Scheck2 Cervia11 KosmiderfotoRegensburg, 18. April 2015 (Franzi Reng) - In jedem Verein gibt es sie: Menschen, die im Hintergrund bleiben und sich selbst am wenigsten herausstellen. Oft stemmen sie ohne großes Aufsehen die schwersten Aufgaben und sorgen dafür, dass alle Dinge so laufen, wie sie von den meisten als selbstverständlich angesehen werden.  Auch bei der LG Telis Finanz zeigt Doris Scheck schon seit etlichen Jahren tagtäglich verschiedenste Gesichter und übernimmt nicht nur eine Funktion, sondern unzählig viele auf einmal. Sie soll heute die Gelegenheit bekommen, davon zu erzählen.  An vielen Stellen hält sie sich auch hier bescheiden zurück, weshalb immer auch wieder ihr anvertraute Athleten/Innen etwas dazu sagen.

 

Das sagt sie zu ihrer Zeit als aktive Läuferin
Bis ich 24 Jahre alt war, war ich selbst auf Wettkämpfen aktiv. Ich habe damals in Kelheim mit der Leichtathletik begonnen und  bin dafür einmal wöchentlich 20 Kilometer mit dem Rad von zuhause ins Training gefahren. Später habe ich dann nach Regensburg zur jetzigen LG Telis Finanz gewechselt und mich vor allem aufs Laufen spezialisiert.  Als ich dann die Druckerei meines Vaters übernommen habe, ging das alles nicht mehr so leicht: Ich konnte nicht mehr so viel Sport treiben und gleichzeitig ein Unternehmen führen.  Aber auch wenn ich mich beruflich in eine andere Richtung orientiert habe: Anstatt selbst Leistungssport zu treiben, habe ich mich immer mehr im Übungsleiterbereich engagiert, denn immerhin hatte ich Sport studiert und wollte einfach weiterhin etwas mit leistungsorientiertem Sport zu tun haben. Breitensport war für mich irgendwie keine Option, da ich von Natur aus ein ehrgeiziger Mensch bin, der nach Erfolg strebt.

 

Das sagen Athleten dazu:
„Sie ist ja selbst absolut sportbegeistert und das Laufen hat für sie natürlich den höchsten Stellenwert. Ich glaube, wer nicht hundertprozentig laufbegeistert ist, könnte niemals so viel Zeit dafür opfern wie sie es tut“
 „Ich kenne sie noch nicht einmal seit einer Woche, aber ich hatte sofort das Gefühl, dass sie ist eine sehr willensstarke Person ist, die konsequent ihre Ziele verfolgt. Im Sport ist das ja eine wichtige Eigenschaft“

 

Zur Rolle der Trainerin …
Als Trainerin bin ich bei der LG Telis Finanz hauptsächlich für die Athletik und Koordination verantwortlich. Darüber hinaus greife ich meinem Mann Kurt Ring auch in manch anderen Bereichen unter die Arme. Das, was wir innerhalb der  letzten 15 Jahre aufgebaut haben, macht mich schon stolz. Wenn ich etwas mache, dann gescheit - und es ist eben einfach schön für mich mit jungen Menschen zu arbeiten. Ich möchte gerne mein Wissen an sie weitergeben und sie auf ihrem Lebensweg ein ganzes Stück lang begleiten, vielleicht ja bis ins Erwachsenenalter hinein. Selbstverständlich gibt es einen Unterschied zwischen jüngeren und älteren Athleten: Im Schüleralter brauchen die Sportler oft noch sehr umfangreiche Unterstützung. Später geht diese Hilfe mehr und mehr in Ratschläge über, die Menschen verändern sich ja auch im Laufe der Jahre und machen Fortschritte. Aber selbst mit 30 ist noch niemand perfekt, darum arbeite ich auch gerne mit erfahrenen Athleten zusammen.

 

Athleten äußern sich wie folgt:
„Sie macht Koordinationsübungen mit uns, Sprünge oder Fußgymnastik“
„Sie trainiert auch in erster Linie die Jüngeren. Also die, die in manchen Bereichen -  zum Beispiel technisch -  noch nicht so weit sind“
„Meine ersten Runden auf den Winzerer Höhen bin ich mit ihr gelaufen. Den Schwächsten und den Neulingen, die noch keinen Trainingspartner haben, zeigt sie erst einmal, wie es bei uns so abläuft“

 

Sich als Bezugsperson sehen …
Man muss als Trainer auf jeden Sportler eingehen. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich so nicht nur Fachwissen, sondern auch bestimmte Werte vermitteln kann. Ich versuche immer, mich in die Athleten hineinzuversetzen. Das kann auch manchmal sehr anstrengend oder sogar ein bisschen frustrierend sein: Man muss sehr viel „einstecken“  oder bekommt etwas zu hören, was vielleicht gar nicht so gemeint war. Man selbst hat dagegen selten jemanden, der einen in schwierigen Situationen umsorgt. Das kostet mich eine ungemein große Kraft. Ich merke ja oft, dass ich von den Jungen noch angehimmelt werde, dass sie mir noch alles glauben, was ich sage. Aber später hinterfragen sie dann das ein oder andere. Irgendwann begreift man dann einfach, dass jeder seine eigenen Wege gehen und sich entwickeln muss. Deswegen ist es für mich schon ein großer Gewinn, wenn ich Sportler in dieser Entwicklung unterstützen kann. Als Trainerin hat man da ja auch eine Verantwortung, die man nicht unterschätzen darf: Ich verbringen so viel Zeit mit Jugendlichen, da habe ich vielleicht wirklich einen prägenden Einfluss. Umso schöner, wenn Sportler mir im Gegenzug ihr Vertrauen schenken und mit Problemen zu mir kommen. So lernt man sich gegenseitig sehr gut kennen, mit guten und schlechten Eigenschaften.

 

Athleten meinen dazu:
„Mittlerweile habe ich meinen Lebensmittelpunkt nicht mehr in Regensburg und sehe sie nur noch ganz selten. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich immer zu ihr kommen könnte, wenn ich ihre Hilfe brauche, weil sie mich einfach so gut kennt“
„Sie versteht mich immer“
„Sie merkt sofort, wenn mir etwas nicht passt“
„Sie fragt auch einfach mal nach, wie es mir geht, wie ich mich fühle“

 

Die Organisatorin
Mein Organisationstalent hat mir wahrscheinlich der liebe Gott in die Wiege gelegt. Ich hab das einfach im Blut, ganz so wie mein Vater einst, oder auch meine Brüder. Es gehört einiges dazu, ein Trainingslager oder einen Wettkampf zu organisieren, aber da bin ich bin eben in meinem Element. Auch in meinem Betrieb, der Druckerei, müssen die Abläufe reibungslos funktionieren, da braucht man einfach einen gewissen Überblick und ein Gespür dafür, was wichtig ist.

 

Man schätzt das in Athletenkreisen:
„Wenn sie was anpackt, funktioniert’s einfach so, wie es sein soll. Sie ist diejenige, die im Verborgenen die Strippen zieht, damit alles klappt“
„Da gibt es Dinge von denen man denkt, es wären nur Kleinigkeiten. So etwas wie die Zimmereinteilung im Trainingslager: Sie zerbricht sich schon Wochen vorher den Kopf, damit jeder einen Partner hat, der zu ihm passt und alles harmonisch ist. Sie macht es jedem einzelnen recht – das ist absolut bewundernswert“

 

Die Unternehmerin
Wenn ich im Betrieb bin, kann ich mich nicht einfach nebenher mit dem Sport beschäftigen. Da muss ich mich schon voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren. Mir gelingt es aber zum Glück sehr gut meinen Beruf als Unternehmerin von meiner Tätigkeit als Trainerin zu trennen. Beim einen kann ich vom anderen abschalten.  Es lassen sich allerdings viele Parallelen zwischen den beiden Bereichen ziehen: Zum  Beispiel im Umgang mit Beschäftigten und Athleten in der Trainingsgruppe. Der Kontakt zu meinen Sportlern ist natürlich trotzdem um einiges persönlicher.

 

Auch Athleten fällt das auf:
„Es gibt Zeiten, da hat sie in der Druckerei alle Hände voll zu tun und hat super viel Stress. Das merkt man ihr schon an – aber irgendwie bekommt sie immer alles unter einen Hut. Und das ohne zu jammern“

 

Die Respektsperson
Ich investiere viel Zeit und Energie in die Arbeit mit den Athleten. Da hofft man selbstverständlich, dass das irgendwie geschätzt und gewürdigt wird. Wenn es dann doch mal Kritik oder Meinungsverschiedenheiten gibt, lasse ich aber immer mit mir reden. Kein Mensch der Welt ist fehlerfrei und man muss jeden so akzeptieren, wie er ist. Das gilt nicht nur für die Beziehung zwischen Trainer und Sportler. Auch die Athleten untereinander sollten tolerant und respektvoll miteinander umgehen, das ist mir sehr wichtig.

 

Man akzeptiert und achtet sie dafür:
„In der Umkleide hat sie ihren festen Stammplatz. Wenn neue Mädchen kommen, werden sie immer gleich vorgewarnt: Da solltest du deine Tasche nicht hinstellen, da ist reserviert“
„Im Trainingslager gilt die goldene Regel: Beim Morgenlauf hat sie die Pole-Position. Wer sich nicht beherrschen kann, muss ganz nach hinten“
„So richtig mit uns schimpfen kann sie irgendwie gar nicht. Aber sie redet uns ins Gewissen und sagt klar ihre Meinung – und sie hat ja meistens total Recht“

 

Die Vertraute
Es ist für mich das Schönste, wenn die Athleten mir ihr Vertrauen schenken.  Ich gehe gern auf die Menschen zu und versuche, ihre Probleme zu verstehen. Das muss man mit der Zeit lernen, für mich war das auch ein längerer Prozess. Man kommt ja nicht auf Anhieb mit jedem gleich gut zurecht. Aber nur wenn man ehrlich und offen miteinander sprechen kann, harmoniert eine heterogene Gruppe. Anders kommt man auf keinen grünen Zweig.

 

„Ich glaube jeder macht im Sport auch mal schlechte Zeiten durch. Da ist es einfach toll, wenn man Personen hat, die zu einem stehen. Sie hatte schon vom ersten Tag an ein unbändiges Vertrauen in mich und ist noch nie von meiner Seite gewichen, auch wenn ich mal Mist gebaut habe“
„Sie macht keine Unterschiede zwischen jung und alt, zwischen den ganz Unerfahrenen und den Top-Athleten, sie ist ein richtiger Kumpeltyp“

 

Die Seelendoktorin
Wenn ich mit Athleten zusammenarbeite, lerne ich sie kennen - mit all ihren guten und schlechten Seiten. Und wenn sie meine Hilfe brauchen, bin ich da. Ich bin wirklich jemand der immer sehr viel von sich gibt. Dass man nie gleichviel zurückbekommt und die eigenen Sorgen total beiseitelässt, ist nicht leicht. Manchmal fühle ich mich dann ein bisschen leer. Aber egal wo es gerade hakt, ich habe ein offenes Ohr für alle Sorgen. Mit jedem Umgang lernt man ja auch etwas Neues für sich – und daraus ziehe ich Erfahrungen verschiedenster Art, die mir dann selber auch weiterhelfen können: Ich lerne jeden Tag von meinen Athleten dazu. Manchmal setze ich mich einfach eine halbe Stunde an den Sportplatz und beobachte das Geschehen. Dabei kann man so vieles entdecken, ob sportlicher oder menschlicher Natur.

 

Was Athleten vor allem bei ihr schätzen:
„Als es mir bei den Deutschen so schlecht ging, da hat sie sich um mich gekümmert. Ich war echt enttäuscht von mir und sie hat mich getröstet“
„Als ich in Neustadt weinend ins Ziel gelaufen bin, hat sie mich einfach in den Arm genommen“
„Sie kümmert sich wirklich um alle Wehwechen. Ich erinnere mich, dass sie mir sogar einmal den Rücken massiert hat, als ich Schmerzen hatte – so herzensgut ist sie“

 

Eigentlich ist „Eine, die alles macht“ immer noch die falsche Bezeichnung für sie.  Alles machen und sich dafür feiern, entlohnen und loben lassen, das tun viele.  Sie ist vor allem „Eine, die alles kann“ und dazu auch noch „Eine, die alles schafft“- Am Ende bleibt uns deshalb nicht mehr, als mit unserem höchsten Respekt zu sagen:

Danke liebe Doris. Danke, dass du da bist!

 

(Zitate von Celine Drössler, Eva Schien, Alina Reh, Andrea Heuberger, Tim Englbrecht, Kilian Stich und Franziska Reng)