Amsterdamer EM 2016 ein teures Vergnügen für die Fans

Regensburg, 3. Juli 2015 (Ring) – 5-Tage Urlaub, vielleicht im sonnigen Süden all-inclusive sind derzeit zwischen 200 und 500 Euro jederzeit im Internet buchbar. Sogar eine Schiffsreise mit der Aida ist für 349 Euro dabei. Wer nächstes Jahr 5 Tage zu den Europameisterschaften nach Amsterdam will, muss schon ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Vor einigen Tagen ist das Angebot der „Freunde der Leichtathletik“ ins Haus geflattert. Ein rühriger Club eingefleischter Leichtathletikfans ist das, stets bemüht, seinen Mitgliedern Schnäppchen aus dem jährlichen Eventkalender anzubieten. Das gelingt ihnen auch meistens.

Fünf Tage Amsterdam inklusive der Leichtathletik-Europameisterschaften sind allerdings alles andere als ein Schnäppchen. Allein der Eintritt kostet auf den wenigen überdachten Plätzen eines uralten Olympiastadions 780 Euro. Wer es etwas billiger haben will, geht das Risiko ein, so manchen Wettkampftag vielleicht in der glühend heißen Sonne oder im strömenden Regen zu verbringen. Und Leichtathletiktage können lang werden. Allein der erste Tag dauert von 10.45 bis zirka 14.30 Uhr und von 15.30 Uhr bis 20.00 Uhr mit genau mal einem Finale über 10.000m der Frauen.

Die Leichtathletikwoche mit Anreise am Dienstag und Rückreise am Montag in einem Amsterdamer Hotel sollte noch einmal rund 500 Euro kosten, der Flug dorthin ungefähr 200 Euro, wenn man Glück hat. Essen gehen in holländischen Restaurants ist auch nicht ganz billig. Ich schätze, mit veranschlagten 50 Euro pro Tag braucht man sich dann nicht zu den Gourmets der holländischen Küche zählen.

Alles in allem kommt dann eine runde Summe von zirka 1600 bis 1800 Euro zustande. Zu sehen bekommt man dafür natürlich die schöne Stadt Amsterdam, sofern man bereit ist, die wertvolle tagesfüllenden Stadionaufenthalte zu minimieren, was bei verkappten Geizhälsen, zu denen wir Deutsche ab und an zählen, natürlich zum berechtigten Gedanken führt „wenn ich schon so viel Geld für die Tickets zahle, will ich auch alles sehen.“ Bei einem umgerechneten Tagespreis von mehr als 150 Euro durchaus verständlich. Und zu sehen bekommt man die Europameisterschaften „live“, deren Programmgestaltung immer noch so langatmig, wie das Amsterdamer Olympiastadion alt ist.

Amsterdam war eigentlich in unserem Kalender als Reiseziel ganz fett und rot angestrichen. Nicht nur deshalb, weil ich als Coach vielleicht wieder den einen oder anderen Athleten dabei haben werde. Ob ich meine Athleten dann auch mal sehe, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Inzwischen ist zwar der VIP-Bereich bei solchen Events so groß wie der Münchner Rangierbahnhof, dafür aber eine Fanmeile nicht vorgesehen. Wer will, kann sich ja am späten Abend die Zusammenfassung im Hotel noch anschauen oder mit dem Handy Verbindung zum Athletenblock aufnehmen.

350 Euro für all-inclusive im Viersternehotel auf den Kanaren oder der Türkei via Satelit-Übertragung der EM auf ARD/ZDF beziehungsweise Eurosport ist da nicht zu unterschätzen. Ich bin zwar ein glühender Leichtathletikfan und habe dafür in meinem Leben einiges in Kauf genommen, aber 1600 Euro für vielleicht 15 Stunden Livesport bei wenig Komfort und der geringen Wertschätzung, die einem vor Ort widerfährt, sind selbst mir schön langsam zu viel.