Maike Tischler und Steffen Landgraf neue Trainer bei der LG

Tischler-Landgraf1 2014Regensburg, 5. November 2014 (Reng) -Wer bei der LG Telis Finanz im Training vorbeischaut, dem ist sicherlich schon aufgefallen, dass das Trainerteam seit Kurzem durch zwei weitere Coaches tatkräftig unterstützt wird. Ohne großen Trubel um die eigene Person haben Maike Tischler und Steffen Landgraf ihre Arbeit während der letzten Saison in der Nachwuchsgruppe aufgenommen. Daher ist es allerhöchste Zeit, die beiden auch einmal dem gesamten Verein sowie allen seinen Anhängern und Unterstützern etwas ausführlicher vorzustellen…

 

Maike Tischler

 

Es ist Freitag, später Nachmittag, das heißt Trainingszeit bei der LG Telis Finanz. Eine rotblonde junge Frau betritt die Sporthalle am Oberen Wöhrd. Fröhlich grüßt sie, strahlt übers ganze Gesicht und verbreitet überall sofort gute Laune. Wer sie nicht kennt, fragt sich wahrscheinlich, ob das eine der Athletinnen oder doch eine Trainerin ist. Aber würde man sie danach fragen, wüsste sie die Antwort vermutlich selbst nicht so genau.
„Eigentlich bin ich ja hierhergekommen, weil ich eine Leichtathletikgruppe gesucht habe. Einfach so zum Spaß, nicht mit großen Wettkampf-Ambitionen“, erklärt sie. Letztes Jahr, beim Nikolauslauf, hat sie Trainerin Doris Scheck kennengelernt und einfach mal angesprochen, ob sie nicht im Training vorbeikommen kann. „Ich wurde sofort eingeladen, aber in der Wettkampfmannschaft wollte ich nicht trainieren – aber für die Nachwuchsgruppe, die noch nicht ganz so leistungsorientiert ist, war ich dann doch ein bisschen zu alt“ Und so kam sie spontan auf die Idee, es einfach selbst einmal als Trainerin zu versuchen. „Das technische Knowhow habe ich eigentlich in allen Disziplinen gut drauf, immerhin mache ich schon seit meiner frühesten Kindheit Leichtathletik – mit drei Jahren bin ich bei meinem ersten Volkslauf gestartet“ In ihren Jugendjahren gehörten vor allem Hürdenlauf und die Sprint-Distanzen zu ihren Spezialitäten, aber auch an Mehrkämpfen hatte sie großen Spaß.
 
Deswegen zögerte Georg Hofmeister, Chef-Trainer der LG Nachwuchs-Mannschaft, nicht lange und nahm die quirlige junge Frau in sein Team auf. „Ich sehe mich da als eine Art Ergänzung, ich unterstütze Georg wo ich eben kann. Natürlich habe ich noch wenig Erfahrung und bin eher für die Basis zuständig, aber das allein macht mir schon viel Freude“, meint Maike über ihre Funktion in der Gruppe. Dass sie für die Jugendlichen jedoch viel mehr als nur Co-Trainerin ist, fällt jedem sofort auf: Die Sportler schenken ihr großes Vertrauen, schätzen die junge Trainerin und haben sichtlich Spaß, wenn sie das Training leitet. „Das freut mich natürlich. Ich will ja, dass die Leute auch kommen, wenn Georg nicht kann und ich für ihn einspringe“, lächelt die 31-jährige. Mindestens zweimal die Woche ist sie anwesend, mit dem Rad ist sie im Nu an der Sporthalle – wenn mal nicht so viel zu tun ist, trainiert sie einfach selber mit.
 
Und so macht sie heute zusammen mit den Nachwuchs-Athleten Gymnastikübungen zu Georgs Anweisungen. Beim Auslaufen ist sie dann nicht mehr dabei. Warum? Nur beim genauen Hinsehen erkennt man den Grund: Maike ist schwanger!  „Im Februar ist es endlich soweit, der 14. soll es werden – ein Valentins-Kind!“, Maike strahlt übers ganze Gesicht. Gerade macht sie eine aufregende Zeit durch, die Vorbereitungen für die Geburt laufen auf Hochtouren. Und trotzdem bleibt noch Zeit für Sport? „Ich brauche das, einfach als Ausgleich: Wenn das Baby da ist, will ich auch weiterhin ins Training kommen“. Beruf, Familie und dann noch Trainer sein - das soll klappen? „Na klar, von den Arbeitszeiten her bin ich flexibel und ansonsten lasse ich das alles einfach auf mich zukommen“, meint die Bankkauffrau und fügt lächelnd hinzu: „Ich habe ja auch schon so einige Angebote von den Athleten bekommen, dass sie sich gerne mal um das Baby kümmern.“ Mit großer Sicherheit wird Maikes Kind also bereits sehr früh mit der Leichtathletik in Kontakt kommen. „Ich finde das enorm wichtig, ich habe auf diese Weise selber vieles für‘s Leben mitbekommen. Die wertvollen Erfahrungen, die man im Sport macht, vor allem im Wettkampfsport, sollte jeder haben!“


Ganz klar: Die LG wird die Trainerin und ihre kleine Familie dabei auf jedem Fall unterstützen. So ist nämlich auch schon wieder für Nachwuchs in den Reihen der Allerjüngsten des Vereins gesorgt, denn eines steht fest: „Die Farbe des ersten Sporttrikots für mein Kind wird – selbstverständlich - blau!“

 

Steffen Landgraf

 

Dass der Steffen nicht von hier ist, dit hörste ja gleich. Zwar bemüht sich der junge Trainer redlich, seine Berliner Schnauze weitestgehend zu verbergen – allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Das Bayerische fällt ihm einfach noch nicht so leicht: „ Verstehen kann ich mittlerweile zwar das Meiste, aber selber sprechen? Jeht nüscht!“ Dabei beherrscht Steffen ja noch so viele andere Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch – und die meisten davon fließend! Kein Wunder: An so viele Orte der Welt hat es ihn mit seinen 34 Jahren schon verschlagen. Nach seiner Schulzeit lebte der gebürtige Berliner erst einmal für ein paar Jahre in Minneapolis, nach seiner Rückkehr aus den USA promovierte er in Paris und lebte im Anschluss wieder für ein paar Jahre in seiner Heimatstadt, im hohen Norden Deutschlands.
 
Aber was zieht diesen umtriebigen Mann ausgerechnet hierher, ins beschauliche Regensburg?
„In erster Linie die Arbeit: Seit April 2012 bin ich an der Uni Regensburg in der Forensik als wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie in der Lehre tätig“, erklärt der studierte Psychologe. Erzählt er von seinem Beruf, leuchten seine  Augen, sodass man glauben möchte, dass er dafür wahrscheinlich sogar an den Nordpol gezogen wäre.
Aber da hat er es in Regensburg doch eigentlich noch ganz gut erwischt, oder? In der Tat: Nach anfänglichen „Anpassungsschwierigkeiten“ - wie er es nennt - fühlt er sich mittlerweile „richtig wohl“ in der Domstadt.
Und dann ist er ja glücklicherweise auch noch auf die LG Telis Finanz gestoßen: „Ich wollte auch in meiner neuen Heimat wieder Bezug zur Leichtathletik haben“, berichtet der ehemalige Zehnkämpfer, „also  habe ich mich im Sommer 2013, nach Ende der Saison bei Kurt Ring gemeldet, per Email. Ich wurde sofort herzlich eingeladen, einfach im Training vorbeizuschauen“. Und was war dort sein erster Eindruck? „Ich war erst einmal fasziniert, wie geschlossen und fokusiert die Gruppe trainiert. Alle sind hier unheimlich motiviert und absolvieren ein hartes Programm. Das verdient Respekt, vor allem wenn man die Bedingungen sieht, mit denen die Sportler hier zurechtkommen müssen“
Damit meint Steffen vor allem die eher mäßige Ausstattung an Geräten, aber auch die miserable Regensburger Hallen- und Sportplatzsituation. Da ist er aus Berlin ganz anderes gewohnt: „Überall findest du eine Tartan-Halle, man verfügt über ein viel breiteres Spektrum an modernen technischen Geräten – die sind ja eigentlich unverzichtbar, wenn man Leichtathletik auf Hochleistungsniveau betreiben will“.
 
Auf eine solche Karriere im Spitzensport blickt Steffen übrigens auch selbst zurück: Während seiner aktiven Zeit bis ins Jahr 2004 gewann er zahlreiche deutsche Meistertitel, beispielsweise mit der 4 x 100m-Staffel  oder auch in der Zehnkampfmannschaft. Trotz all dem ist der ehemalige Top-Athlet ganz und gar nicht abgehoben: „Allein die Erfolge meiner Mutter stellen das alles in den Schatten“, meint er ganz bescheiden, „als Doppel-Olympiasiegerin von München 1972 hat sie etwas geschafft, was für mich absolut unerreichbar war“.

 

Jetzt möchte er aber jungen Athleten helfen, die diesen olympischen Traum noch träumen dürfen. Die Arbeit als Trainer besteht für ihn vorherrschend in der Vermittlung von technischem Knowhow: Als ehemaliger Profi bringt er die ganze Palette von Erfahrungen und Wissen mit, die dafür von Nöten sind. Doch auch im menschlichen Bereich geht er auf die Athleten zu: Da ist der Psychologe ganz in seinem Element, spricht offen mit den Sportlern, hört ihnen aufmerksam zu, gibt Ratschläge und ist ein Motivator par excellence. „Es ist ein langer Prozess, das Vertrauen des Einzelnen zu gewinnen – aber nur so kann man erfolgreich zusammenarbeiten“ – Das leuchtet ein.
 
Und so ist er selbstverständlich eine wichtige Unterstützung für das Trainerteam, vor allem im Nachwuchsbereich. Mit den Coaches Christiane Danner, Christophe Chayriguet und Georg Hofmeister hat er sich von Beginn an bestens verstanden: „Die haben mich dann überall rumgezeigt und mir geholfen, mich ein bisschen einzuleben“.

Einmal pro Woche kommt Steffen nun zum Training und kümmert sich darum, vor allem die Techniker der - doch recht Lauf-betonten - LG Telis Finanz,  fit zu machen. Das ist nicht selbstverständlich bei einer solchen Belastung, die seine Arbeit an der Uni von ihm verlangt. Denn wie einst im Sport verfolgt er auch hier ehrgeizige Ziele: „In fünf Jahren möchte ich gerne meine Forschungen im Rahmen einer Professur ein ganzes Stück weitergebracht haben “. Blickt Steffen noch weiter in die Zukunft, sieht er sich in Regensburg aber auf jeden Fall am richtigen Platz. Der Weltenbummler ist scheinbar endlich angekommen.

 

Ob er trotzdem gerne mal wieder verreisen möchte? Vielleicht ins schöne Italien? Zum Ostertrainingslager nach Cervia zum Beispiel? „Gerne – sofern es die Arbeit zulässt!“ Klingt doch gut! Am Strand lassen sich bestimmt auch prima psychologische Forschungen betreiben, dat is doch’n Klacks, wa?