Ein persönlicher Leserbrief von Sebastian Reinwand

DM10km2014 pollmaecher volkefotoRoth, 11. September 2014 (Sebastian Reinwand) - Es ist sicher nicht einfach die richtigen Worte zu dieser heiklen Thematik zu finden, ohne dabei den Eindruck von Neid oder Fremdenfeindlichkeit zu erwecken. Ich will es dennoch wagen und aussprechen, was vielleicht viele denken: die Häufung afrikanischer Namen in den Ergebnislisten, nicht nur bei Deutschen Meisterschaften betrachte ich mit zunehmender Skepsis. Ein kurzer Blick auf die Startgerade und die Ergebnisliste der Deutschen Straßenlaufmeisterschaften am vergangenen Wochenende in Düsseldorf genügt, um meinen Eindruck beispielhaft zu unterstreichen. Unter den Top acht waren auch zwei Äthiopier, Amanal Petros vom TSVE 1890 Bielefeld wurde Zweiter bei den Männern und Juniorenmeister.

 

Auf Platz sechs landete Mitku Seboka, seit diesem Sommer mein Trainingspartner und mit mir nach Düsseldorf gereist. Man sieht, die Sache ist auch für mich nicht einfach zu bewerten, weil ich zwischenmenschlich involviert bin. Der Kontakt mit Mitku kam durch Zufall über den LAC Quelle Fürth und Theo Kiefner zustande, der sich als erster dem Äthiopier angenommen hat, um ihm Trainingsmöglichkeiten zu verschaffen. Über den Sommer hat sich eine Lauffreundschaft entwickelt. Man trainiert zusammen und profitiert voneinander. Deshalb ist es auch keine Frage, dass ich ihn mit zu Wettkämpfen nehme und das halbe Doppelzimmer zur Verfügung stelle.

 

Dass ihm und anderen Asylbewerbern mit einjähriger Wartefrist vom Deutschen Leichtathletik Verband trotz lediglich befristeter Aufenthaltserlaubnis ein Startrecht bei Deutschen Meisterschaften eingeräumt wird, will ich dennoch nicht länger für gut heißen. Meiner Meinung nach führt das zunehmend zu Wettbewerbsverzerrung. Wer deutscher Meister wird, sollte auch deutscher Staatsbürger sein, das ist eine nachvollziehbare Minimalforderung und hat auch nichts mit Protektionismus zu tun, da andernfalls die Namensgebung der Veranstaltung irreführend bzw. schlichtweg nicht mehr zutreffend ist.

 

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und eine internationale, d.h. IAAF-Altersgrenze von z.B. von zwölf Jahren fordern, nach der ausländische Sportler nach Einbürgerung nur noch mit 10-jähriger Wartefrist bei nationalen und internationalen Titelkämpfen startberechtigt sind. Damit würde auch der schier wahllosen Einbürgerungswut von Schweden, Türkei, etc. endlich ein Riegel vorgeschoben, denn auch bei den Europameisterschaften in Zürich war unlängst die afrikanische Dominanz in den Endläufen auffällig. Meine Kritik richtet sich beispielsweise nicht gegen Mo Farah, der trotz somalischer Wurzeln von Kindheit an Staatsbürger Großbritanniens und dort aufgewachsen ist. Auch Jonas Koller von der hiesigen LG Telis Finanz ist afrikanischer Herkunft, aber bereits im Säuglingsalter nach Deutschland gekommen und allein sein lupenreiner oberpfälzer Dialekt identifiziert ihn als echten Bayern.

 

Zurück zu Mitku Seboka. Der hat übrigens am vergangenen Wochenende sein Startgeld inklusive Nachmeldegebühr von 107,50€ selbst bezahlt, von knapp 300€ Taschengeld, die ihm für Essen und Lebensunterhalt monatlich zur Verfügung stehen. Damit sind wir bei der eigentlichen Problematik angelangt, den Provinzvereinen, die mit flotten Afrikanerbeinen - sarkastisch ausgedrückt - DANK Flüchtlingswelle aus Italien, die Chance auf schnelle und billige Medaillenehren wittern. Einen Startpass hat man ihm im vergangen Jahr sofort besorgt, für Wettkämpfe in der Regel auch angemeldet und die Startgebühren übernommen, nur in Düsseldorf hat man die Meldefrist verschwitzt bzw. versehentlich für den Hobbylauf gemeldet. Die horrende Nachmeldegebühr wollte man dann aber nicht bestreiten. Auch bei Reisemöglichkeiten und Kosten steht der sonst als laufender Söldner willkommene Äthiopier meist allein da, von seinem kaputten Schuhwerk mal ganz abgesehen.

 

Ähnlich lief es mit dem weniger bekannten, weil deutlich langsameren Fraol Holjira in meinem Landkreis. Er wurde der Asylunterkunft Greding zugeteilt und dort auch schnell vom Ortsverein beim Training entdeckt. Warmherzig hat man ihn aufgenommen, wenig später gewann er den Rother Kirchweihlauf über 10km in 32:08min, vorläufiger Höhepunkt ein 2:30h Marathon am Brombachsee. In Greding begann derweil der Traum von Rio 2016 zu reifen, der Focus berichtete vom neuen Wunderläufer, schließlich gipfelte die Perversion lokaler Selbstdarsteller im Arrangement eines Fernsehbeitrags im RTL Nachtjournal.

 

Natürlich wurde in seinem Fall gleich nach Trainer und Sponsor gesucht und natürlich war auch der Kontakt zu mir bzw. meinem Arbeitgeber naheliegend. Der junge Mann, angeblich Jahrgang 93, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die hier nicht weiter beleuchtet werden soll, braucht schließlich Förderer. Verbleiben sollte er aber unbedingt im angestammten Verein. Um es kurz zu machen, wir haben ihn gerne aufgenommen, weil er ein sympathisches Läuferherz zeigte, nicht wegen seiner sowieso vollkommen falsch bewerteten läuferischen Fähigkeiten. Inzwischen wohnt er bei mir im Ort, bekommt einen Sprachkurs, arbeitet beim gleichen Arbeitgeber, verdient gutes Geld, beklagt sich über Steuern, ist unabhängig und nicht mehr auf Verpflegungsgeld vom Landratsamt angewiesen, aber ist er deshalb Deutscher? Nein, schon allein deshalb nicht, weil auf seinem Pass „befristete Aufenthaltserlaubnis“ steht und sein weiterer Verbleib in der Bundesrepublik nach wie vor weiterhin vom Ausgang des Asylverfahrens abhängig ist.

 

Mit Tulu Adissu steht schon der nächste Sieger des Rother Kirchweihlaufs bereit, dieses Mal sogar in 29:50min. Ich muss zugeben, dass auch ich verlockt war oder bin, die Mannschaft mit „billigen“ Asylbewerbern aufzuwerten und auf Medaillenjagd zu gehen. Es mag nach Verbandsrichtlinien legal sein, aber legitim kann ich es nicht heißen, deshalb wird das Team Memmert TSG 08 Roth in Zukunft darauf verzichten, Athleten mit Asylbewerberstatus bei Deutschen Meisterschaften einzusetzen. An der Bereicherung des  gemeinsamen Trainings ändert das ja nichts und ich würde es auch begrüßen, wenn sie bei offenen Deutschen Meisterschaften, wie Cross oder Straße außer Konkurrenz weiterhin teilnehmen.

 

Heute lese ich in der Zeitung, ganz groß im Hauptteil der Nürnberger Nachrichten, von Edisu Getachew, dem überlegenen Sieger des „Fränkische Schweiz Marathons“. Die Schuhe, die ihn zum Sieg trugen, habe er erst eine Woche zuvor geschenkt bekommen, schreibt der Reporter. Was er nicht weiß, der Mann vom TS Bayreuth trug sie schon beim bereits erwähnten Rother Kirchweilauf vor vier Wochen, den er in 29:57min auf Rang zwei beendete. In gerade mal 2:31:22h hat er diese respektable 10km Zeit umgemünzt und liegt damit über zwei Minuten hinter Anna Hahner, der Jahresbesten unter den deutschen Marathonläuferin. Seine angeblich selbstlosen Förderer Detlev Winkler und Sportmediziner Reinhard Wittke betreuen ihn wohl zweimal wöchentlich persönlich beim Training. Um Spenden für Schuhe bitten sie trotzdem: Auf die Idee, einfach mal für ein Paar Schuhe in die eigene Tasche zu greifen, kommt wohl keiner der beiden, obwohl das zumindest als Arzt doch drin sein sollte... Der Kommentar „Zwar sei er läuferisch ein absolutes Ass, doch bei der Vorbereitung auf die Königsdisziplin hat es noch gemangelt“ seiner Begleiterin vor Ort offenbart deren Ahnungslosigkeit, welchem Verletzungsrisiko sie ihren Schützling damit aussetzt. Es ist ihr nicht bewusst, Hauptsache er „avanciert zum Marathonhelden“.

 

Genau das ist der Punkt, der mir besonders sauer aufstößt. Die Vereine und Verantwortlichen sollten ihre Talente nicht blindlings in eine angeblich vielversprechende Läuferkarriere rennen lassen, die jeglicher Trainingsbetreuung oder medizinischen Versorgung entbehrt. In der Regel scheitert es ja schon an den Grundvoraussetzungen, wie Laufschuhen oder gar halbwegs ordentlicher Ernährung. Dieses verantwortungslose, fast fahrlässige Verhalten wird noch verstärkt durch die weitgehend maßlose Überschätzung und Berichterstattung der Medien, die sich auf jeden Asylbewerber stürzen und irgendeine Story an den Haaren herbei ziehen, als hätten wir keine eigenen Läufer mehr im Land. Von den Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf wurde seitens der Nürnberger Nachrichten übrigens nicht berichtet, auch Andre Pollmächers 8.Rang in Zürich war keine Berichterstattung wert.

Es gilt also, etwas mehr Besonnenheit und weniger Mediengeilheit im Umgang mit afrikanischen Läufern an den Tag zu legen. Wer den Jungs (und Mädels) wirklich helfen will, unterstützt sie am besten bei ihren komplizierten Asylverfahren, denn der schnelle Ruhm bei einem Provinzlauf verbessert nicht ihre Lebenslage.

 

Sebastian Reinwand

 

Anmerkung: Der von unserer Redaktion veröffentlichte Leserbrief gibt die ganz persönliche Meinung seines Schreibers wieder und liegt ausschließlich in der Verantwortlichkeit seines Schreibers.

 

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