Im Kö-Lauf drin und doch kein Hit – das war die DM über 10km

Pflieger1 DM10km2014 VolkefotoRegensburg, 11. September 2014 (orv) –  Der befürchtete Supergau blieb den Regensburgern erspart. Die Männer holten am Ende doch noch die Kohlen aus dem Feuer. Weit unter ihrer eigentlichen Form laufend holten Philipp Pflieger, Julian Flügel und Felix Plinke doch noch in der Teamwertung das einzige Gold und der Mannschaftseinsatz für alle Drei hatte sich gelohnt. Für Philipp Pflieger, weil er trotz strapaziöser Wochen einer Marathonvorbereitung als „zwar enttäuschter“ Einzel-Vierter ins Ziel kam. Für Julian Flügel, weil sein alternatives Training auf Grund einer Fußverletzung zwar nur für 30:53 auf einem verflixt eckigen Kurs reichte. Für Felix Plinke, weil seine Form nun endlich beim letzten Rennen nach schlimmen Wochen, ausgehend von einem Pfeiferschen Drüsenfieber im Frühjahr, endlich wieder stabil war.


Der Hit waren die Meisterschaften auch nicht. Es war laut, die Musik dröhnte, die Kö war trotzdem keine Prunkstraße für deutsche Läufer, schon gleich nicht für solche mit Spitzenformat. Schnell laufen, das brachten die wenigsten hier zustande. Zuschauer waren Fehlanzeige und das Interesse des Veranstalters galt sicherlich mehr den Gewinn bringenden Breitensportlern als den Deutschen Meisterschaften. Man fährt hin, man fährt zurück und es war wieder mal wie immer so bei Veranstaltungen, denen der Dachverband das Plazet Breitensport aufdrückt. Wirrwarr bei der Startnummernausgabe, Fehler über Fehler in der Ergebnisliste, dann der ellenlange Ablauf der –zig Siegerehrungen. Hopp, hopp, es pressiert. Wir haben noch sechs Stunden Heimfahrt! Dort die verzweifelte Suche nach den Gesamtergebnissen. Das Netz ist fix, jene, die die Ergebnisse rein stellen sollen, nicht. Es dauert fast bis Nürnberg. Immerhin, so gegen Acht kann man das nachlesen, was man bisher nicht wusste, obwohl man dabei war.

 

Volke1 DM10km2014 VolkefotoDabei waren auch die Telis-Damen, sechs an der Zahl und vorne in der Verfolgergruppe auf das Führungs-Duo gleich im Viererpack. Obwohl sie diesmal den Kürzeren zogen gegen ein Team, das man so in der Meldeliste noch gar nicht als ernsten Gegner wahrnehmen konnte. Dopingsünderin Simret Restle, formal nach ihrer zweijährigen Startsperre wieder reingewaschen, hatte nachgemeldet und gewichtete nun eben anders. Nach dem Rennen zeigte sie zudem Erinnerungsvermögen. Nach zwei Jahren gab sie jene Silbermedaille zurück, die eigentlich Maren Kock gehörte und die sie angeblich zwei Jahre nicht mehr gefunden hatte. Sie hätte sie Maren Kock selbst geben können, stattdessen gab sie sie dem Vizepräsidenten Breitensport, der nur ein paar Schritte machen musste, um sie weiter zu geben an die rechtmäßige Besitzerin. Eine Entschuldigung von Frau in Grün an Frau in Blau blieb aus. Es hätte bei aller Peinlichkeit der Angelegenheit zumindest noch etwas Größe ins Geschäft gebracht.

 

Zurück zum Regensburger Doppelpack: Während die beiden Marathonis Steffi Volke und Julia Galuschka trotz vordergründig schlechter Zeiten am Ende als Doppelsiegerinnen in der W35 noch Gutes herauslesen konnten, zeigte der Lauf Maren Kock, dass die letzten Wochen ihr vieles an aeroben Kernvermögen gekostet hatten. Steffi Volke realisierte da noch nicht, dass ihr als 38-jährige ehemalige Hobbyläuferin Bewundernswertes gelungen war. Bei allen angetretenen Deutschen Meisterschaften – und sie ließ nur die Halle und den Berglauf aus -  platzierte sich die Huglfingerin unter den Top Acht. Julia Galuschka, zuerst traurig, weil sie schon fast das Ziel sehend noch den Platz in der ersten Mannschaft verlor, mag sich trösten. Sie war trotz schlechterer Bedingungen schneller als im Vorjahr zur gleichen Zeit. Der Marathon kann also kommen.

 

Die Vierte im Bunde, Nesthäkchen Franzi Reng, eigentlich noch erstes Jahr U20, machte den zahlreich vertretenen Mädels von der deutschen U23-Spitze ordentlich Dampf, blieb nur eineinviertel Minuten hinter Mocki, dafür aber fast im Bereich der U23-EM-Norm für 2015 mit ihren 35:24min. In der stets wichtigen und genauen deutschen Zahlenarithmetik hilft ihr das nichts, weil Platz vier in der Nachwuchswertung eben auch nur Blech ist und knapp verfehlte Normen, wo immer sie auch gebraucht werden, unahängig von schlechten Bedingugen eben meist nicht honoriert werden. Sie wird ihren Weg gehen, auch wenn ihr das viele nicht zutrauen. Nummer fünf und Nummer sechs der „Blauen“ Anna Plinke und Moni Rausch überraschten wohl sich selbst am meisten, und auch die Insider, die sich mit solchen Leistungen auskennen. Erstere hielt sich mit 37:09 schadlos und letztere sogar mit Hausrekord von 37:21. Zusammen mit Julia Galuschka war dies mit Team zwei immerhin Platz vier.

 

Koller-Unterholzner1 DM10km2014 VolkefotoSo weit vorne reichte es für Team zwei der Männer mit dem M35-Dritten Sebastian Hallmann und den beiden U23-Leuten Jonas Koller sowie Valentin Unterholzner nicht. Es sprang eben nur Platz zehn heraus. A propos U23: Dem mitgereiste Telis Trio mit den zwei Erwähnten und Moritz Steininger war die Saison sichtlich zu lang geworden und so sprang eben nur Silber hinter den überragenden Karlsruhern heraus. Nicht schlimm, weil man die schließlich im Cross schon bezwungen hatte und zudem auch beim Halbmarathon Gold herausgesprungen war. Es muss nicht immer das oberste Treppchen sein.

 

Lässt man mal die vier Marathondamen Mikki Heiß, Steffi Volke, Julia Galuschka und Moni Rausch, sowie die beiden männlichen Marathoni Philipp Pflieger und Julian Flügel außer Acht, ist die Saison nun gelaufen. Spannend war sie, aufregend und nicht immer schön für so manches „blaue“ Aushängeschild. Erfolgreich eben auch. Es werden sicher keine 20 deutschen Meistertitel wie im Ausnahmejahr 2013, jetzt sind es 13 und der Marathon kommt noch. Das ist immer noch grandios, zumal dann, weil wieder fünf Einzeltitel der Männer und Frauen dabei sind. Die „Blauen“, sie sind nicht mehr wegzudenken, in der Halle im Cross, bei sämtlichen Straßenmeisterschaften und eben auch auf der Bahn.