BLV-Vizepräsident Gerd Neubauer ist nach der Hallen-DM unzufrieden

Orth-Heim-Kock1 siegerehrung-DM-Halle15 KiefnerfotoRegensburg, 25. Februar 2015 (orv) - „Es war ein karger erster Tag für die bayerischen Sportler bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe: Kaum Endkampfteilnahmen und auch generell erschreckend wenig Athleten und Trainer aus dem Freistaat, die sich zum großen Stelldichein der bundesdeutschen Leichtathletik in der Karlsruher Messehalle eingefunden hatten,“ schreibt BLV-Pressewart Reinhard Köchl auf der Homepage des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes und ist am Ende der beiden Tage froh, dass wenigstens die Läuferinnen und Läufer aus den beiden Großvereinen LG Stadtwerke München und der LG Telis Finanz Regensburg 2 Titel und weitere 5 Medaillen in den Freistaat mitnehmen. Mit den Regensburgern Maren Kock und Florian Orth, sowie dem Münchner Clemens Bleistein dürfen drei davon auch zu den Hallen-Europameisterschaften nach Prag mitfahren.

 

 

In der Tat ist die Bilanz eines der größten deutschen Landesverbände bei diesen Hallenmeisterschaften erschütternd. 61 Nationenpunkte für die Plätze 1-8 (insgesamt 12 Platzierungen), davon 30 von den Regensburgern und 29 von den Münchnern sind unterm Strich zu wenig. Dahinter kommt ebenso wenig nach. Nur weitere 12 Athleten/Innen aus Bayern nahmen zusätzlich noch teil. Das ist gerade mal ein Teilnehmer pro Meisterschaftsdisziplin, wobei man nicht verhehlen darf, das das Gros der weißblauen Teilnehmer erneut aus den drei Großvereinen aus München, Regensburg und Fürth kommt und das übrige Bayern gerade noch 5 Athleten/Innen nach Karlsruhe schicken konnte.


BLV-Sportwart Gerd Neubauer ist aber nicht nur deswegen stark beunruhigt: „Unsere DM-Bilanz von Karlsruhe ist gewiss nicht schön. Was mich aber noch mehr stört, ist die fehlenden Qualitäten beim bayerischen Nachwuchs, auch in den Großvereinen. Schließlich bekommen wir durch deren Erfolge unsere Geldmittel für Trainerstellen und die übrigen Förderkonzepte im Verband.“ Es war nicht das erste Gespräch, dass der BLV-Mann deswegen mit dem Chefcoach der LG Telis Finanz Regensburg am Rande der Meisterschaften führte. „Wie können wir helfen? Uns wird erst jetzt bewusst, dass die Regensburger Nachwuchsläufer, jahrelang den Erfolg der bayerischen Nachwuchs-Leichtathletik mit bestimmt haben“, fragt Gerd Neubauer.


Schaut man sich das Regensburger Team der heutigen Zeit ein wenig genauer an, stellt man fest, dass neben den wenig übrig gebliebenen „Einheimischen“ hauptsächlich Athleten/Innen den Ton angeben, die aus anderen Landesverbänden zu den Domstädtern gestoßen sind. „Aus dem Fördersystem des Landesverbandes kommt jedenfalls keiner unserer Athleten, auch nicht die „Einheimischen“, resultiert Kurt Ring. Jahrelang wütet nun schon im Laufbereich ein harter Konkurrenzkampf der Läufergruppen um den leitenden Landestrainer Andreas Knauer mit den deutschen 800m-Meisterin Christina Hering und Fabienne Kohlmann und jener des Landestrainers Lauf Jörg Stäcker, der seit Jahren federführend die Athleten des LAC Quelle Fürth betreut, mit den Regensburgern bei deutlichen Vorteilen für die „Nicht-Subventionierten“


Ein echtes Konzept für die Nachwuchsförderung ist wohl dabei im Bereich Lauf auf der Strecke geblieben. So etwas wie im Fußball, wo man  beim abgebenden Verein stolz ist, wenn jemand vom „FC Bayern“ „abgeworben“ wird, gibt es in der Leichtathletik nicht. Die Ergebnisse der Deutschen Hallenmeisterschaften zeigen überdeutlich, dass es die „kleinen“ Vereine potentiell nicht schaffen, Talente bis zur Spitze zu. „Viele verkennen dabei, dass nationale Nachwuchsspitze noch lange nicht nationale Spitze im Hochleistungsbereich ist, wo ganz andere Trainings- und Wettkampfabläufe erforderlich sind“, sagt Telis-Teamchef Kurt Ring dazu.


Gerd Neubauer will umdenken, weil er umdenken muss, schon alleine aus Selbsterhaltungsgründen. Das Konzept für die Zukunft ist auch nicht so einfach von heute auf morgen zu entwickeln. Bis es dann deutlich sichtbar wirkt, werden Jahre vergehen. Mit Geld, wie es der ehemalige BLV-Präsident Karl Rauh mit dem Satz „wir haben in Bayern keine finanzstarken Vereine“ einmal formulierte, hat das derzeit nur am Rande zu tun. „Netzwerkarbeit wird gefragt sein und die beginnt am ehesten mit der Ausbildung von Trainern und Vereinsmanagern, die klare Zielsetzungen haben und bei denen alles nicht „immer nur Spaß machen“ muss. Nur über solche Struktursynapsen kann der Weg zumindest zum nationalen Erfolg führen“, sagt der Regensburger Coach dazu. Es wird nun vermehrt Aufgabe des leitenden Landestrainer im Allgemeinen und des Lauf-Landestrainers im Speziellen sein, diese Spezies von Menschen zu finden, zu begeistern, zu schulen und ihnen aber auch zu sagen, was an Leidenschaft, fachlicher Kompetenz und Leidensfähigkeit notwendig ist, wenn man nationale Spitze im Hochleistungsalter trainieren will. Bisher gelingt das in Bayern noch viel zu selten.