Sein Interview in der FAZ wirft dennoch Fragen auf

Regensburg, 29. Januar 2016 (orv) - Michael Reinsch von der FAZ hat DOSB Mann Michael Vesper eine bedeutsame Frage gestellt: „Haben Sie sich wegen des allfälligen Dopings und der Korruption vom Anspruch der erweiterten Endkampfchance verabschiedet?“ Die Antwort darauf ist ebenso interessant: „Nein, die begründete Endkampfchance bleibt als Kriterium für die Nominierung bestehen. Wir reagieren in diesem Fall auf die Absenkung der internationalen Normen, die die IAAF bereits im November vergangenen Jahres vorgelegt hat.“ Die Spitzfindigkeit der Frage wollte der DOSB-Mann wohl überhören. Michael Reinsch sprach ausdrücklich von 38 der 43 olympischen Disziplinen (Marathon und Gehen erfuhr nur erleichterte Normen), die exakt den Olympianormen der IAAF angepasst wurden und eben nicht von den im November 2015 vom Weltverband nachträglich veränderten 17.

Die Veränderungen durch den DLV und den DOSB waren eben nicht die Reaktion auf jene 17 angesprochenen Disziplinen, sondern die (fast) totale Kapitulation hinsichtlich der eigenen nationalen Vorgaben. Jetzt der (Leichtathletik)-Welt glauben machen zu wollen, man hätte aus reiner Athletenfreundlichkeit unter Einbeziehung der schlimmen Vorgänge im Weltverband den deutschen Leichtathleten mit voller Überzeugung und natürlich rein freiwillig ein Geschenk gemacht, mag man mit dem Hintergrund der letzten Wochen und Monate so doch nicht ganz glauben.

Zumal Vespers Hinweis auf das Festhalten der „erweiterten Endkampfchance“ in 38 von 43 leichtathletischen Disziplinen nun konsequenterweise folgenden logischen Schluss zulässt: In 38 von 43 leichtathletischen Disziplinen – also allen im Stadion – besitzen nun alle deutschen Athleten/Innen eine „berechtigte Endkampfchance“ genauso wie alle Gegner/Innen aus der ganzen Welt, weil internationale Normen exakt den deutschen entsprechen. Oder vielleicht doch nicht? So ist es halt dann mit Dingen, die zusammenpassen sollen, aber eben einfach nicht mehr zusammenpassen. Wie sagt man so gerne im Volksmund: „Lügen haben kurze Beine“, auch wenn sie nur ein „kosmetisches Schwindeln“ sind. Weiter so Herr Vesper, man kann gespannt sein,  was so noch die nächsten Wochen aus ihrem Mund zu hören sein wird.