Es gibt 2015 keine Deutschen Mehrkampfmeisterschaften

ZieglerSimon2 Kladno15 ZieglerfotoRegensburg, 1. Juli 2015 (Ring) – Trotz intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, einen Ausrichter für die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften der Klassen Männer/Frauen/U23 zu finden. Deshalb muss diese Meisterschaft im Jahr 2015 leider ausfallen. Diese beiden Sätze gestern auf leichtathletik.de hat Deutschlands Mehrkampfgemeinde ins Mark getroffen. Zumindest jene davon, die ihren Fokus nicht auf die kommenden Weltmeisterschaften, Götzis oder Ratingen legen konnten. Umso betrüblicher ist die ganze Sache, weil im Januar bereits die Meisterschaften in der Halle ausfielen. Der Frust sitzt also tief. Für den veranstaltenden Verband ist es zudem eine Bankrotterklärung im Veranstaltungsmanagement.

Mehrkampfmeisterschaften sind für örtliche Ausrichter von je her eine Herausforderung gewesen. Für relativ wenig Organisationsgebühren müssen bei jedem Athleten 10 Disziplinen abgearbeitet werden. Allein die Anforderungen an die Sportstätten sind enorme. Wer kann schon in seinem Stadionbereich 4 Stabhochsprunganlagen installieren oder drei Weitsprungbahnen, die parallel liegen. Der Aufwand an Spezialpersonal ist ebenfalls nicht unerheblich, weil Sprint, Hürden, Lauf, Sprung, Stoß und Wurf eben dementsprechend betreut werden wollen. Zudem werfen Deutsche Meisterschaften im Mehrkampf in der Regel keinen Gewinn ab, schon dann nicht, wenn der Austragungszeitpunkt im September so ungünstig liegt, dass praktisch alle Asse in schöner Regelmäßigkeit fehlen.

Ein uraltes Veranstaltungsmanagement mit einer Ausschreibung, vollgepackt mit immensen Forderungen an die Ausrichter (Landesverband und örtlicher Verein), x Bewerbungen und einer Gewinnverteilung im fifty-fifty-Modus für DLV und Ausrichter hat hier seine Grenzen erreicht und funktioniert nicht mehr. Es gibt definitiv keine Bewerbungen mehr dafür. Im althergebrachten Verbandsdenken ist so ein Fall einfach nicht vorgesehen. Eine bestimmte Ware der Spezies „Meisterschaften“ lässt sich nicht mehr verscherbeln. Ich weiß, verscherbeln ist ein hartes Wort, trifft aber den Kern der Sache. Außer bei den großen Meisterschaften im Stadion und denen in der Halle zeigen die Verantwortlichen wenig Begeisterung für den Rest.

Wenn man sie denn überhaupt will, muss gehandelt werden. Subventionieren wäre eine Möglichkeit, investieren in etwas, was die Athleten/Innen letztendlich brauchen. Einfach kapitulieren, ob nun nach einem oder auch mehreren Rettungsversuchen ist aber keine Lösung, schon gleich gar nicht, wenn es zum Regelfall zu werden scheint (siehe Halle). Es liegt wohl ein wenig an der alten Dame Leichtathletik selbst. Keine andere olympische Kernsportart ist so reformresistent. Um diese wird man aber in vielen Bereichen nicht herumkommen. Es ist fünf vor Zwölf und wenn jetz
t nicht kreativ und konstruktiv gehandelt wird, laufen die Uhren in der deutschen Leichtathletik schön langsam ab.

Wer dies nun als Schelte betrachtet, hat die Not der deutschen Leichtathletik in vielen Bereichen noch nicht richtig erkannt. Beispiel Laufen, auch in Deutschland eine Volkssportart mit vielen Fans: Wer die Übertragungen der Weltmeisterschaften im August mitverfolgen wird, wird bald feststellen, dass deutsche Läuferinnen und Läufer fast gänzlich fehlen werden. Beispiel Basisarbeit: In einem Land, in dem man inzwischen diskutiert, den elementaren Basisbetrag zu Laufen-Springen-Werfen in Form der Bundesjugendspiele abzuschaffen, hat die offizielle Leichtathletik immer noch kein überzeugendes Konzept für den Schulsport entwickelt. Beispiel drei: man weiß genau, dass Leichtathletik-Trainer immer weniger werden und schaut tatenlos zu.

Zum Schluss noch ein paar Sätze eines frustrierten Heimtrainers dazu: „Der Aufwand, den mein Athlet betrieben hat, sich für die DM zu qualifizieren und sich für den Jahreshöhepunkt seit Monaten vorzubereiten, war sehr, sehr intensiv und umfangreich. Den Athleten die deutsche Meisterschaft in einem Jahr gleich zwei Mal zu stehlen, ist nur mehr noch „ohne Worte. Trainiert mal alle fleißig, ordnet alles eurem Sport unter, vielleicht habt ihr 2016 mehr Glück! Mehr fällt mir dazu nicht mehr ein. Es gibt immer eine Lösung, wenn man will. Offensichtlich genügt es aber, dass die WM Starter durch sind, nach dem Rest kräht im DLV kein Hahn …“ Man muss ihn verstehen, wenn er darin „ein weiteres Armutszeugnis für die Leichtathletik und dem Verband“ sieht.