Regensburg, 23. Februar 2015 (Kurt Ring) - „Innovative Formate seien notwendig, um die Attraktivität der Leichtathletik weiter zu steigern. Beispiele seien die Team-Challenge "Berlin fliegt!" vor dem Brandenburger Tor oder auch der Weitsprung im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in der clubers.net-Arena auf dem Nürnberger Hauptmarkt. Neue Wege könnten die Traditionssportart sinnvoll ergänzen“ lässt die verbandsinterne PR-Maschine leichtathletik.de verlauten. „Insgesamt halte er eine Hallensaison wegen der Vielfalt an Reizen bei einem Großteil der DLV-Athleten für sinnvoll“, sagte der DLV-Cheftrainer, „Aktivitäten müssten aber individuell abgestimmt und gesteuert werden. Das Interessante an Meisterschaften sei der offene Wettbewerb. Tagesform und die Umsetzung in der Auseinandersetzung Athlet gegen Athlet seien das, was zählt. Vieles lasse sich in Trainingssituationen nur bedingt simulieren“, sagt Cheftrainer Idriss Gonschinska. Was er genau damit meint ist nicht so recht klar. "Dieses Event ruft nach mehr", schwärmt Präsident Dr. Clemens Prokop am Rande der nationalen Titelkämpfe in Karlsruhe. "Warum nicht eine Bewerbung für eine Hallen-Europameisterschaft? Mit dieser Bahn, dieser Messehalle, dieser Infrastruktur, dieser Tradition."

 

Euphorie pur in einem Prozess der ganz kleinen Schritte, weitgehend unter Ausschluss der medialen Öffentlichkeit. Während auf den öffentlich-rechtlichen Sendern die Nachmittage derzeit dem Wintersport mit einem wahren WM-Dauerfeuer über weit mehr als vier Wochen gehören, hat man unter Verlust einer weiteren Leichtathletikhalle ein weiteres Provisorium geschaffen. Patchwork eben, wie so vieles im Veranstaltungsbereich der deutschen Leichtathletik. Eine gekaufte, ausgediente Bahn aus dem Göteborger Scandinavium, vier mit Industriestoff notdürftig verkleidete Stahlrohrtribünen, schlechte Akkustik, eine miserable Regie beim gemieteten livestream, ebenso schlecht postierte Anzeigentafeln und ein Wirrwarr von Menschen, Material und Technik im von Haus aus knapp bemessenen Innenraum sind dann Attribute, die man nicht gerne hört. Die Halle selbst steht in einer industriellen Pampa weitab von urbaner Infrastruktur.

 

Zudem reden AG Sport und AG Wettkampfwesen derzeit wohl wenig miteinander, was nicht immer zum Wohle der Gesamtleichtathletik ist. Jedenfalls sind geballte Entscheidungen auf der kurzen Zielgeraden, die publikumsbezogen hauptsächlich optimal nur von den Medienvertretern und den VIP’s einzusehen ist, nicht gerade leicht überschaubar. Weder vom allgemeinen Publikum, noch von den Kommentatoren oder der Hallenmoderation. Innovativ ist dann ganz schnell verwirrend, wenn eingestreute Athletenverabschiedungen, Gratulationsrunden für Athleten des Jahres und sonstiger Kleinkram dem eigentlich Wesentlichen, den Finals, im Wege stehen. Professionelle Inszenierung ist jedenfalls etwas anderes.

 

Karlsruhe in Anbetracht der Leipziger Arena, der wohl einzigen für eine EM in Deutschland geeigneten Halle, so auf’s Schild zu heben, erscheint ein bisschen verwegen, auch dann, wenn die badische Metropole schier unglaublich viele Euros investiert hat. Patchwork bleibt eben Patchwork. Eine notdürftige Bekleidung für das Juwel Leichtathletik. Die Leichtathletik muss nicht anders werden, sie muss nur anders dargestellt werden. Eben Leichtathletik betont. Ein Finale, wie jenes der Männer über 1500m, braucht wenig Accessoires, schon gleich keine abgenützte Trendyware. Flott, fokussiert, sparsam, aber gezielt moderiert muss sie sein. Nicht alles durcheinander wie Weitsprung, Lauffinale und Platzinterview, sondern einprägsam, spannend und nacheinander, schön aufgeteilt in einem Vorkampfvormittag, einen Sprungnachmittag und einen Finalabend mit den Perlen der Laufbahn.