Nationale Dominanz allein reicht aber nicht

Kock Harrer1 Sparkassengala15 KiefnerfotoRegensburg, 8. Juni 2015 (orv) – Die 1500m sind eine klassische leichtathletische Laufstrecke. Die 1500m sind in Deutschland derzeit im frühen Sommer 2015 eine Regensburger Strecke. Ganz oben stehen im nationalen Ranking sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern „Blaue“ der LG Telis Finanz. Bei den Mädchen ist das Bild besonders beeindruckend. Gleich vier Athletinnen stehen unter den besten Zehn mit Zeiten unter 4:20 und es könnten gut auch fünf sein, wäre Thea Heim derzeit nicht verletzt. Soweit die gute Nachricht.

 

Die besten Drei, Maren Kock, Corinna Harrer und Florian Orth wollen zu den Weltmeisterschaften. Dazu brauchen sie ganz bestimmte schnelle Zeiten. Man nennt das Normen. Um solche Zeiten zu rennen, braucht man Gegner, sehr starke Gegner. Im Alleingang geht das nicht und zu zweit auch nur dann, wenn sich eine als Häsin opfert. National gibt es da keine Möglichkeiten. Drei der vier besten deutschen Meetings mit Dessau, Rehlingen und Regensburg sind 2015 bereits Geschichte. Alle hatten 1500m Läufe im Programm und alle waren nicht gut genug für diese besonderen Zeiten, die man für Peking braucht. Das vierte Meeting wäre es. Das Berliner ISTAF findet aber erst nach den Weltmeisterschaften statt.

 

Jetzt beginnt sie also wieder die leichtathletische Quadratur des Kreises, zumindest jene bei den Läufern. Wo ist das internationale Rennen, in das man überhaupt reinkommt? Wird dann auch die Gegnerschaft für ein schnelles Rennen da sein und läuft sie dann auch schnell? Diamond league – ein No-Go. Nur in seltensten Fällen rutscht ein deutscher Athlet ins Feld. Fragt man den Deutschen Leichtathletik-Verband, erntet man ein Schulterzucken: Das ist euer Problem! Nationale Titelkämpfe, wie auch die Team-EM fallen ebenso aus – es sind immer taktische Läufe. Schön, wunderschön, Leichtathletik pur – aber eben ungeeignet.

 

Der inzwischen zurückgetretene Altmeister Carsten Schlangen hat sich in den letzten Jahren ob dieser Situation verweigert. „Ich hab die Schnauze voll von dieser Normenjagd. Dann sollen sie mich halt zu Hause lassen“, sein Fazit zum Ganzen. Das Ganze nimmt beizeiten skurrile  Formen an. Wie zum Beispiel 2014 über 5000m der Frauen. Die österreichische Meisterin und die beste Deutsche brauchten eine Norm. Die hatten sie bereits gelaufen, aber in gemischten Rennen mit Männern. Das zählt international aber nicht. Reine Frauenrennen gab’s aber in ganz Europa nicht mehr. Also mussten völlig unwichtige Süddeutsche Meisterschaften herhalten. Seltsamerweise werden dort Normzeiten anerkannt, obwohl sie im Normalfall eben nie gelaufen werden können.

 

Damals in Regensburg wurde kurzerhand eine ukrainische Tempomacherin gekauft. Die kostete mehr, als beide betroffene Athletinnen jemals als Preisgeld erhalten hatten. Die Hälfte bezahlte der österreichische Verband, die andere Hälfte der Verein der deutschen Athletin. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hielt sich vornehm zurück. Das Experiment wäre am Ende nicht gelungen, wenn man nicht ausnahmsweise die internationale Norm hätte gelten lassen. Sport ist das keiner mehr. Wie einfach ist da der Fußball: Das Runde muss in das Viereckige. Und wer das in 90 Minuten öfter schafft, hat gewonnen und wird gefeiert. Ganz gleich, ob er glänzend gespielt hat oder pottschlecht war. Sieg und Niederlage, eben ganz einfach.

 

Zuschauer honorieren solche Einfachheiten. Zahlenspiele mögen sie weniger. Vielleicht sind deshalb die Stadien bei den Fußballern voll und vielleicht würde bei den Leichtathletik-Meetings auch mehr Publikum ins Stadion strömen, wenn es zum Beispiel um’s Weiterkommen in eine nächste Runde ginge. Schließlich werden bei Meisterschaften auch Vorläufe ausgetragen und wer dort gewinnt, ist im Finale dabei. Das ist spannend. Das kann sich jeder normale Fan merken. Dazu braucht man keine Nominierungsrichtlinien auswendig lernen. Dann wären auch die 1500m Läufe bei der Regensburger Sparkassen Gala richtig schön gewesen. Erste Plätze für die lokalen Asse gegen richtig gute internationale Gegner mit richtig guten Zeiten. So ist es immer wieder die Pervertierung des eigentlichen sportlichen Gedankens: Athleten werden inzwischen lieber Neunter und Zehnter, Hauptsache die Norm ist da. Der Sieggedanke verkümmert.