomer Richard Ringer (LC VfB Friedrichshafen) auf verlorenem Posten, zumal nur acht Tage nach der Hitzeschlacht von Heusden. Wer jedoch Philipp Pflieger kennt, weiß, dass man den Regensburger nie abschreiben darf. Seine beiden jungen Teamkollegen Jonas Koller und Moritz Steininger werden ihn bei seiner wohl schwersten Meisterschaftsentscheidung begleiten, vorne aber wohl noch nicht mitmischen können.

 

Reng1 DJM2013 KiefnerfotoOhne Maren Kock steht die Meisterin eigentlich schon vorher fest. Wer sollte Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) schon schlagen können. Die beiden Telis-Läuferinnen Steffi Volke – im Vorjahr Überraschungsvierte – und Franziska Reng wollen mit mittleren 16er Zeiten auf jeden Fall unter die besten Acht vorstoßen. Sie sind letztendlich aus sieben Vorqualifizierten übrig geblieben, weil Kock nicht antritt, Harrer verletzt ist, Jana Soethout in den USA geblieben ist, Anna Plinke auf die Mittelstrecke ausweicht und Marathon-Vize Julia Galuschka im Vorfeld länger krank war.

 

Unterholzner2 DMU23-2014 KiefnerfotoDer „Mann über die Böcke“ Valentin Unterholzner (LG Telis Finanz) ist nach eklatanten diesjährigen Steigerungen über alle Flachdistanzen eigentlich noch eine gute Hinderniszeit schuldig. Gut wäre für ihn eine Zeit um 8:45min und damit kann man hinter den EM-Startern Steffen Uliczka und Martin Grau durchaus mit etwas Glück in Medaillennähe kommen. Als diesjähriger Juniorenmeister sollte er durchaus genügend Selbstbewusstsein mit ins Titelrennen nehmen.
 
ZieglerManuel6Bei den Dreispringern ist in Meisterschaftsentscheidungen oft Vieles möglich und vieles etwas anders. Schafft Manuel Ziegler einen guten 16er, ist er vorne mit dabei. Lediglich Titelverteidiger Andreas Pohle (LAC Erfurt) hat in den letzten Jahren Meisterschaftskonstanz gezeigt. Im Aufwind der deutschen Weitspringerinnen wird es für Michelle Weitzel, die das Gefühl, ganz oben zu stehen, durchaus kennt, schwer in Richtung Treppchen zu kommen. In der Regel ist sie bei Titelkämpfen aber immer in der Lage, mitmischen zu können.

 

In die Meisterschaften mit integriert sind die Jugendentscheidungen für die Langstaffeln. Für das noch junge Telis-Trio Sebastian Viehbeck, Tim Englbrecht und Kilian Stich gibt es nur ein ausgemachtes Ziel: Den Vorlauf überstehen und im Finale unter die besten Acht kommen. Das ist den drei Regensburger Jungs durchaus zuzutrauen.