NDR setzt bei der Übertragung des Haspa-Marathons auf die falschen Pferde

Fluegel2-Steppke FrankfurtMarathon SchaakefotoRegensburg, 27. April 2015 (Ring) – Alles war vorbereitet vom NDR für die geplante Übertragung des Hamburger Haspa Marathons. Wie immer bei solchen Marathons glänzen vorne für deutsche Zungen unaussprechliche Läufer aus Ostafrika, die mit bis zu vier Tempomachern zu schnellen Zeiten gepeitscht werden sollen. Davon waren in Hamburg reichlich viele da. Das Wetter passte – es war Marathonwetter pur, kühl, relativ windstill und in weiten Teilen ohne Regen. Die „local heroes“ waren mit Sabrina Mockenhaupt, die jeder nur noch mit Mocki anspricht, und Marathondebütant Steffen Uliczka, dem schnellen Kieler, der nun auch auf der Marathondistanz nach Rio will, schnell gefunden. Die Einspieler dazu waren schon längst abgedreht nebst Sightseeing der designierten Olympiastadt 2024. Die Quote müsste also stimmen bei den Einschaltzahlen.

 

Leider läuft Sport nicht immer so, wie Fernsehleute es gerne hätten. Das mag bei Boxern noch gelingen, wenn der gewünschte Champion auf einen im Vorfeld hochgelobten Gurkenmann trifft und wie geplant dann auch gewinnt. Im Marathon ist es ein wenig unwägbarer. 42 Kilometer sind lang und deutsche Spitzenläufer/Innen in ihren Leistungen alles andere als stabil. So war denn der Auftritt von Mocki einfach nur schlecht und jener von Steffen Uliczka ging gleich ganz in die Hosen. Dies auch mal zu sagen, wäre schlicht und einfach die Pflicht des Chronisten, in diesem Fall jene der moderierenden Reporter, gewesen. Wer nach Rio will auf der olympisch längsten Laufdistanz, muss auch im Frühjahr 2015 mehr anbieten.

 

Der Versuch, den eigentlich besten Deutschen Julian Flügel so recht ins Bild zu bringen, war letztendlich ein ziemlich hilfloser. Eigentlich hätte man wissen müssen, dass man für jenen Hessen, der zwar noch keine Ausreißer Richtung zukünftiger Olympiaträume hatte, aber ansonsten auf der Marathondistanz im Bereich zwischen 2:14 und 2:15 extrem stabil ist, „moderationstechnisch“ einen Plan B gebraucht hätte, um den vielen Kennern der Szene am Ende die etwas zaghaften Erklärungsversuche für das individuelle Versagen von Mocki und Steffen Uliczka  ersparen zu können.

 

Wenigstens der Bildregisseur hatte beim Fraueneinlauf noch ein glückliches Händchen. Er hielt drauf für die aus ihren Möglichkeiten heraus überragend laufenden Anja Schneider, die sich in ihrem erst zweiten Marathonlauf um zwölf Minuten auf nunmehr 2:36:31 Stunden steigerte und damit ganz nah an die Zeiten der letztjährigen EM-Teilnehmerinnen Katharina Heinig und Mona Stockhecke herankam. Im Gegensatz zu Mockenhaupt, die Vollprofi ist und mit einer Heerschar von Tempomachern arbeitete, geht die Regensburgerin im normalen Leben einer Vollzeitbeschäftigung nach und muss Tag für Tag auch noch zwischen Arbeitsstätte und Wohnort pendeln. Dem Reporter war sie keinen Satz wert.

 

Marathon hat in Deutschland einen riesigen Background von über 20 Millionen ambitionierten Läufern und auch Hobbyläufern. Sie wollen bei solchen Übertragungen nur eins sehen: Wo und wie kommen die besten Protagonisten Deutschlands ins Ziel. Die Anzahl der unbedarften Zuschauer wird am Sonntagmorgen eh die geringere gewesen sein. Lauffans sind anders gestrickt als jene vom Fußball. Eher puristisch auf das eigentliche Geschehen fixiert ohne den üblichen Firlefanz. Es muss nicht Mockis Sensationslauf sein und auch nicht Steffen Uliczkas erster Schritt nach Rio. Sensationen nützen sich schnell ab, vor allem dann, wenn sie in Wirklichkeit gar nicht zu solchen taugen.