Ein Kommentar von Lothar Pöhlitz

Es wäre fatal diese knappe Olympia - Wahlniederlage der Bevölkerung Hamburgs anzulasten. Sie wiederspiegelt vielmehr, nach der bereits fehlgeschlagenen Olympiabewerbung von München für 2022, die Position des deutschen Sports in etwa 50 % seiner Bevölkerung und ob er zukünftig in der Welt noch konkurrenzfähig sein soll. Gilt nun die neue Moral: am besten viel Geld für wenig Leistung? Hamburg zeigt auch: wer keinen Wahlkampf oder den Wahlkampf mit zu wenig Engagement macht und dem relativ kleinen unsportlichen NOlympia - Demonstrierern die Straßen und den ARD - ZDF - RTL - MDR - Sport1 etc. – die Präsentation überlässt, muß sich nicht über dieses deprimierende Ergebnis, auch für Deutschlands Ansehen in der Welt, wundern. Wenn DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Wahlabend sich der Auswirkungen für den deutschen Sport bewußt, scheinbar am Boden zerstört, sagte: "Wir waren auf dieses Szenario bis zum heutigen Tag nicht vorbereitet,“ zeigt dies eine gewisse Überheblichkeit mit der eine Niederlage für den DOSB vorher undenkbar schien! Sie haben ihre Situation und die vieler für sie arbeitenden – auch ehrenamtlicher - deutscher Sportanhänger fehleingeschätzt, vielleicht auch das sich die politische Lage seit der Olympia-Bewerbung vor mehr als 45 Jahren für München 1972 drastisch verändert hat. Nun war´s das für Deutschland für Jahrzehnte!

Es ist eine Niederlage Deutschlands – nicht Hamburgs oder des deutschen Sports

Wie seit Jahren die Sorgen der Leute um Deutschlands zu viele zu teuren Groß – Baustellen und Fehl-Investitionen ohne Gegenwehr von der Regierung hingenommen werden hat nun auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Arbeitsnach-weisbestätigung erhalten. Die Quittung auch dafür das Deutschlands Bevölkerung nicht mehr Stolz auf sein Können, seine Sportler, seine Innovationskunst, seine Leistungsfähigkeit ist. Man hatte auch nicht das Gefühl das sich unsere Bundeskanzlerin und die Regierungskoalition oder Funk- und Fernsehen besonders für Hamburg engagieren würden, es ging ja diesmal nicht um Fußball. Gewöhnt hatte man sich an den Sport-Gegenwind von den LINKEN & GRÜNEN, den Olympia- und den anderen Sport- oder sogar Bewegungsgegnern, die spürbare Abkehr von früheren sportlichen Idealen – die Zweifel am Personal im deutschen Leistungssport nicht nur in Frankfurts Otto-Fleck-Schneise – Milliarden für die von Angela Merkel heraufbeschworene Flüchtlingskrise, aber nur „Milliönchen“ für die vielen Millionen Mitglieder im DOSB und Sportarten außerhalb des Fußballs, für die Talentarbeit, die gesperrten maroden und „zeitweilig enteigneten“ Sporthallen des Schul- und Vereins-sports - den fehlenden Trainern an der Basis, der Qualität der Arbeit für die Leichtathletik an den Eliteschulen und Olympiastützpunkten, der Nachwuchsarbeit der Landesverbände – aber auch in der Führungsebene des DLV.

Das war´s wohl nun für den Hochleistungssport

Mit der Entscheidung gegen eine Olympia-Bewerbung für demnächst werden es nun die Sport-Gegner in der Regierung schaffen die Förderung des Leistungssports in Deutschland noch weiter auf ein mögliches Minimum herunterzufahren. Die erhoffte, dringend erforderliche Kehrtwende wird es nicht geben, auch weil Deutschland nach der Verschleuderung von Milliarden im letzten Jahrzehnt schon lange kein reiches Land mehr ist.

Auch Olympia ist wohl nun nicht mehr Deutschlands Baustelle

Seit der Wiedervereinigung ist die Olympia-Medaillen-Ausbeute Deutschlands in großen Sprüngen zurückgegangen. Bei den ersten Olympischen Spielen nach der Wende 1992 in Barcelona gewannen deutsche Athleten noch 82 Medaillen, auch dank der ehemaligen DDR-Sportler, bei den Spielen 2012 in London waren es nur noch 44. Und man hat nicht das Gefühl das 2016 in Rio mehr zu erwarten ist. Es hat sich ja inzwischen, durch die Medien kräftig gefördert, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen dem Bundesliga-Profi-Fußball und den anderen Sommer-Sportarten herausgebildet. Und die großen Firmen sorgen sich auch nur noch um den eigenen Profit, um Fußball und die Sportarten ihrer Reichen wie z.B. Golf, Formel 1 und Tennis.

Quo vadis – Deutschlands Sport“anspruch“

Als "Riesenenttäuschung für den Sport" hat DLV-Chef Clemens Prokop das Nein der Hamburger zu Olympia bezeichnet. Olympische Spiele in Deutschland werden nun "für eine Generation lang kein Thema mehr sein", sagte er am Montag dem Bayerischen Rundfunk. "Auf absehbare Zeit ist nach meiner Erwartungshaltung das Thema Olympische Spiele in Deutschland erledigt."

Sogar der Innenminister hat erst kürzlich ein Signal gegen Olympia gesetzt als er 30 % mehr Medaillen bei Olympischen Spielen ohne mehr Geld forderte. Für die Bevölkerung ein vielleicht schon vorbereitender Hinweis auf Hamburg das der Sport seine Aufgaben für das „viele Geld“ nicht erfüllt hat. Dabei liegen die Versäumnisse Jahre zurück, schon wenige Jahre nach der Wende wurde der Leistungssport von der Regierung, unmerklich für Viele, auf ein Nebengleis gestellt, die Förderung spürbar reduziert und dem DOSB keine Maßstäbe vorgegeben. Auch vom neuen DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann und seinem Vize Michael Vesper, der seit Jahren in Frankfurt für den Hochleistungssport einen gewissen Notstand verwaltet, vermisste man „Neues“, eine neue Leistungssportstruktur für die Nachwuchsarbeit und eine Olympia - Elite, im eigenen Hause einmal ein paar Steine umzudrehen, mehr Hilfen für die Sportverbände und mehr kompetentes Personal. Ob sie sich dieses undankbare Geschäft nach dieser herben Niederlage nun weiterhin antun werden? DOSB-Leistungssport-Chef Dirk Schimmelpfennig forderte erst kürzlich bei den Sportdirektoren der Verbände eine ganz hohe Professionalität, weil sie es offensichtlich nicht gibt. Hat er sie denn im eigenen Hause? Man vermißt seit Jahren Strategien und Führungsqualität die man von der höchsten Sportbehörde erwarten muss. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedauerte das Nein. Sie habe das Votum „mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz in Berlin. Ein armseliges Statement zu einer bitteren Niederlage auch ihres Landes!
 
Auch der Kinder- und Jugendsport wird nun noch mehr leiden

Wie soll ein modernes Hochhaus stolz und attraktiv von seinen Erbauern berichten wenn schon der Keller marode ist. Der Fußball beherrscht inzwischen die Medien auf breiter Front – auch bei wöchentlich kaum mehr zu ertragenden Randalen und Korruption in der FIFA - er hat auch die früher erfolgreichen anderen großen Sportarten „erdrückt“, alles in der Amtszeit von DOSB-Vize Michael Vesper. Da werden aktuell ....zig Turnhallen dem Kinder- und Jugend- und Schulsport ihrer eigentlichen Aufgabe entzogen obwohl die Ärzte  auf dem gerade abgehaltenen Deutschen Sportärztekongress am 11. / 12. 9. 2015 in Frankfurt / Main zum wiederholten Male die Sorgen um die Gesundheit, Übergewicht und Bewegungsmangel unserer Kinder- und Jugend deutlich gemacht und eine breite Förderung gesunder Ernährung und mehr Bewegung vor allem im Kindergarten - und Grundschulalter vor dem Hintergrund einer globalen „Inaktivitätsepidemie“ als außerordentlich wichtig gekennzeichnet haben. Solche Signale kommen aber bei der Regierung und beim Sportausschuß des Bundestages nicht an, sie waren ja über Jahre mit einem von allem ablenkenden Doping-Gesetz für unsere schon immer weniger konkurrenzfähige Elite voll beschäftigt.

Das schlimmste für unser einst stolzes, erfolgreiches, leistungsfähiges Land wäre wenn jetzt die Regierung, ihr Sportausschuß des Bundestages und der Olympische Sportbund in Frankfurt resignierend einfach zur Tagesordnung übergehen würden. Es ist schließlich die Widerspiegelung der objektiven Realität und passt zum Niedergang deutscher Leistungsfähigkeit in vielen Bereichen – für die offensichtlich immer mehr kämpfen - und erfordert schnelle Reaktionen! Solche Niederlagen sind nicht allein Niederlagen des Sports, sie schreien nach Veränderungen. Relativ wenige „Unsportliche oder Leistungs- oder Modernisierungsgegner“ einer Stadt haben nun auch über die Konkurrenzfähigkeit deutscher Spitzensportler in der Welt im nächsten Jahrzehnt entschieden, so es auch die Regierung nicht anders will !

Es soll hinter vorgehaltener Hand schon über eine Umbenennung des DOSB in „Allgemeinen deutschen Breitensportbund“ (AdB) diskutiert worden sein. Da brauchte man überall nichts zu ändern, sich nicht für neue Konzepte, nicht für fähiges Personal zu interessieren und es würde außerdem nichts kosten.