Bundesinnenminister de Maizière hat ein Problem mit Deutschlands Erfolgsquote im Sport

Regensburg, 22. Februar 2016 (orv) – „Wir müssten eigentlich nach der Tradition in beiden deutschen Staaten und nach unserer Wirtschaftskraft, mit der wir den Spitzensport fördern, mindestens ein Drittel mehr Medaillen bekommen, vielleicht mehr“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière letzten Jahres und deutete damit höchste Unzufriedenheit angesichts der zurückgehenden deutschen Erfolgsbilanz im sportlichen Weltvergleich an. Für 150 Millionen, die er jährlich den deutschen Steuerzahlern für den Sport, insbesondere den Spitzensport, abknöpft, müsse einfach mehr herauskommen. Das sagt ein Minister, der zu seiner Zeit als Verteidigungsminister wohl übersehen hat, dass seine 42 Kampfhubschrauber für die Seekräfte zeitweilig nicht einsetzbar waren, weil sie defekt in ihren Hangars herumstanden, der zig-tausende Gewehre weiter kaufte, von denen man wusste, dass sie im Ernstfall eher zum Danebenschießen geeignet waren. Das sagt ein Minister der wohl wenig Einblick in die professionalen Strukturen seiner damals zu leitenden Verwaltungsschiene hatte. Nun zeigt er gegenüber dem hauptsächlich ehrenamtlich aufgebauten DOSB Kraft und Stärke und fordert größere Effektivität.

Ganz schön dreist, angesichts der Tatsache, dass vieles, was in früheren, wohl erfolgreicheren Jahren Schritt für Schritt verbockt wurde. Wo sollen sie denn zum Beispiel herkommen, die Trainer für die zukünftigen Olympiagewinner in einem Flächenstaat Deutschland? Früher, ja früher haben sich die Sportlehrer an den Gymnasien und Realschulen für den Leistungssport engagiert, dafür ein kleines Zuckerl, die differenzierten Sportstunden erhalten. Das wurde still und heimlich wegrationalisiert, ebenso wie die Philosophie des Leistungssports in den Lehrplänen der Schulen, weil plötzlich nur noch Funsport angesagt war. Jahrzehntelang hat man die ehrenamtlich geführten Vereine hängen gelassen, obwohl man wusste, dass sie mit den alten Strukturen den modernen Anforderungen  nicht gewachsen sein würden. Die Sportvereine, die die olympischen Sportarten noch pflegen, können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, an Gelder und Fachpersonal zu kommen. Wenn Herr Hörmann, derzeitiger Chef des DOSB, glaubt, mit der Installierung eines Steuerberaters und einer juristischen Betreuung wäre die Sache erledigt, dann irrt er gewaltig.

Wenn’s dann brennt im bundesdeutschen Sport, dann müssen die Daumenschrauben angezogen werden. An der Basis am besten, wo man eh schon aus dem letzten Loch pfeift. Schöne Burgen hat man gebaut, genannt Olympiastützpunkte, und dabei vergessen, dass jene Talente, die zukünftig die Sportwelt aus den Angeln heben sollen auch irgendwo herkommen müssen und denen, die sie dort am Anfang ihrer Karriere betreuen sollen, schön langsam der Idealismus verloren geht. Bringt sie zur Burg, pardon zum nächsten OSP, die bisherigen Mohren haben für einen Apfel und ein Ei ihre Schuldigkeit getan, wenn das Talent brav ist, weiterhin seine Jugend opfert und seine Gesundheit riskiert, darf er vielleicht mal auf der Tribüne neben dem Minister sitzen. Aber nur dann, wenn er seine Wertigkeit über Medaillen und vordere Plätze belegt. Schließlich sind sie die Währung für erfolgreichen Spitzensport.

Damit es auch alle glauben, wird jedem das Beispiel Wintersport vorgeführt, speziell jene Edelmetallhamsterer aus dem Bob- und Rodelsport. Im Vergleich ist deren Ausbeute zur Zahl derer, die diesen Sport überhaupt betreiben, auf den ersten Blick gigantisch. Aber eben nur auf den ersten Blick. Der Standortvorteil mit vier olympiatauglichen Eisrinnen bei lediglich 12 Anlagen weltweit ist offensichtlich, die Gegnerschaft bei in etwa 10  ernsthaft beteiligten Nationen absolut dünn. Nur Fingerhakeln oder Eistockschießen würde wohl für Deutschland noch günstiger ausfallen. Kein Vergleich zu den rudimentären olympischen Kernsportarten wie Schwimmen und der Leichtathletik, die zudem weltweit noch stark dopingverseucht sind im Gegensatz zu deutschen Landen, wo man Gott sei Dank wenigsten großen Wert auf einen dopingfreien Sport legt und demnach so hart wie in kaum einem anderen Land kontrolliert.

Also, ihr lieben Chefdenker vom BMI und vom DOSB, wenn ihr schon mehr Medaillen wollt, müsst ihr nicht rationalisieren, sondern investieren, in neue (vielleicht sogar ehemalige) erfolgreiche Strukturen, in Fachpersonal, in den Schulsport und in den universitären auch, in die Synergien mit der starken deutschen Wirtschaft. Es gibt viel zu tun, packen Sie es an mit dem nötigen Respekt und der Anerkennung für die ehrenamtlich tätigen Idealisten, ohne die es auch in Zukunft nicht gehen wird.