Mein ganz besonderer Leichtathletik-Wunschzettel

Regensburg, 20. Dezember 2014 (Ring) – Eigentlich bin ich ja schon zu alt für einen Wunschzettel an Weihnachten und eigentlich bin ich auch schon zu spät dran. Schnee liegt auch keiner und geschenkt bekommen hab ich im ganzen Jahr auch schon eine Menge. Zu allererst von den unzähligen Helfern im Allgemeinen und dann ganz speziell bei der Gala, die einfach hinlangen, wenn man sie braucht, von unseren Athleten und Trainern, die uns abermals mit zahlreichen Erfolgen beschenkt haben, von unserem Organisationsmanagement, das den Laden zusammenhält, nicht zuletzt von den Sponsoren und Gönnern, die uns immer die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt haben, wenn wir sie brauchten und zuletzt auch von unserer Stadt, die uns immer mehr zeigt, dass die Leichtathletik ihr wichtig ist. Habt alle Dank dafür.

 

Für was braucht’s dann noch einen Wunschzettel? Ja, da wäre dann doch noch ein bisserl was, was mich echt glücklich machen würde und nicht nur zum Fest. Es sind keine großen Wünsche. Keine Goldmedaillen oder Goldadern, kein Ruhm und keine Ehren oder sogar Reichtümer. Eigentlich sind es Selbstverständlichkeiten und Kleinigkeiten. Die Reihenfolge auf meiner Liste ist bedeutungslos, die Dringlichkeit eigentlich auch.  S’Christkindl möge den Angesprochenen ausrichten, dass ich sie alle schätze und beileibe nicht kritisieren will. Ich weiß, dass auch vor vielen, vielen Jahren in meiner Kindheit so mancher Wunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Aber wenn man die Wünsche nicht aufschreibt, weiß das Christkind vielleicht auch nicht, was man sich wünscht.

 

So wünsch ich mir denn von den Verbänden die Einsicht, dass sie eigentlich immer für ihre Schützlinge in den Vereinen da sein sollten. Ich wünsche mir den Respekt vor jenen, die immer nur „Auffüller“ bei den verschiedensten Meisterschaften sein werden, also nicht für die große Außenwirkung sorgen werden. Ich wünsch mir, dass die Athleten nicht nur Deutschland, den DLV und uns alle vertreten, sondern wir, die Trainer, Vereine, Verbände, Politiker und eben Deutschland alles tut, damit sich die Athleten zur Freude uns aller ihre Träume erfüllen können.

 

Ich wünsche mir, dass die Sportdirektoren, Chefideologen und Cheftrainer stolz sind auf jede Erfüllung einer internationalen Norm und dann nicht immer nur die erweiterte Endkampfchance sehen. Dann braucht’s auch keine extra „deutsche“ Normen.  S’Kindl in der Krippe hat auch den Ochsen und den Esel und die Schafe gesehen. Deshalb auch mein weihnächtlicher Antrag ans leichtathletische Grundgesetz: vor der internationalen Norm sind alle Leichtathleten gleich, die Amerikaner, die Russen, die Österreicher und Schweizer und natürlich auch unsere deutschen Helden, auch wenn sie mal hinterher laufen.

 

Ich wünsch mir das Verständnis der „da oben“, dass jährliche dreistellige Summen keine Förderungen für Kaderathleten sind und man dafür auch nicht fordern kann. Letztendlich ist es nur eine Belohnung für die erbrachten Leistungen im letzten Jahr. Ein bisschen mehr Empathie, dies zu ändern wäre da schon schön. Den Vereinen jeden Finanzierungsstiefel vom teuren Auslandsstart bis zur Finanzierung von Trainingslagern hinzuschieben, ist eigentlich auch nicht ganz fair.

 

Ich wünsche mir Teamleiter, die einfach nur da sind und sich nicht ständig in Auslandstrainingslagern mit ihren Heimathleten verstecken. Da, für alle gleichermaßen, mit ihrer fachlichen Kompetenz überzeugen ohne Druck auszuüben und uns mitreißen zum nächst größeren Erfolg. Die nicht ihre Bundes- Landes- und Stützpunkttrainer an die Front schicken, um zu moderieren, sondern dies selbst tun. Solche, die selbstlos ihren eigenen Erfolg hintan stellen zum Wohle des Ganzen.

 

Ich wünsche mir Kommunen, die uns an der Basis zuhören, was wir denn an großen und kleinen Dingen brauchen, um für unseren Landkreis und für unsere Stadt erfolgreich zu sein. Sport ist mehr als nur Fußball und Fußball braucht nicht überall tonangebend zu sein. Zuallererst wünsch ich mir aber hier, dass Dinge, die schon einmal  ins Auge gefasst sind, schneller und unbürokratischer umgesetzt werden.

 

Mag sein, dass das Christkindl mir keinen dieser Wünsche erfüllen kann. Mag sein, dass ich wieder bis nächstes Jahr warten muss, mag auch sein, dass meine Wünsche vermessen sind, aber am Mittwoch ist Weihnachten und dann ist wieder eine ganz besondere Nacht und dann werde ich meine Lieben und eben auch meine heiß geliebte Leichtathletik eins ums andere Mal wieder in mein Herz schließen und dankbar sein für alles, was man sich vielleicht gar nicht gewünscht hat und doch geschenkt bekommen hat.

 

von Kurt Ring