1500m der Frauen bei den Europameisterschaften 2012 nur noch ein Fragment

Harrer EM 03 HenselfotoRegensburg, 25. Februar 2016 (orv) – Am 1. Juli 2012 war Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt) überraschend EM-Sechste über 1.500 Meter geworden. Am 25. Februar 2016 ist die 25-Jährige plötzlich Medaillengewinnerin. Durch die Dopingsperre - die dritte des EM-Finals - von Anna Mishchenko rückt Diana Sujew auf den Bronzeplatz nach vorn. Denn neben der ursprünglich drittplatzierten Anna Mishchenko (4:07,74 min) waren schon zuvor die Europameisterin und spätere Olympiasiegerin Asli Cakir Alptekin (Türkei; 4:05,31 min) sowie die viertplatzierte Russin Yekaterina Gorbunova (4:08,63 min) wegen Dopingverstößen disqualifiziert worden. Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg), die zweite Deutsche im EM-Finale von Helsinki, rückt nach dieser Entscheidung von Platz sieben auf sechs nach vorn.

Schlägt man bei Google die Wikipedia-Seite der Europameisterschaften 2012 auf, fällt bei den 1500m der Frauen auf, dass im Finale nur noch sieben Athletinnen geführt werden, darunter die immer noch suspekte Gamze Bulut, jetzt de facto Europameisterin und Olympiasiegerin, die weder vor 2012 noch danach auch nur annähernd adäquate Leistungen zu ihren phänomenalen 2012er Auftritten brachte. Außerdem erreichte mit Kristina Khaleyeva eine weitere Russin das Ziel, die in den EAA-Listen inzwischen im Jahr 2012 nicht mehr geführt wird. Vieles ist rätselhaft einschließlich der Dunkelziffer der nicht Erwischten.

Wer sich das Rennen noch einmal bei youtube anschaut, kommt zur Erkenntnis, dass der Lauf vor allem in der Schlussphase von den Türkinnen und Russinnen bestimmt wurde. Wären die nicht im Rennen gewesen, hätte es sicher einen ganz anderen Verlauf genommen. Welchen, steht in den Sternen und man mag keiner der übrig bleibenden sauberen Protagonistinnen im Nachhinein Chancen zurechnen, die letztendlich im Unvorstellbaren liegen. Jede hätte letztendlich gewinnen können. Die Dopingsünderinnen kann man nun rausrechnen wie man will, ein gerades Bild des Finales wird nicht mehr entstehen. Da mag man sich drehen und wenden wie man will.

Die 1500m der Frauen waren und sind da kein außergewöhnlicher Ausnahmefall. So lang die lasche Haltung der internationalen Verbände in Sachen Doping gegenüber ihren Mitgliedsverbänden so bleibt, wird jede Nation ihre „eigene Vorstellung“ betreffs wirkungsvoller oder auch wirkungsloser Dopingkontrollen in die Tat umsetzen, bis hin zur „russischen Lösung“. Was das ist, muss beileibe nicht mehr genauer umschrieben werden, es ist auch so schlimm genug. Wie verschieden die Ansichten von Moral in den verschiedenen europäischen Ländern sind, kann auch 2016 über die Behandlung von Flüchtlingsaufnahmen gut nachvollzogen werden.

Eine echte Lösung ist weit entfernt. Der Deutsche Leichtathletikverband im Verbund mit dem DOSB und der Bundesregierung mag noch so hohe Lieder auf saubere Athleten singen, viele der Konkurrenzverbände pfeifen ganz einfach drauf. Weltweit ist die Karibik und ganz Afrika mit den Medaillenbänken Jamaica und Ostafrika praktisch ohne einem vernünftigen Doping-Kontroll-System. „Gelegenheit macht Diebe“ heißt ein Sprichwort, was der der oberste ehemalige IAAF-Chef Lamin Diack auch anschaulich in die Tat umgesetzt hat und ein anderes Sprichwort heißt „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“. Business as usual mag man da nur sagen, erlaubt ist alles, was nicht erwischt wird. Solang sich diese Einstellung als professionelle Einstellung zum Hochleistungssport hält, ist keine Besserung der ziemlich verkorksten Lage in Sicht.