Franziska Reng stellt Telis Neuzugang Anja Schneider vor

SchneiderAnja1 KiefnerfotoRegensburg, 17. Februar 2015 (Franziska Reng) - Es gibt wahrscheinlich kaum eine bessere Methode, innerhalb kurzer Zeit so viel über einen Menschen zu erfahren, als beim Laufen. Deshalb begleiten wir heute Telis-Neuzugang Anja Schneider bei einer regenerativen Trainingseinheit, um sie ein bisschen besser kennenzulernen. Wir haben uns einen 10-Kilometer-Rundkurs ausgesucht, denn diese Strecke kann sie sowieso besonders gut, wie sie nicht zuletzt bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften in Düsseldorf unter Beweis gestellt hat: Dort belegte sie mit einer Zeit von 34:54min den 7. Platz in der Frauenwertung. Wir hoffen also, dass ihr Tempo für einen lockeren Dauerlauf nicht trotzdem zu schnell für uns ist – so ganz außer Atem fällt es nämlich schwer, ihr all unsere Fragen zu stellen.

 

 

Kilometer 1
Das Wetter meint es heute auf jeden Fall gut mir uns: Die Temperaturen sind für diese Jahreszeit gar nicht so frisch und es weht zwar ein bisschen der Wind, aber dafür haben wir strahlenden Sonnenschein. Alles in allem also gute Bedingungen für einen Start in einen entspannten Dauerlauf.


Wie war das denn eigentlich bei dir, Anja? Wie hat für dich alles angefangen? Wie bist du zum Laufen gekommen?
Ich hab‘ eigentlich schon immer Sport gemacht, ein bisschen Joggen oder Volleyball. So richtig leistungsorientiert trainiere ich erst seit 2007. Damals wollte ich gleich Marathon laufen, mein damaliger Coach hat mich aber zuerst auf die Mittelstrecken geschickt. Ich habe bei DJK Weiden angefangen, das war ganz in der Nähe meiner Heimat. Ursprünglich komme ich ja aus der Oberpfalz, genauer gesagt aus Ursensollen bei Amberg.


Kilometer 2
Das hätte man ja gar nicht geahnt: Du kommst nicht nur aus Bayern, sondern bist sogar eine echte Oberpfälzerin. Na dann ist Regensburg als neuer Verein ja im wahrsten Sinne des Wortes ganz naheliegend für dich oder?

Naja, momentan wohne ich in Bayreuth, das ist jetzt kein Katzensprung nach Regensburg. Aber es ist vor allem für mich und meinen Freund Marco mehr oder weniger eine „Mittellösung“, da er in Kulmbach arbeitet und ich in Nürnberg. Hier in Franken gefällt es uns aber auch ganz gut. Natürlich wäre es praktischer, nicht so weit…


Kilometer 3
Wir werden abrupt in unserem Gespräch unterbrochen, da uns plötzlich ein paar Radfahrer überholen. Wir haben sie gar nicht gehört, aber jetzt rauschen sie an uns vorbei und wir weichen lieber ein bisschen zur Seite aus. 


Machst du eigentlich auch noch andere Sportarten, Anja? Sowas wie Radfahren?
Ja, ich bin tatsächlich manchmal mit dem Mountainbike unterwegs. Das macht mir echt Spaß, allerdings ist das ja auch ein bisschen gefährlich. Ich gehe deswegen als Ausgleich zum Laufen öfter mal Aquajoggen. In Bayreuth haben wir ein gutes Schwimmbad mit einer 50-Meter-Bahn. Meistens begleitet mich eine Freundin: Sie schwimmt und ich laufe - nur eben im Wasser. Jetzt im Winter bin ich auch ab und zu auf dem Laufband, wenn draußen nicht so gute Bedingungen sind.


Kilometer 4
SchneiderAnja2 KiefnerfotoDas kam in den letzten Wochen ja doch ein paar Mal vor. Wir sind gerade auch auf einem Teil der Strecke, an dem Eis und Schnee noch nicht weggeräumt wurden. Man muss wirklich aufpassen, dass man nicht stürzt. Gerade jetzt im Winter ist die Verletzungsgefahr durch Glätte und Dunkelheit ja nicht zu unterschätzen…
Da habe ich bisher Glück gehabt. Mein Freund Marco dagegen hatte vor ein paar Jahren Knieprobleme und deshalb mit dem Laufen als Leistungssport aufgehört. Früher ist er Marathon gelaufen, so haben wir uns ja auch kennengelernt. Jetzt ist er aufs Mountainbike umgestiegen. Deswegen ist er aber noch lange nicht raus aus dem Lauf-Geschehen: Er schreibt nämlich meine Trainingspläne und ist mein eigener Coach. Das ist wirklich optimal, da wir jede Einheit absprechen und er immer darauf eingehen kann, wie es mir an dem jeweiligen Tag geht, oder welche anderen Termine ich noch habe. Wir sind ein super eingespieltes Team. Und wenn es sich einrichten lässt, läuft er gerne mal mit, begleitet mich mit dem Rad oder wenn es vom Wetter eben nicht anders geht, trainieren wir gemeinsam im Keller: Ich am Laufband, er am Spinningrad.


Kilometer 5
Klingt ja wirklich nicht schlecht. So schafft man es bestimmt besser, den Beruf, das Laufen und alles andere, was noch ansteht, unter einen Hut zu bekommen oder? Braucht man da überhaupt noch die Unterstützung durch einen Verein?
Auf jeden Fall! Natürlich können wir auf unsere Weise sehr individuell trainieren, aber es macht doch trotzdem immer noch am meisten Spaß, wenn nicht nur Trainer und Sportler ein Team sind, sondern wenn da noch andere „Gleichgesinnte“ sind. Man fährt gemeinsam auf Meisterschaften, kämpft für dasselbe Ziel und am Ende kann man eine tolle Mannschafts-Leistung bringen. So etwas spornt mich immer besonders an.


Kilometer 6
Während Anja so von den Wettkämpfen spricht, bekommt man fast das Gefühl, dass sie ganz unbewusst das Tempo beschleunigt. Auf jeden Fall ist ihr anzumerken, dass ihr das Laufen einfach unheimlich viel Freude macht. Sie ist gut gelaunt und es besteht kein Zweifel: Die 28-jährige ist in Top-Form. 


SchneiderAnja3 KiefnerfotoGab es nicht auch mal Momente in deiner sportlichen Karriere, in denen du nicht so motiviert warst, Anja? Momente in denen du sogar ans Aufhören gedacht hast?
Tatsächlich hatte ich vor ein paar Jahren mal so eine Situation: Ich wurde 2012 bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 Kilometer überraschend Vierte hinter Sabrina Mockenhaupt, Corinna Harrer und Lisa Hahner. Da war ich natürlich unheimlich stolz, aber auf der anderen Seite wusste ich nicht so genau, was ich jetzt noch erreichen kann. Für mich war das damals irgendwie die größte Leistung, die ich mir vorstellen konnte. Ich habe dann auch wirklich ein Jahr lang nicht mehr leistungsorientiert trainiert. Aber irgendwann kam da der Moment, in dem ich mir dachte: Eigentlich wollte ich doch schon immer einen Marathon laufen. Und das war dann mein Ziel, meine neue Motivation, durch die ich wieder angefangen habe, auf etwas hin zu trainieren. Letztes Jahr bin ich dann zum ersten Mal den Hamburg Marathon gelaufen und das hat so viel Spaß gemacht! Mir ging es wirklich 40 Kilometer lang gut. Danach hatte ich zwar ein bisschen Seitenstechen, aber ich glaube, das ist kein Grund, sich zu beschweren. 


Kilometer 7
Anja beschwert sich sowieso über gar nichts. Nicht einmal darüber, dass die Strecke jetzt ganz schön steil wird und wir einen kleinen Berg hinauf laufen. Natürlich läuft Anja viel lieber auf ebenem Asphalt als im Gelände, aber auch einem Straßenläufer können ein paar „Höhenmeter“ nicht schaden, im Wettkampf zahlt sich das bestimmt aus. 


Was bist du eigentlich für ein Wettkampf-Typ? Bist du sehr nervös oder eher entspannt?
Das kommt darauf an: Früher als ich noch viel Mittelstrecken gelaufen bin, konnte es schon passieren, dass ich in den Vorläufen ziemlich angespannt war. Da mag ich die Langdistanzen viel lieber: Man läuft nur ein Rennen, in dem man einfach alles gibt. Wenn ich weiß, dass ich gut vorbereitet bin und die Trainingswerte passen, gibt es dann auch gar keinen Grund zur Aufregung. Deswegen mache ich aber auch nicht zu viele Wettkämpfe, sondern Marco und ich suchen uns bestimmte Starts aus und trainieren dann gezielt darauf hin. Es macht ja keinen Sinn, eine Langdistanz zu laufen, wenn man nicht absolut fit ist.

 

Kilometer 8
Da hat Anja sicherlich Recht – und wir haben auch endlich das steile Stück hinter uns gelassen. Ein kurzer Blick über die Schulter:

 

SchneiderAnja4 KiefnerfotoManchmal macht es einen doch stolz, wenn man sieht, was man gerade geschafft hat. Wie geht es dir da, Anja, wenn du mal zurückblickst? Was sind deine größten Erfolge? Oder worauf bist du besonders stolz?
Das war natürlich der vierte Platz bei den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer vor drei Jahren. Aber auch mein erster Marathon im letzten Jahr war ein echter Höhepunkt. Ein Rennen, an das ich ebenfalls gerne zurückdenke war mein allererster bayerischer Meistertitel. Damals bin ich auf der Ziellinie gestürzt und es gab ein Foto-Finish zwischen mir und Christiane Danner. Letzten Endes haben wir dann beide die Goldmedaille bekommen. Am schönsten ist es jedenfalls immer dann, wenn meine ganze Familie dabei ist. Ich habe meistens einen richtigen „Fanclub“, der mich anfeuert. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn viele Leute zuschauen. Da habe ich zum Beispiel auch gute Erinnerungen an die Sparkassen Gala in Regensburg: Ich bin damals 1500m gelaufen und im Stadion war eine super Stimmung!


Kilometer 9
Dass es in Regensburg viele Sportbegeisterte gibt, haben wir auch schon während der vergangenen Kilometer gemerkt: Wir begegnen vielen anderen Läufern oder Spaziergängern, die uns anerkennend zunicken. Kein Wunder, dass es jedes Jahr so viele Zuschauer ins Uni-Stadion treibt.

 

Bist du durch die Sparkassen Gala auch auf die LG Telis Finanz aufmerksam geworden?
Naja, das ist ja jetzt schon ein bisschen her und mittlerweile starte ich ja nicht mehr so oft über 1500m. Aber natürlich ist mir Regensburg deshalb schon lange ein Begriff. Nach meiner Zeit in Kassel, wollte ich jetzt einfach gerne wieder bei einem bayerischen Verein sein. Und wo sollte ich als Läuferin denn lieber hingehen, als zur LG Telis Finanz? Ich freue mich schon, demnächst im blauen Trikot zu starten.


Kilometer 10
Auch wir freuen uns darüber, dass Anja zu uns gestoßen ist und obwohl das Laufen mit ihr viel Spaß macht, neigt sich unser Rundkurs dem Ende zu: In der Entfernung ist schon wieder unser Startpunkt zu erkennen. 


Und wie sieht es bei dir aus, Anja? Was sind deine nächsten Ziele? Wo soll es diese Saison bei dir hingehen?
Als Nächstes steht da in erster Linie die Deutsche Halbmarathon-Meisterschaft auf dem Plan. Eine Crosssaison habe ich heuer keine geplant, werde aber auf jedem Fall trotzdem dem Telis-Team bei der Cross-DM zur Verfügung stehen. Stattdessen konzentriere ich mich vorrangig auf die Straßenläufe. Ich möchte diese Saison auch unbedingt den Hamburg Marathon laufen, das ist ja gar nicht mehr so lange hin. Aber ich freue mich jetzt schon auf die ersten Wettkämpfe! Vielleicht ist bei dem ein oder anderen ja eine Podest-Platzierung dabei – am liebsten natürlich mit meiner neuen Mannschaft! 


Wir sind jetzt am Ziel angelangt. Schade eigentlich, aber eines steht ja zum Glück fest: Laufend werden wir Anja von nun an noch oft zu Gesicht bekommen.

 

Athletenprofil Anja Schneider

 

800m 2:10.52 Neustadt (GER) 08.07.2011
800m in der Halle 2:11.71 Fürth (GER) 08.01.2012
1500m 4:27.03 Kassel (GER) 24.07.2011
1500m in der Halle 4:31.34 Fürth (GER) 22.01.2012
3000m in der Halle 9:37.76 Leipzig (GER) 26.02.2011
5000m 17:36.40 Wetzlar (GER) 18.08.2012
10 km Straße 34:53 Nagold (GER) 16.09.2012
Halbmarathon 1:19:08 Freiburg (GER) 06.04.2014
Marathon 2:48:13 Hamburg (GER) 04.05.2014

 

Newstelegramm

Regensburg, 02.12.18
Intersport-Tahedl-Nikolauslauf
Ausschreibung


Berlin, 31.-31.12.06
Silvesterlauf Berlin
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