Regensburg, 20. Januar 2015 (© Kurt Ring) – Eine Stadt fällt im Land erst dann auf, wenn sie Leistungen zeigt. Dasist auch im Sport so. Neben den gesundheitlichen und sozialen Aspekten des Breitensports ist vor allem der Leistungssport über seine mediale Wahrnehmung besonders öffentlichkeitsträchtig. „Aufzufallen“ im Leistungssport bedeutet überregional, in der allgemeinen Medienberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten inWort und Bild wahrgenommen zu werden.

 

 Diesem Anspruch werden in Regensburg derzeit folgende Sportarten (mit den dazugehörenden Spitzensport treibenden Vereinen) gerecht:

 

Fußball
3. Liga, SSV Jahn 2000

Leichtathletik
mit 10 Nationalkadern, von denen viele internationales Niveau verkörpern, LG Telis Finanz

Eishockey
periodisch bis Liga 2, im Nachwuchs deutsche Spitze, Eisbären (EV Regensburg)

Baseball 
beste deutsche Mannschaft, dennoch Randsportartcharakter , Buchbinder Legionäre

Handball (Damen)
3. Liga, ESV 27 Regensburg

 

Die restlichen Sportarten treten hin und wieder mit Ausnahmetalenten in den Blickpunkt, weisen aber im qualitativen Leistungsbereich weder Breite noch Konstanz auf. Als Säulen des Breitensports vertreten sie die Sportstadt Regensburg in einem angemessenen Rahmen.

 

Die Stadt und ihre Sportstätten

Regensburg ist auf einem guten Wege, eine für den Leistungssport geeignete Infrastruktur zu erstellen. So besitzt die Stadt mit dem Westbad über ein absolut auch international wettkampftaugliches 50-Meter-Schwimmbecken, ebenso eine Eissporthalle (Donauarena), die dem Prädikat „internationale Güte“ gerecht wird. Mit Hilfe der Stadt ist im Osten auch ein modernes Baseballstadion mit der Armin-Wolf-Arena als Wettkampfstätte entstanden. Neueste Errungenschaft wird ab 2015 das neue Fußballstadion (15.000 Fassungsvermögen) auf der Regensburger Papstwiese neben der Autobahn sein. Ex-Oberbürgermeister Hans Schaidinger hat noch die Planungen für eine Leichtathletikhalle auf den Weg gebracht. Sie soll nun laut des neuen Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs zügig bis 2016 auf dem erweiterten Gelände der Universität gebaut werden. Außerdem soll die Renovierung des alten Uni-Stadions (seit 1974 bestehend) und dessen Ausbau mit acht Rundbahnen in Angriff genommen werden. Die Verhandlungen zwischen Stadt und Universität laufen bereits. Bereits im Entstehen ist ein Sportinternat der Buchbinder Legionäre im Schwabelweiser Vereinsgelände und eines des SSV Jahn 2000 ist auf dem ehemaligen Post-Süd Gelände am Kaulbachweg geplant. Die Leichtathletik-Trainingsanlage am Weinweg (geeignet auch als Wettkampfstätte bis Landesniveau) wurde 2013/14 generalsaniert, als weitere leichtathletische Trainingsstätten stehen die Rundbahn am Kaulbachweg, die in der Auerstraße (ehemals Bundeswehr) – beides Kunststoffanlagen, sowie das Sportgelände am Oberen Wöhrd (Aschenbahn - hier soll aber eine Kunststoffbahn bei der nächsten Erneuerung verlegt werden) zur Verfügung. Die Anlagen am
Kaulbachweg, am Weinweg und in der Auerstraße haben keine Hallenanbindung. Lediglich der Obere Wöhrd verfügt über eine Hallenanbindung, die derzeit mit wenigen technischen Anlagen (Stabhoch, Hoch) auch leichtathletisch genutzt wird. Mit der gestauten Donau und dem Ruderzentrum in Höhe der ehemaligen Schillerwiese verfügt die Stadt auch über ein hervorragendes Areal für den Ruder- und Kanurennsport.

 

Die Stadt und ihre Sportveranstaltungen

Der neue Oberbürgermeister Joachim Wolbergs will Wert legen auf die Stützung der renommierten bisherigen Großveranstaltungen. Neben den 17 Heimspielen des SSV Jahn 2000 (als medienträchtigste Veranstaltungen anzusehen) sind dies:

 

die internationale Regensburger Leichtathletik Gala mit Regensburger Laufnacht
als qualitativ hochwertigste Veranstaltung (dritt-fünftbestes Leichtathletikmeeting in Deutschland, alljährlich

Anfang Juni stattfindend)

der Regensburg Marathon
als quantitativ größte Laufveranstaltung mit bis zu 8000 Teilnehmern

der Arber Radmarathon
als quantitativ größte Breiten-Radsport-Veranstaltung

der IRONMEN Regensburg,
als einzige Veranstaltung, die kommerziell von keinem Regensburger Veranstalter ausgerichtet wird

 

Die Leichtathletik Gala mit Laufnacht und der IRONMEN sind Veranstaltungen, die im hohen Maße auf Sponsoring angewiesen sind. Die Leichtathletik Gala mit Laufnacht braucht dazu einen Etat von 150.000 Euro. Um letztendlich an eine Direktübertragung im Fernsehen zu kommen, reicht diese Summe aber immer noch nicht aus. Empfehlenswert wäre hier von städtischer Seite ein Gremium, das diese Veranstaltungen ideell, zweckmäßig und finanziell unterstützt.

 

Die Stadt und ihre Leistungssport-Synergien

Fakt ist, dass der gehobene Leistungssport in der Stadt bisher nicht koordiniert ist und damit vor allem in der Nachwuchsförderung, im Sportstättenbereich und in der Öffentlichkeitsarbeit nicht vernetzt ist. Das Prädikat „Sportstadt Regensburg“ ruht daher eigentlich nur auf der Basis der Erfolge der einzelnen Sportarten, weniger auf einem leistungssportgerechten Verbundnetz. Dieses anzulegen, wäre ein Quantensprung im Bereich „Sportstadt Regensburg“ und hätte einen hohen Vorbildcharakter bzw. eine extrem gute mediale Öffentlichkeitswirkung. Fast alle Bausteine dazu sind vorhanden oder werden in den nächsten Jahren laut alter und neuer Stadtregierung entstehen.

Bausteine sind:

Vereine, die im Spitzensport Erfahrungen haben und Leistungsträger aufweisen
Sportstätten, die Training und Wettkampf auf Spitzenniveau zulassen
Sportinternate
Athletenhäuser
Sportbetonte Schulen
Kooperationen mit den Hochschulen, um Leistungssport günstige Studiengänge möglich zu machen
Ausbildungskooperationen mit Regensburger Wirtschaftsunternehmen, die Freistellungen für Training,

Wettkampf und Trainingslager ermöglichen
Sportärzte- und Physiotherapiepraxen, die mit dem Leistungssport kooperieren und vernetzt zusammenarbeiten
Leistungsdiagnostik, die im Spitzensport Erfahrungen hat
Sportstipendien

 

Wenn es gelingt, diese Bausteine sinnvoll zu verbinden, wird auch eine zielorientierte und nachhaltige Förderung des Regensburger Leistungssportnachwuchses möglich sein, um nachhaltig sportliche Botschafter aus dem Bereich (Hoch)leistungssport für die Stadt in der Stadt zu sichern und vor allem auch entsprechende Talente in den Standort Regensburg zu locken. Darum sollte sich ein Gremium kümmern, dass unter Leitung des neuen Sportreferenten die finanziellen Mittel zweckgebunden sinnvoll einsetzt. Auch der Gedanke einer neuen Sportstiftung mit dem Instrument eines Gestaltungsbeirates in Zusammenarbeit mit den führenden Wirtschaftsunternehmen der Stadt erscheint sinnvoll.


Die Vereine in einer Kurzansicht

Regensburg ist keineswegs nur SSV Jahn 2000. Trotzdem hat der Fußball natürlich einen medialen Vorsprung gegenüber allen Vereinen, weil mit dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaften in Deutschland in den nächsten Jahren ein Hype entstehen wird – auch wenn der Regensburger Traditionsclub nur in der 3. Bundesliga spielt. Langfristig hat sich der Verein natürlich angesichts des neuen Stadions den Aufstieg und ein dauerhaftes Verweilen in Liga 2 auf die Fahnen geschrieben. Sportlich höherwertige Leistungen kann zweifellos derzeit die Leichtathletik Gemeinschaft Telis Finanz liefern. Mit regelmäßig 4-5 deutschen Einzelmeistertiteln und zahlreichen internationalen Erfolgen haben sich vor allem die Läufer/Innen zu Deutschlands Nummer eins aufgeschwungen, obwohl es die Leichtathleten mit noch veralteten Trainingsstätten vor allem im Winter nicht gerade leicht haben. Der Club hält sein Niveau nun schon seit 15 Jahren, was ihm in dieser Zeit immerhin drei Olympiateilnehmer eingebracht hat. Eishockey ist in Regensburg trotz einer modernen Veranstaltungs- und Wettkampfhalle eine Problemsportart, wobei der Club weniger Probleme in der sportlichen Nachwuchsförderung als im wirtschaftlichen Bereich hat. Während die Nachwuchsmannschaften in der 1. Bundesliga und den Deutschen Meistertitel kämpfen, dümpelt das Profiteam derzeit nur in unteren Regionen herum. Die Leisetreter im Regensburger Leistungssport sind die Handballdamen des ESV 27 Regensburg, denen es seit Jahren gelingt, sich in der dritten Liga zu halten und erst kürzlich eine Jugend-Nationalspielerin herausgebracht haben. Nationalspieler haben die Buchbinder Legionäre genug, freilich in einer deutschen Randsportart. Da sind sie aber national die absolute Nummer eins und als Team wohl am besten durchorganisiert von allen Regensburger Vereinen.

 

Regensburger Sportstätten

Mit dem Westbad, der Donauarena und der Armin-Wolf-Arena verfügt Regensburg über 3 Sportstätten, die internationalen Standards statthalten. Das neue Fußballstadion ist mit 15.000 Zuschauerplätzen zwar nicht für Länderspiele der A-Nationalmannschaft ausgelegt, verfügt aber ansonsten über die erforderliche Infrastruktur für alle anderen Events auf internationaler Ebene. Nun soll eine neue Leichtathletikhalle auf dem Uni-Gelände gebaut werden. Würde es eine Veranstaltungshalle, hätte Regensburg in punkto Leichtathletik-Hallen in Bayern ein Alleinstellungsmerkmal. Das Uni-Stadion, das nach wie vor in Landesbesitz ist, ist derzeit veraltet und entspricht mit nur 6 Rundbahnen nicht dem Standard für nationale Nachwuchsmeisterschaften, obwohl alljährlich hier mit enormen technischen Zusatzaufwand eines der größten deutschen Leichtathletik-Meetings stattfindet. Das Städtische Stadion am Weinweg wurde 2013/14 generalsaniert, dient den Regensburger Leichtathleten als Haupttrainingsstätte, hat aber keinen Hallenanschluss und ist nur bis Landesmeisterschaften bedingt wettkampftauglich.  Ein eigentliches Sportzentrum gibt es in Regensburg nicht. Allein das idyllisch gelegene Kleinzentrum am Oberen Wöhrd verfügt über Trainingshallen-, Rundbahn- und Schwimmbadsynergien und sollte für Trainingszwecke unbedingt renoviert werden und vor allem modernisiert werden. Mit der Rundbahn am Kaulbachweg verfügt die Stadt über eine weitere Kunststoffanlage, wobei bei der Doppelbelegung durch den Fußball und die Leichtathletik zu Belegungskonflikten kommt, welche beide Sportarten bei einer professionellen Trainingsgestaltung nicht brauchen können. Den Kaulbachweg in Zukunft dem Fußball zu überlassen und die Leichtathletik bei Erneuerung der Bahn vor allem lauftechnisch auf den Oberen Wöhrd zu transferieren, wäre eine sinnvolle Maßnahme, weil dort in den jahreszeitlichen Übergangszeiten zwar alte, aber durchaus taugliche Hallen zur Verfügung stehen und die neue Leichtathletikhalle sowieso die gesamten Kapazitäten der Regensburger Leichtathletik nicht auffangen kann. Die von der Bundeswehr erworbene Kunststoff- Rundbahn ist wegen der fehlenden Infrastruktur für den Leistungssport ungeeignet.

 

Regensburger Sportinternate

Dem unternehmerischen Geist der jungen Führungscrew der Buchbinder Legionäre ist es zu verdanken, dass Regensburg bald ein modernes erstes Sportinternat haben wird. Den Zuschuss der Stadt insoweit mit der Bedingung zu belegen, dort auch Plätze für andere Sportarten außer Baseball einzurichten, ist ein strategisch richtungsweisender. Mit dem SSV Jahn 2000 will nun ein zweiter Regensburger Profiverein den Bau eines Sportinternats wagen. Es soll auf der der städtischen Sportanlage am Kaulbachweg entstehen. Auch hier sollen Plätze für Nachwuchssportler aus anderen Sportarten geschaffen werden. Einen Gestaltungsplan gibt es schon seit Frühjahr 2014. Da die Stadt mit hohen Zuschüssen am Bau der Internate beteiligt sein wird, hat sie sich auch Internatsplätze für andere Sportarten wie Baseball oder Fußball von den jeweiligen zukünftigen Bauträgern gesichert. Diese frei für den Hochleistungssport verwendbaren Internatsplätze könnten Teil eines neu entstehenden Sportstipendiums der Stadt Regensburg sein und somit talentierten Nachwuchsathleten/Innen mit Kaderstatus den Entschluss, in die Domstadt zu kommen, erleichtern.

 

Athletenhaus der Leichtathleten

Die LG Telis Finanz hat als Anschlussmöglichkeit an ein Sportinternat 2007 ein Pilotprogramm gestartet und ein Athletenhaus (Graßer Weg 9) gegründet. Dazu wurde ein Reihenhaus in Uni-Nähe angemietet, eingerichtet (Gemeinschaftsräume) und betrieben (Wasser, Strom, Heizung, Nebenkosten). Für etwas ältere Nachwuchsathleten, die als Studenten oder Auszubildende mit Abiturabschluss nach Regensburg kommen und sich als Leistungssportler der LG Telis Finanz Regensburg anschließen, ist dies ein weiterer Schritt von der doch engen Betreuung im Internat zur größeren Selbständigkeit, zum eigenverantwortlichen Handeln unter Aufsicht und zum letztendlich notwendigen Übergang in die totale Selbständigkeit als junger Erwachsener. Um den jungen Athleten das Zeitmanagement zu erleichtern, steht ihnen ein Vereins-Kleinbus zur Verfügung. Aus dem Athletenhaus sind bereits viele internationale Erfolge hervorgegangen. Das Haus ist derzeit mit 5 Athleten und einer Athletin voll besetzt. Die Verweildauer der jungen Athleten/Innen im Haus bewegt sich in einem Zeitraum bis zu 5 Jahren. Von der Erstbesetzung sind inzwischen alle ausgezogen und haben erfolgreich in ein individuell gestaltetes Leben gefunden.


Sportbetonte weiterführende Schulen, gedehnte Ausbildungsmöglichkeiten

Die Einführung der G8, aber auch die zeitlich stark begrenzten Bachelor- und Masterstudiengänge hat eine negative Wirkung auf den Leistungssport. Leistungssport, noch mehr der für Kaderathleten unabdingbare Hochleistungssport, fordert ein hohes Maß an Zeit für Training (bis zu 25 Stunden pro Woche), Wettkampf, physiotherapeutische Betreuung und Trainingslager. Die derzeitige Schulsituation wie auch Studiensituation lässt sich mit dem (Hoch)leistungssport nur noch schwer vereinen. In vielen Städten existieren inzwischen Schulen mit sportbetonten Klassen, die stundenplantechnisch den frühen Vormittag für spezifisches Grundlagentraining aussparen. Die Betreuung wird meist von Verbänden und Trainern aus den Leistungssport treibenden Vereinen übernommen, kann im Grundlagenbereich auch Sportart übergreifend sein. Anzustreben ist eine Eliteschule des Sports. Davon gibt es in der Bundesrepublik schon einige, unter anderem auch in Nürnberg und München. Diese Schulen sind bestimmten Standards unterworfen und ein Aushängeschild ihrer Stadt. Auch ein „gedehntes“ Abitur ist in einigen Bundesländern an sportbetonten Schulen möglich. Laut Auskunft von DLV Präsident Dr. Clemens Prokop bieten auch deutsche Unis inzwischen gedehnte Studiengänge für Spitzensportler an. Gespräche dazu zwischen Dr. Prokop und der Regensburger Universität hat es schon gegeben. Umgesetzt ist aber in Regensburg keines dieser Leistungssport fördernden Ausbildungssysteme.


Ausbildungskooperationen mit Regensburger Wirtschaftsunternehmen

Am Ende einer spitzensportlichen Entwicklung wird immer der professionell arbeitende Hochleistungssportler stehen, der sich dann ausschließlich nur noch mit seiner sportlichen Betätigung beschäftigt. Alle daran beteiligten Organe stehen allerdings in der Verantwortung, den jungen Sportlern Ausbildungen für ihr Leben nach dem Sport mit auf den Weg zu geben (dualer Sport). Viele junge Abiturienten entschließen sich immer mehr, nicht zu studieren, sondern einen ganz normalen Ausbildungsberuf für ihre Zeit nach dem Sport zu erlernen. Ein volles Ausbildungsverhältnis mit 35-40 Wochenstunden und den entsprechenden Seminaren, beziehungsweise Berufsschultagen lassen dagegen Leistungssport nur im beschränkten Maße, Hochleistungssport eigentlich überhaupt nicht zu. Mit Corinna Harrer, der 1500m-Halbfinalistin von Olympia 2012, und einem jungen behinderten Kanuten hat die Sparkasse Regensburg inzwischen einen Leistungssport berücksichtigenden Ausbildungsversuch gestartet. Ein Pool an geförderten Ausbildungsplätzen bei den verschiedensten Regensburger Wirtschaftsunternehmen wäre ein Quantensprung für den Hochleistungssport in Regensburg. In Berlin existiert bereits ein inzwischen völlig von der betrieblichen Arbeitszeit abgekoppeltes Ausbildungssystem, das den Transfer der jungen Sportler auch in andere Städte zulässt. Verhandlungen der Stadt Regensburg mit geeigneten Betrieben in Regensburg wären wünschenswert. Die geförderte Ausbildung könnte Baustein eines Regensburger Sportstipendiums sein.

 

Ein Netzwerk Regensburger Physiotherapeuten, Sportärzte und Leistungsdiagnostiker

Im Grunde hat die Stadt Regensburg im Bereich der Sportmedizin, der Physiotherapie und der Leistungsdiagnostik alles, was der Hochleistungssport braucht. Partiell nützen die Leistungssport treibenden Vereine schon Kooperationen mit einschlägigen Instituten, Praxen und Spezialisten. Ein übergeordnetes Netzwerk mit der Zielsetzung „Bundesleistungszentrum“ oder sogar „Olympiastützpunkt“ mit der Überschrift „Regensburger …“ gibt es derzeit noch nicht. Ein kooperatives Vorgehen aller in Regensburg Leistungssport treibenden Vereine in dieser speziellen Zielsetzung wäre ökonomischer und wesentlich zielführender.


Sportstipendien

Im Koalitionsvertrag der Regensburger SPD mit den anderen Parteien zur neuen städtischen Koalition 2014 wurde der Begriff „Sportstipendium“ in die Agenda mit aufgenommen, aber noch nicht genauer definiert. Es sollte sich dabei keineswegs um eine ausschließlich finanzielle Zuwendung an junge Leistungssportler handeln. Voraussetzung sollte ein Bundeskaderstatus junger Athleten/Innen bei einem zu erwartenden oder bereits vollzogenem internationalen Einsatz für die Bundesrepublik Deutschland sein.

Teile eines Sportstipendiums könnten sein:

Begünstigtes oder freies Wohnen in einem der entstehenden Sportinternate
Kostenlose sportärztliche Betreuung, Physiotherapie, Leistungsdiagnostik
Freier Zugang zu allen Regensburger Sportstätten, sofern der Trainingsbetrieb es zulässt
Verkürzte Arbeitszeiten in speziell für den Leistungssport bereitgestellten Ausbildungsverhältnissen
Ein angemessenes Taschengeld im Bereich von 300.- bis 500.- Euro pro Monat

 Die Gelder dafür könnten unter städtischer Regie von einer Stiftung erwirtschaftet werden, die von Regensburger Unternehmen finanziert wird. Es müsste ein Stiftungsbeirat, der eine Stiftungssatzung, über Aufnahmekriterien und Verteilungskriterien entscheidet, konstituiert werden. Der Stiftungsbeirat arbeitet dann ehrenamtlich und setzt sich aus Vertretern der Stadt und der Leistungssport treibenden Vereine zusammen.

 

 

Synergien zur Ausprägung bringen

Leistungssport ist im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte sehr komplex geworden. Früher hatte eine Mannschaft einen Trainer, heutzutage sitzen bei renommierten Mannschaften gleich mehre Coaches auf der Bank, vom Konditionstrainer, über den Torwarttrainer bis hin zum Cheftrainer. Komplexes Hochleistungstraining ist unmöglich mehr nur noch mit einem Trainer zu bewältigen. Was für so manchen gut situierten Proficlub kein Problem darstellt, ist für Amateursportarten oft der gordische Knoten, den es zu lösen gilt. Synergien gilt es herzustellen, nicht nur in der sportlichen Unterweisung, sondern auch bei den Sportstätten und der Betreuung der (zukünftigen) Hochleistungssportler.
Einer dieser wichtigen Synergieorte könnte die neue Leichtathletikhalle werden. Sie könnte für eine professionell geführte Gruppe von sportartenübergreifenden Leistungsgruppen eine bedeutende Rolle spielen. Gehen wir einmal davon aus, dass diese Gruppe morgens und abends trainiert, in einem Sportinternat oder Athletenhaus untergebracht ist und eine sportbetonte Schule besucht oder ein gefördertes Ausbildungsverhältnis hat, kann sie in der Halle zum gemeinsamen, am Morgen stattfindenden Grundlagentraining zusammengeholt werden. Zur Betreuung stehen dann professionelle Trainer aus den einzelnen Sportarten zur Verfügung, die es im Fußball und Baseball schon gibt, die in den anderen „olympischen“ Sportarten aber noch generiert werden müssen.
Da es sich bei der neuen Halle um eine „Leichtathletikhalle“ handelt, haben die dafür zuständigen Verbände schon mal nachgedacht. Regensburg steht im Fokus für ein Bundesleistungszentrum. Der Landesverband ist gewillt, eine hauptamtliche Trainerstelle in naher Zukunft nach Regensburg zu verlegen. Eine zweite halbe Stelle wird vom Bundesverband wahrscheinlich übernommen. Die andere halbe Stelle muss noch finanziert werde. Außerdem besteht Bedarf für die „Verwaltung“ der Halle, die unbedingt in vereinsunabhängigen Händen liegen sollte.Für die Stadt bietet sich derzeit durch das angekündigte Verbandsengangement eine einmalige Chance, die neue Halle auch gleich personell abzudecken. Damit wäre auch die Nachhaltigkeit in der Sportart Leichtathletik, vor allem in der Betreuung der Halle selbst, gesichert und sie würde nie als „nur städtische Trainingshalle“ degenerieren. Die Vorverhandlungen in dieser Angelegenheit sind schon so weit gediehen, dass persönliches Interesse bei einschlägigem Trainerklientel besteht, nach Regensburg zu kommen.