DOSB-Präsident schwört dennoch auf deutsche Tadellosigkeit

Regensburg, 17. Januar 2016 (orv) – "Es ist schlichtweg schockierend, unverständlich und in jeder Hinsicht inakzeptabel, was in der Leichtathletik von Tag zu Tag an neuen Nachrichten kommt. Vor wenigen Wochen dachten wir, schlimmer als in der FIFA kann es nicht mehr werden, aber die Leichtathletik bekommt's hin", sagte Hörmann im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. "Man kann leider, und an dem Punkt sind wir jetzt, nichts mehr ausschließen", sagte der 55-Jährige im Anschluss, sieht sich und seinen DOSB aber im Reinen. Die deutsche Doping-Agentur NADA stellt er als mustergültige, unabhängige und für die Welt vorbildliche Institution dar.

Eigentlich meint er in typisch deutscher Manier „Wir sind unfehlbar und waschen unsere Hände in Unschuld“. Nach all dem, was im Sport im Kleinen und im Großen in der letzten Zeit passiert ist, hält der DOSB trotzdem weiterhin am alten nationalen Qualifikationssystem nach alten, vor den Skandalen entstandenen Berechnungsformeln im Verbund mit seinen Fachverbänden unvermindert fest, als sei nichts passiert. Grundsätzlich hat ein deutscher Olympiaaspirant nicht nur die internationalen Qualifikationshürden der „Entry standards“ zu erfüllen, sondern er muss auch noch den Leistungsnachweis einer begründeten Endkampfchance bei den Olympischen Spielen Rio de Janeiro 2016 vorweisen können.

Dass diese Forderung eindeutig gegen die Olympische Charta verstößt, stört Deutschlands obersten Sportführer nicht. Die Forderung der Endkampfchance deutscher Athleten schränkt deren Teilnahmechancen aber erheblich ein, diskriminiert sie. In den „Grundlegenden Prinzipien des Olympismus“ steht aber eindeutig zuerst unter Punkt  4 „Die Ausübung von Sport ist ein Menschenrecht. Jeder Mensch muss die Möglichkeit zur Ausübung von Sport ohne Diskriminierung jeglicher Art und im olympischen Geist haben; dies erfordert gegenseitiges Verstehen im Geist von Freundschaft, Solidarität und Fairplay“, dann unter Punkt 6 „Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar“. Einfach tadellos, wie sich Alfons Hörmann in allen sportlichen Dingen verhält, ist das auch nicht.