Bundesinnenminister de Maizières Anspruch und die amerikanische Realität

Regensburg, 24. Februar 2016 (orv) –  Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat eine einfache Forderung aufgestellt. Er will für den gleichen Förderetat im kommenden Jahr wieder mehr Medaillen sehen. Dafür erarbeitet der DOSB derzeit einen Strukturplan. Über die begleitenden Umfeldbedingungen, als da sind Schulsport, Trainerbereitstellung an der Basis, universitärer Leistungssport, Synergien mit der Wirtschaft etc., wird darin wohl kein Wort zu finden sein. Was durchgesickert ist, wird man im neuen Ansatz die dünne Spitze des deutschen Hochleistungssport auf Kosten des Basisleistungssport noch besser unterstützen. DLV Bundestrainer Dietmar Choynard ließ durchblicken, dass es dann gut möglich sein könnte, dass nur noch das Topteam von der Sporthilfe gefördert wird, selbst Mitglieder des Junioren-Elite-Teams wohl leer ausgehen werden.

Manuel Ziegler ist ein Athlet der LG Telis Finanz Regensburg, der seit Jahren ein Stipendium des Virginia Tech Collages in den USA erhält und dort auch lebt und trainiert. Das Stipendium ist jährlich eine gute fünfstellige Dollarsumme wert. Er reist dieser Tage mit seinem Team zu einem Wettkampf nach Boston. Die Frauen Mannschaft ist mit 22 Athletinnen, die Herren Mannschaft mit der maximal zugelassenen Stärke von 30 Athleten ist dann unterwegs. Dazu kommen 8 Trainer, 4 Physiotherapeuten und 2 Manager. Das sind allein bei diesem Wettkampf insgesamt 66 Flugtickets und 330 Übernachtungen für eine einzige Meisterschaft bei kompletter Vollverpflegung für alle. Bei einem Sieg gibt es pro Coach 10.000 $ Prämie extra. Das sind dann nochmals mindestens $  80.000. Für den Head- Coach gibt es mehr. Manuel Ziegler war in den letzten Wochen gesundheitlich angeschlagen. Wenn es nötig gewesen wäre, hätte die Teamleitung. erneut $ 9.000 für Zieglers Arzt seiner Wahl ausgegeben.

Natürlich ist Manuel Ziegler ein Athlet der absoluten deutschen Spitzenklasse, der im letzten Jahr mit einer Weitsprungleistung von 7,88m (mit unzulässigen RW) und einer Dreisprungleistung von 16,61m gute Punkte für sein Collage gesammelt hatte. Für das Erlangen eines Vollstipendiums ist das aber gar nicht nötig. Man berichtete uns, dass dafür bereits die Leistungen eines Läufers mit 15:15min über 5.000m, 32:10min über 10.000m und 1:09:02h im Halbmarathon reichen und das  im Alter von 29 Jahren. Sieht man sich die jährlichen Gesamtausgaben der amerikanischen Collages* an, erscheinen de Maizières 150 Millionen Förderung geradezu als Peanuts, nach amerikanischer Sicht unbrauchbar, um Erfolge, geschweige denn mehr Erfolge zu generieren.

Dabei ist die Collage-Leichtathletik noch nicht einmal die tragende Säule der US-Olympiamannschaft, die sich meist aus Vollprofis zusammensetzt. Dass die deutschen Talente in den USA nicht weiterkommen würden, ist längst im Bereich der Märchen einzuordnen. Es werden inzwischen immer mehr aus Deutschland, die Leistungssport und Studium optimal in den USA verbinden wollen, und es werden auch immer mehr die mit ihren Leistungen in den deutschen Bestenlisten auftauchen. Die Landflucht potenziert sich inzwischen. Auf den ersten Blick eine win-win.Situation, weil besagte Athleten ihren deutschen Vereinen dadurch immer weniger auf der Tasche liegen. Aber nur auf den ersten Blick. Langfristig wird die jahrzehntelange deutsche Vereinsstruktur bröseln und am Ende ganz auseinander fallen. Spätestens dann, wenn die Basis nicht mehr liefern kann und auch nicht mehr will, wird’s richtig wehtun im deutschen Hochleistungssport. Da hilft auch keine noch so gute Unterstützung der absoluten Spitze mehr. Strategisches Denken wäre nun also im bundesdeutschen Spitzensport gefragt und das müsste de Maizière eigentlich in seiner Zeit als Bundesverteidigungsminister bestens gelernt haben.

*http://www.cbssports.com/collegefootball/writer/jon-solomon/25417211/inside-college-sports-sec-big-ten-dominate-100m-revenue-club