Der Präsident will sich zum „Offenen Brief“ nicht öffentlich äußern

Regensburg, 11. November 2015 (orv) – Der Offene Brief an Dr. Clemens Prokop blieb nicht lange ohne Reaktion. Schon knapp eine Stunde später landete das präsidiale Statement in der Mailbox von Kurt Ring. Darin stand, dass Dr. Prokop wohl bereit wäre, die Thematik im persönlichen Gespräch zu erörtern, er aber der Meinung ist, „dass offene Briefe anderen Zwecken dienten und er deshalb in dieser Form hierauf grundsätzlich nicht antworten würde“. Eigentlich schon schade, wenn man bedenkt, dass Leichtathletik Deutschland durchaus wissen will, wie er sich zur veränderten Lage in der Weltleichtathletik und damit zum unmittelbaren Zusammenhang der erweiterten Endkampfchance bei den nächsten Olympischen Spielen positionieren würde.

Heute schrieb Anno Hecker in einem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen denkwürdigen Satz: „Der Sport ist kein Privatbesitz von Funktionären. Er muss geschützt werden. Denn er gehört uns allen.“ Man kann hier ruhig weiterdenken: „Wenn der Sport wirklich allen gehört, sollten sich vor allem die Spitzenfunktionäre auch im Sinne ihrer Vertretungspflicht zumindest vor allen DLV-Mitgliedern äußern und zwar nicht mit einer Meinung, die ihnen persönlich in den Kram passt, sondern eben dem Grundtenor der (hier leichtathletischen) Meinung der Mehrheit entspricht. Spitzensport ist eben kein Catwalk für ehrgeizige Karriereziele einzelner eifriger Funktionäre.

Man kennt die drei siamesischen Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen! Wenn die Sache unangenehm wird, neigen Deutschlands Spitzenfunktionäre allzu gerne in diese Rolle zu schlüpfen, um mal zu sehen, wohin sich die Mehrheit wendet.  Dazu Anno Hecker in seinem Kommentar: „Selbst die Integren stützen mit ihrer Passivität den Verrat an den Werten des Sports. Man kann das hinnehmen und zuschauen, wie sich Sportorganisationen zugrunde richten.“ Man kann dazu aber auch klar Stellung beziehen, sozusagen in einer konstruktiven Kritik. Deutschlands Leichtathletik Funktionäre sollten genau hinhören. Viele Leichtathleten fühlen sich von ihrem Verband nicht mehr vertreten. Das BMI, der DOSB, die Sponsoren sind anscheinend wichtiger als die eigenen Mitglieder.