Eine Schulsportwende würde ganz Deutschland helfen      

Regensburg, 26. Januar 2015 (Lothar Pöhlitz) - Leider reagieren Regierung und ihre Innenminister nicht auf die auch aktuell wieder auf breiter Front warnend geführte Diskussion um die richtigen Bildungsinhalte in den Schulen, um das richtige Wissen, um die Übergewichte in allen Altersbereichen, um mehr Fitness und die beklagte gesunkene Leistungsfähigkeit unserer Kinder und Jugend. Auch wegen der in vielen Bereichen abgestürzten Leistungsfähigkeit der Nation, dem beklagten Leistungsniveau der Jugend für die Wirtschaft, der für die verlängernde Lebenszeit notwendigen Lebenstüchtigkeit, macht man sich sorgen.

 

 Auch aus der in vielen Sportarten nicht mehr gegebenen Konkurrenzfähigkeit im Sport mangels Nachwuchs kommen die Signale. Im Vordergrund stehen aber die alarmierenden, warnenden Meldungen der Ärzte zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Kinder, der Jugendlichen und der vielen sich langsam bewegenden Übergewichtigen auf den Straßen oder auch in den Betrieben. Sinkende Lebensqualität, steigende Krankheiten mit steigenden Medikamentenkosten und sinkender Lebenserwartung bilden eine Einheit. Die Entwicklung in den letzten Jahren macht deutlich, dass die Mehrzahl der Eltern mit solchen Aufgaben überfordert ist.
 

Natürlich würde es irgendwann in 10 Jahren oder später auch dem Sport helfen, wenn die Nation in allen Altersbereichen wieder leistungsfähiger und gesünder wäre. Für alle Lebensbereiche würde aber ein neuer Ansatz in der Bildung mit wieder mehr Bewegung unserer Kinder eine schnelle Wirkung zeigen.

 

Ziel: Erlerntes Wissen ein Leben lang fit und gesund anwenden zu können

Aktuell warnen Ärzte erneut und appellieren dass dringend etwas getan werden muss.  Nicht nur sie sollten sich um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Kinder und Jugendlichen sorgen, weil:

 

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 „Kinder verbringen heute einen großen Teil ihrer Freizeit vor dem Fernseher und dem Computer, die leider in vielen Kinderzimmern schon zur Standardausrüstung gehören. Diese Mädchen und Jungen bewegen sich nicht, sie bleiben im wörtlichen Sinn sitzen. Durch diese Phänomene sind Kinder in ihrer Entwicklung erheblich eingeschränkt und auch immer weniger belastbar. Natürlich kann Sportunterricht allein das nicht auffangen, aber er kann doch die Freude an der Bewegung und am Erleben des eigenen Körpers wecken. Darüber hinaus kann er Lust verstärken auch in der Freizeit mehr oder überhaupt Sport zu treiben.

 

Mehr Sportunterricht in der Schule ist deshalb für eine leistungsfähige Zukunft für jeden Einzelnen unverzichtbar. Bewegung, Spiel und Sport sind zentrale Bestandteile der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen. Sie können darüber hinaus dazu beitragen, ein positives Klassen- und Schulklima zu schaffen und bieten den Schülerinnen und Schülern eine hervorragende Möglichkeit, sich mit ihrer Schule zu identifizieren. Und die Schule hat eine Chance, ihr Profil zu stärken: Sportunterricht ist ein Kernelement positiver und nachhaltiger Schulentwicklung“ (Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner - Berlin 2007)

 

„Sport hat enorme Vorteile für die psychische Gesundheit: Er hebt die Stimmung, erhöht die Stressresistenz, verbessert das Gedächtnis und verlangsamt den Rückgang von kognitiven Fähigkeiten mit dem Alter“ (Prof. Dr. Siegrid Löwel - Uni Göttingen). Wie Bildung Teil deutscher Kultur ist, ist Schulsport Teil der Schulbildung. Wir brauchen deshalb wieder mehr Bewegung in der Bildung.

 

Als Urvater der modernen Auffassung von Bildung gilt wohl Wilhelm von Humboldt, der zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert Bildung als „die Anregung aller Kräfte des Menschen definierte, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“.

Betrachtet man also Bildung als Prozess der Individualisierung zur Entwicklung aller Kräfte, müsste Schulbildung wieder mehr werden, als die Aneignung von Wissen im Sitzen. Zur Ausprägung einer Persönlichkeit sind auch die Sicherung der Gesundheit, Chancen gegenüber den künftigen Anforderungen der Gesellschaft zu bestehen und auch der Entwicklung von individuellen Talenten bedeutend. Im Gegensatz zur derzeitigen Bildungspraxis wird im Prozess der Individualisierung, durch den der Mensch seine Gesamtpersönlichkeit ausbilden könnte, der Bewegung, der Fitness dem sportlichen Talent nur eine kleine Nebenrolle zuerkannt. In den Ganztagsschulen könnte darauf wieder mehr Gewicht gelegt werden.

 

Der herausragenden Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Entwicklung des Menschen sowie seine Gesunderhaltung wird Rechnung getragen, indem das Schulgesetz Sport und Gesundheit im Rahmen eines komplexen Bildungsauftrages zu unverzichtbaren Erziehungszielen erhebt: „Schulische Bildung und Erziehung sollen die Schülerinnen und Schüler insbesondere befähigen, (...) ihre körperliche, soziale und geistige Entwicklung durch kontinuierliches Sporttreiben und eine gesunde Lebensführung positiv zu gestalten sowie Fairness, Toleranz, Teamgeist und Leistungsbereitschaft zu entwickeln“.

 

Der Sportunterricht ist also unverzichtbar für die Vermittlung elementarer Kulturtechniken und damit für die Förderung der Handlungskompetenz. Gerade angesichts des aktuell fortschreitenden Bewegungsmangels scheint es angezeigt die Bewegungszeiten der Schüler auszuweiten und die Qualität der schulischen Bewegungsangebote wieder schrittweise zu verbessern. Auch aus der Sicht der zukünftigen internationalen Konkurrenzfähigkeit des deutschen Sports ist mangelnde Bewegung im Prozess der Bildung gegenüber früher ein wichtiger Grund, warum man sich nicht nur über die Gesundheit unserer Schüler und ihre ungenügende Fitness sondern auch über den Niedergang deutscher Nachwuchsleistungsfähigkeit in vielen Sportarten sorgen muss. 

 

Der Schulsport schult also auch den Charakter, entwickelt die Persönlichkeit und fördert das Selbstwertgefühl, aber nur wenn angemessene Einwirkungen wie beispielsweise 4 x 90 Minuten wöchentlich schon im Kindesalter den im letzten Jahrzehnt sich massiv manifestierten Bewegungsmangel wenigstens ein klein wenig ausgleichen würden. Dafür sind die Politik, unsere Regierung mit ihren Innenministern an der Spitze und die Landesregierungen zuständig!


In Schweden durch mehr Bewegung bessere Noten

Eine Studie der Universität Göteburg (Schweden) mit etwa 2000 Zwölfjährigen wies nach dass nur zwei Stunden mehr körperliche Aktivität pro Woche bei Kindern die Leistungsergebnisse in der Schule verbessern. Sie verglichen die Ergebnisse vier Jahre bevor und fünf Jahre nachdem der „Zusatzsport“ durchgeführt wurde in den Fächern Schwedisch, Englisch und Mathematik. In der Zeit der zusätzlichen Bewegung verdoppelte sich bei den Kindern die Chance die Lernziele zu erreichen! (Quelle: Umschau)

 

Nur in einem gesunden, leistungsfähigen Körper wohnt ein gesunder Geist!