Regensburgs Leichtathleten mit ihren dauerhaften Highlights
    
Pflieger Orth Watter15 Bruesselfoto21. Januar 2016 –  In der Momentaufnahme eines Meisterschaftstages, eines großen Events, vielleicht sogar bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften wird so manche Leistung eines Athleten gern mit dem Attribut „sensationell“ oder „überragend“ eingestuft. Was für den Augenblick richtig erscheint, hat dann im Wandel der Zeit nach einigen Jahren nur noch untergeordnete Bedeutung. Nichts spiegelt dies mehr wieder als der Blick in die „Ewige Bestenliste“, sozusagen die immerwährende Rangliste der deutschen Leichtathletik über mehr als hundert Jahre. Dass sich die Sportart in diesem Zeitraum oft dramatisch entwickelt hat, muss nicht extra erwähnt werden. Das wohl einschneidenste Merkmal war die Einführung der Kunststoffanlagen Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, das die Wettkampfstätten wetterfester, aber auch leistungsfördernder gemacht hat. Gerade in diesen Zeiten muss aber auch erwähnt werden, dass die Ranglisten leider auch noch dopingverseucht sind. Was nun sauber erzielt und was eben nicht, wird dabei nie mehr ans Tageslicht kommen. Deshalb fordern inzwischen leichtathletische Puristen die Abschaffung aller Rekordlisten. Ob es danach besser würde, steht allerdings in den Sternen.

Harrer Kock6 Gala15 BruesselfotoRegensburg führte in der deutschen Leichtathletik lange Jahrzehnte ein Dornröschendasein. Im deutschen Spitzenbereich kamen die Athleten aus der Domstadt bis zur Jahrtausendwende praktisch nicht vor oder aber eben als wenige Protagonisten in anderen deutschen Vereinen. Allein der Olympiavierte 1972 im Hochsprung Hermann Magerl (LG Regensburg) machte für einen ganz kurzen Zeitraum eine Ausnahme und andere deutsche Meistertitel der Regensburger Athleten in der Frauen- und Männerklasse gab es nicht. Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Vor allem die Sportler der LG Telis Finanz, vor 2008 LG Domspitzmilch, sammelten 29 Einzeltitel und noch mehr Mannschaftstitel der Frauen- und Männerklasse allein in den letzten 15 Jahren. Zehnkämpfer Florian Schönbeck (2004) und Mittelstrecklerin Corinna Harrer (2012) hatten es dabei bis zur Teilnahme bei Olympischen Spielen geschafft. Was ihre Leistungen wert waren, zeigt ein Blick in die „Ewige Bestenliste“, einer Rangliste der besten Dreißig aller Zeiten in allen gängigen leichtathletischen Disziplinen, eingearbeitet auch die Leistungen aus der ehemaligen DDR. Selbst leichtathletische Insider erleben dabei so manche Überraschung.

Schneider1 HM Koeln15 KiefnerfotoFakt ist, dass Regensburgs Leichtathleten inzwischen über die Maßen gut vertreten sind. 18 Mal tauchen sie in den einzelnen Disziplinen auf, sie kommen alle von der hiesigen Leichtathletik Gemeinschaft und erzielten alle ihre Leistungen im neuen Jahrtausend. Selbst Hochspringer Hermann Magerl mit seiner damaligen Weltklasseleistung von 2,25m schafft den Sprung in die besten Dreißig nicht mehr, ebenso wenig Zehnkämpfer Florian Schönbeck (LG Domspitzmilch) mit seinen 8127 Punkten (2000) oder Weitspringerin Michelle Weitzel (SWC Regensburg), die sowohl in der Halle als auch im Freien 2011 Deutsche Meisterin noch im Trikot der LG Telis Finanz wurde und 2014 6,66m weit sprang. Bis auf Hammerwerferin Manuela Priemer (noch LG Domspitzmilch), die mit ihren 2003 erzielten 67,26m Platz 10 einnimmt, kommen alle weiteren Leistungen aus dem Bereich Lauf. Zahlenmäßig am stärksten ist dabei der Auftritt von Olympionikin Corinna Harrer, die man über  1500m (2012 – 20. mit 4:04,30min), 3000m (2012 – 28./8:55,47min), 5000m (2014 – 26./15:41,73min) und 10.000m (2014 – 16./32:27,75min) in den Listen findet. In der Hallen-Zehnerliste ist sie mit ihren 8:51,04 (2013) sogar einzige Vertreter/in Regensburgs überhaupt aufgeführt.

SoethoutAm weitesten vorne in den Listen liegt über 3000m der Männer Florian Orth (LG Telis Finanz) auf Platz acht mit seinen 2014 erzielten 7:44,65min. Man findet ihn auch noch über 1500m (13./3:34,54min) und 5.000m (30./13:29,63min). Für weitere drei Einträge sorgt Langstreckler Philipp Pflieger (LG Telis Finanz) über 10km Straße (12. zeitgleich aber später erzielt mit dem 9./28:54min), im Halbmarathon (27./1:03:50h) und im Marathon (23./2:12:50h). Für den Rest sorgen die Frauen der LG Telis Finanz. Maren Kock platziert sich über 3000m (17./8:50,12min) und 5000m (11./15:22,75min), Jana Soethout über 10.000m (30./33:02,02min) und im Halbmarathon (30./1:13:49h). In dieser Disziplin ist auch noch Anja Schneider-Scherl als 26. mit 1:13:40h geführt. Den Schlusspunkt setzt Hindernisläuferin Susi Lutz, die 2010 Deutsche Meisterin über 3000m Hindernis wurde und im gleichen Jahr 9:58,48min (Platz 10) erzielte. Manuel Ziegler, der Dreispringer der LG Telis Finanz und Deutsche Meister von 2014, ist auch so einer, der den Sprung in die „Ewigkeit der deutschen Leichtathletik“ schaffen könnte. 16,61m hat der bisher Dreißigste. 16,61m ist auch Manuel Ziegler schon gesprungen, aber eben im letzten Jahr in der Halle. Ist er derjenige, der in diesem Jahr die 19. Platzierung setzt?

lutz susi1 dm aktive kiefnerfotoTalente gab es in der Domstadt immer wieder und wird es auch in Zukunft geben. Man jubelt sie schnell einmal hoch und ist sich dabei gar nicht bewusst, mit welchen Felsbrocken der weitere Weg zur Höchstleistung im Erwachsenenalter gepflastert sein wird, gerade in Deutschland mit den sehr ungünstigen Rahmenbedingungen für den Hochleistungssport. Deshalb ist auch den sieben „ewigen“ Regensburger Athleten/Innen die höchste Achtung vor ihren absolut respektablen Leistungen zu zollen. So sehen Vorbilder für die Jugend aus. Wenn man berücksichtigt, dass alle bis auf Hammerwerferin Manuela Priemer aus dem Bereich Lauf kommen und alle Leistungen aus der jüngeren Vergangenheit stammen, kann man getrost von der derzeitigen Läuferhochburg der „Blauen“ von der LG Telis Finanz sprechen. Wer’s nicht glaubt kann durchaus deren Leistungen mal mit dem jeweils letzten Platz (30.) der „Ewigen Bestenliste“ in anderen Disziplinen vergleichen: Weitsprung der Männer 8,12m, Kugelstoßen der Männer 20,31m, 400m Hürden der Männer 49,72sec, 400m der Männer 45,57sec oder die klassischen 100m bei Männer und Frauen mit 10,28sec bzw. 11.21sec. Über 800m der Frauen muss man eine 1:59,24min unterbieten, die 100m Hürden schneller als 13,02sec laufen, 1,92m hochspringen oder den Diskus 64,20m weit werfen.