Ein Kommentar von MZ-Sportredakteur Claus-Dieter Wotruba

Regensburg, 8. Juni 2015 (MZ/Wotruba) – Sie kommen ins Ziel und schauen auf die Tafel. Stehen da nicht die gewünschten Zahlen, wird innerlich schon wieder ´das Ränzlein gepackt: Wo kann ich um Gottes Willen am besten schaffen, was alle von mir wollen, wenn ich zu dieser oder jener Meisterschaft will. Norm, Norm, Norm: Darüber ist erst zu lesen, dann sprechen die Stadion-Moderatoren ständig davon und im Ziel muss weiter aufgeklärt werden, warum es nicht geklappt hat, als dass gejubelt wird. Das Doofe daran: Sieger sind keine Sieger mehr, wenn sie nicht die passende Zeit liefern.

 

Läuft es blöd, hecheln sie ewig jener geforderten Norm hinterher – und sind platt, wenn es darauf ankommt. Zumal es ja besonders Lauf-Distanzen gibt, auf denen die Weisheit gilt: Olympiasieger oder Weltmeister wird nicht, wer Weltrekord rennt, sondern wer zur rechten Zeit an der rechten Stelle ist. Dieter Baumann (1992) oder Nils Schumann (2000) sind zwei der bekanntesten Beispiele für solche olympischen Gold-Besitzer. Dazu kommt, dass wir Deutschen unseren eigenen Tick haben: Nehmen wir die WM-Normen für Männlein und Weiblein über 1500m. Sie liegen sieben bzw. fünf Zehntel unter den geforderten internationalen Werten. Zehntel! Über 5000m Frauen ist es ein Sekündchen. Muss das sein? Die Regensburger monieren das und gelten oft als Motzkis. Aber nicht alle Vorgaben sind gut. In der Leichtathletik geht es um den Sieg. Oder wer weiß noch, welche Zeiten Baumann oder Schumann liefen?