Aus dem DM-Nähkästchen der LG Telis Finanz geplaudert

DLV-Videowand DM14 VolkefotoRegensburg, 28. Juli 2014 (orv) –  Die Deutschen Leichtathletik Meisterschaften 2014 sind vorbei, es lebe die Meisterschaften 2015 im Nürnberger Stadion! – wieder fast ein Heimspiel der Regensburger Leichtathleten, insbesondere jener der LG Telis Finanz. Die Regensburger Leichtathletik lebt nach Ulm auch noch. Vier Medaillen, das hatte im Vorfeld niemand erwartet und noch dazu zwei aus Gold. In Zürich bei den Europameisterschaften werden mit dem Leichtathletik-Pärchen Maren Kock und Florian Orth auch zwei Athleten der LG Telis Finanz dabei sein. „Das hätte ich so nie erwartet“, freute sich Teamchef Kurt Ring. Und auch der von LG-Präsident Norbert Lieske organisierte Fan-Bus war hellauf begeistert von den Regensburgern in Ulm, kurz hinter der bayerischen Grenze. Grund genug, noch einmal ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern …


Stich-Viehbeck1 DM14 VolkefotoDie Jüngsten, die Jungs aus der 3x1000m-U20-Staffel durften auch mit nach Ulm, weil traditionell die Jugend-Langstaffelmeisterschaften bei den „Großen“ im großen Stadion vor großem Publikum stattfinden. Man merkte es Kilian Stich, Sebastian Viehbeck und Tim Englbrecht an, dass der Respekt groß war vorm weiten Oval, dem üblichen DM-Klimbim mit Callroom und einigem anderen mehr - und vor allem vor den Zuschauermassen. Ernst und total fokussiert warfen sie sich nach glorreich bestandener Vorlauf-Prüfung, die sie mit einer Steigerung ihrer bisherigen Bestleistung um fast zwanzig Sekunden und der viertbesten Zeit von 7:37,55min bestanden, ins Finale der besten Zwölf. Und es ging noch einmal sehr gut. Als Siebte erreichten die drei Telis-Jungs letztendlich mit 7:42,35min das Ziel.

 


Unterholzner3 DM14 VolkefotoDer erste Tag bei den „Großen“ begann aus Telis-Sicht mit den Vorläufen über 800m und 1500m, die die Regensburger Asse Maren Kock, Thea Heim und Florian Orth gleich einmal als Sieger beendeten. Für Anna Plinke war im 1500m Vorlauf leider schon Schluss, ihr späterer Versuch über 5000m am Ende dann auch noch zu viel. Trotzdem kann sie sich zufrieden zurücklehnen. Es war eine tolle Saison für sie, zuletzt ging einfach die Luft aus. Der Mann über die Böcke Valentin Unterholzner war als nächster dran. 3000m Hindernis heißt sein Spezialgebiet und taufrisch war er am Meisterschaftswochenende auch nicht mehr. Duales Studium und vierzehn Tage Prüfungsstress hatten ihm arg zugesetzt. Die Medaillenchance war da und am Ende fehlten ganze 5,7 Sekunden auf Bronze. Die Saison hatte viel Kraft gefordert, Hochform hatte er bei der U23-DM im Juni, wo er mit einer 8:50,35min nationaler Titelträger wurde. Die 8:56,04 von Ulm waren dennoch einen Platz mehr als im Vorjahr wert, nämlich Rang fünf in einem tapferen Rennen.

 

ZieglerManuel1 DM14 KiefnerfotoDazwischen war etwas Sensationelles passiert. Manuel Ziegler, seines Zeichens "blauer" Dreispringer, sprang in neue Dimensionen. Seine 16,49m brachten ihn schon überraschend an die Spitze. Als er sogar noch eine 16,54 nachlegte, war die Konkurrenz platt und Manuel Meister. Teamchef Kurt Ring simste zu Präsident Norbert Lieske: "Wo liegt die internationale EM-Norm?" Im Hinterkopf die Nominierungsrichtlinien: "Der Meister könnte ohne weiteren Normerfüller auch mit der internationalen Norm bei der EM dabei sein." Am Ende fehlte ein Zentimeter. Die Freude war dennoch riesengroß. Nach fast allen Nachwuchstiteln nun auch der Männer-Titel für den jungen Mann aus Neustadt bei Weiden, glänzend vorbereitet von Heimtrainer Elbe im Studienort Dresden.


Volke12 DM14 Volkefoto5000m bei Männer und Frauen sind in den letzten Jahren immer schon Domänen der Telis-Asse gewesen. Diesmal fehlten bei den Damen mit Harrer, Kock und Soethout aus verständlichen Gründen gleich die drei Besten. So blieb es Marathonläuferin Steffi Volke als Älteste im Team und Franzi Reng als deren Jüngste vorbehalten, im zahlenmäßig starken Feld die Regensburger Fahne hochzuhalten. Im Vorjahr Vierte, diesmal Siebte, Steffi Volke gehört auf der Bahn nun schon seit geraumer Zeit zur nationalen Spitze. 16:46,96min waren immerhin Jahresbestleistung für sie, nicht weit weg vom Hausrekord. Ihre Zeit wird nun im Herbst kommen. Bei den Marathonmeisterschaften in München hat sie noch eine Rechnung offen, weil sie im letzten Jahr verletzungsbedingt nicht laufen konnte. Franzi, das Nesthäkchen, musste Erfahrungen sammeln und das machte sie dann auch gleich richtig mit einem Sturz im dichten Läuferinnenfeld. Tapfer lief sie ihr Rennen dennoch mit gehörig sturzbedingtem Rückstand in 17:17,64min zu Ende.


Heim12 DM14 VolkefotoTag eins war für die LG Telis Finanz Regensburg noch nie der Stärkere bei Deutschen Meisterschaften. Schließlich gibt es seit Jahren die Regensburger Stunde im Bereich von 16 bis 17.30 Uhr am Sonntag. Diesmal eröffnete Thea Heim, ihres Zeichens Deutsche Juniorenmeisterin über 10.000m, dieses imaginäre Zeitfenster als Finalteilnehmerin über 800m. Außenstehende hatten im Vorfeld diese Vorhaben als ein wenig verrückt hingestellt. 800m so einfach gegen Deutschlands Elite – das sollte gut sein? Es war gut und wie. Die junge Regensburgerin spielte eine tragende Rolle im schnellen Finale. Platz zwei war sogar möglich, am Ende war’s der dritte. Mutig ist sie gelaufen, hart am Rande ihrer eigenen Bestzeit. Rausgesprungen ist dann ihre erste Frauenmedaille, die Läuferin war glücklich, der Heimtrainer Norman Feiler sprach davon, dass „er sich das genauso vorgestellt hatte“, Theas vollversammelte Familie strahlte und die übrige LG Telis Familie mit. So konnte es weiter gehen.


Kock12 DM14 VolkefotoDas 1500m Frauenfinale - natürlich ein ganz besonderes. Dreimal hintereinander war in den zurückliegenden Jahren Coco Harrer ganz vorne. Jetzt witterte die stets gedemütigte Konkurrenz ihre Chance. Ein ganz langsames Rennen sollte gegen die „Langstrecklerin“ Maren Kock, Cocos kongenialer Teamkollegin, helfen. Auf dass der 5000m-Läuferin im ganz schnellen Schlussspurt die Beine am ehesten versagen. Pustekuchen – die schaltete in der letzten Runde einfach ihren Turbo ein und ließ die Spezialistinnen um fast zwei Sekunden stehen, als wären sie einfach nicht vorhanden. Die Schmach von Dessau war getilgt. Beim Qualirennen für die Team-EM schien die Regensburgerin dem DLV nicht für höhere Aufgaben gut genug zu sein. Jetzt hat sie bewiesen, was Regensburger Mädels fast auf allen Strecken leisten können, selbst auf den für „Langstrecklerinnen“ ultrakurzen 800m – siehe Thea Heim. Für die auf der Tribüne schmachtenden Coco Harrer, die trotz zweier Krücken und sicher viel geheimem Herzschmerz den Weg nach Ulm nicht gescheut hatte, mag’s vielleicht auch eine Genugtuung sein, dass ihr Titel wenigstens in Regensburg bleibt.


Orth12 DM14 VolkefotoAufgeheizt war sie im Vorfeld, die Entscheidung der Männer über dieselbe Distanz. Benitz, Tesfaye, Schlangen und Orth hießen die Protagonisten. Letzterem drückten natürlich alle „Blauen“ die Daumen. Er, der alte Taktikfuchs, wird es schon richten, zumal kurz vorher Freundin Maren so fulminant zugeschlagen hatte. Er, der solche Rennen liebte, meist auch einen erfolgreichen Plan hatte. Was dann kam, war bis zur letzten Runde nervenaufreibend. Es hätte nur noch gefehlt, dass beim jetzt stattfindenden Bummelrennen die Läufer in Runde zwei noch stehen geblieben wären. Je näher das Ziel kam, desto schwieriger wurde Flo Orths Strategie, zumal er in vierter Reihe ganz außen laufen musste. Viel zu spät kam dann der eigentliche Endspurt. Die letzte Runde soll unter 50 Sekunden gewesen sein, zu schnell für Florian Orth, zumindest an diesem Tag. Zu schnell auch für Favorit Homiyu Tesfaye. Am Ende behielt nur einer Recht: Endspurtrakete Timo Benitz. Dass Florian Orth am Ende Bronze auch noch an Altmeister Carsten Schlangen abgeben musste, bleibt eine Randerscheinung. Zumindest ist für den Regensburger die EM-Teilnahme gesichert, weil Schlangen keine Norm hat. Das war aber aus Regensburger Sicht nun wirklich das einzig Positive in diesem Rennen. Florian Orth mag sich trösten: Einer verpatzten Generalprobe folgt meistens eine wunderbare Premiere. Die Europameisterschaften können für den Regensburger trotz Ulm kommen. Er ist in prächtiger Verfassung.


PfliegerKollerUnterholzner12 DM14 Volkefoto„Mission impossible“ hieß Philipp Pfliegers Auftrag im 5000m Finale. Laut Bundestrainer Wolfgang Heinig hatte er nach dem verpatzten Wochenende in Heusden noch eine klitzekleine Chance auf Zürich. „Er sollte sich zeigen im 5.000m Feld, möglichst mit einer normähnlichen Leistung“. Wie das in einem Meisterschaftsfinale gehen sollte, konnte ihm aber so keiner recht sagen. Eine 13:40 im Alleingang oder sogar drunter, nur eine Woche nach der Hitzeschlacht von Heusden, ist für den Regensburger nach ultrakurzer Vorbereitungszeit einfach ein unmöglicher Auftrag. Die Telis-Familie zeigte dann Teamgeist. Alle qualifizierten Telis-Youngster verzichteten auf ihre Einzelchancen und spannten sich als Dreierlokomotive vor Philipp Pflieger. Moritz Steininger den ersten Kilometer, Valentin Unterholzner den nächsten und Jonas Koller sollte den wieder nächsten nehmen. Eigentlich war’s gar nicht möglich, weil alle drei bis Kilometer drei gar nicht so schnell laufen können, wie es Philipp Pflieger brauchte. Sie gaben alles und stiegen dann aus. Am Ende kam für Philipp Pflieger Bronze in viel zu langsamen 13:54,45min heraus. Auch die bei der EM als Medaillenkandidaten gehandelten Richard Ringer und Arne Gabius liefen „nur“ um die 13:44min. Es war so gekommen, wie alle schon im Vorfeld vermuteten: Eine „mission impossible“ eben. Bronze hat Philipp Pflieger dennoch für die „Blauen“ gewonnen und nun hat er Zeit, sein nächsten Abenteuer, den ersten Marathon vorzubereiten.