Wie wird sich der DLV verhalten?

Regensburg, 20. November 2014 (orv) – Die IAAF hat die Katze aus dem Sack gelassen und den  WM-Qualifikationsmodus veröffentlicht. Neben den neuen „Hintertürchen“ wie Platzierungen bei anderen internationalen Meisterschaften und in der Weltrangliste fällt auf, dass die eigentlich Normleistungen weicher geworden, die Anforderungen bis auf wenige Disziplinen sind für Peking 2015 geringerer Natur. Der DLV muss nun mit seinen Nominierungsrichtlinien nachziehen und sich genau überlegen, ob er seine Linie des immer höheren Anspruchs an seine Nationalmannschaft beibehalten will.

 

Die Gründe für die IAAF Richtungsänderungen sind offiziell nicht bekannt. Tatsache ist aber, dass dem Weltverband wohl auch aufgefallen ist, dass sein aufgeblähtes Programm über neun Tage an etlichen Vormittagen mit ausgefallenen Vorläufen oder Erstserien glänzte und so manch vormittäglicher WM-Besuch so zum absoluten Gähner wurde. Wie lange die IAAF die absolut nur noch für Ostafrikaner nebst einiger Asiaten und Amerikaner besetzten 10.000m der Männer im Programm lassen will, ist ebenso eine spannende Frage für die Zukunft.

 

Innovationen im Skisport, die von der heutigen jungen Generation als solche gar nicht mehr erkannt werden, sind der olympischen Kernsportart Nummer eins bisher fremd. Ein Tausch der 10.000m auf der Bahn mit einem Straßenwettbewerb über die gleiche Strecke wäre da schon fast eine kleine Revolution. Mit den in anderen Sportarten schon sehr beliebten Mixwettbewerben Mann und Frau in einem Team oder einer Staffel steht man in Leichtathletikkreisen auch noch auf Kriegsfuß. Man könnte schon etwas ändern, wenn es die Köpfe der Altvorderen zuließen.

 

Aus Athletensicht gesehen ist zu befürchten, dass der DLV seine konservativ strenge Haltung in Hinsicht von WM-Normen beibehalten wird und auch 2015 die ewige Normenjagd dem Schönen an der Leichtathletik schwer schaden könnte. Anstatt mit möglichst vielen WM-Startern einen Sommer lang kräftig PR zu machen, hat man bereits wieder panische Angst, dass Athleten in Peking versagen könnten. Vielleicht aber denkt auch einer der deutschen Offiziellen an die deutschen Fans, die sich im kommenden August so manchen Vormittag und frühen Nachmittag vor den Fernseher setzen um möglichst viele deutsche Athleten zu sehen. Es ist nicht immer wichtig, dass Deutsche gewinnen, es ist aber wichtig, dass Deutsche dabei sind, möglichst in jedem Wettbewerb, wo es nur irgendwie möglich ist.

 

Die Nominierungsrichtlinien werden zeigen, wohin der Trend geht: Wird’s wieder ein brutaler Normensommer mit leistungszehrenden immerwährenden Leistungsnachweisen oder lässt man den nach Zürich etwas gebeutelten Athleten die Luft, die sie zum Entwickeln brauchen? Auch dann, wenn’s mal in die Hosen geht.